Kohlendioxid lässt Regenwald-Bäume sprießen
Die Struktur des Amazonas-Regenwald verändert
sich auch in jenen Regionen, die der Mensch unbehelligt lässt.
(jkm) - Große, schnell wachsende Bäume dominieren
zunehmend den Bestand gegenüber langsam wachsenden Nachbarn.
Das berichten amerikanische und brasilianische Wissenschaftler
im Magazin "Nature". Sie befürchten, indirekt werde
so der globale Temperaturanstieg beschleunigt.
Die Tropenforscher um William Laurance vom Smithsonian Tropical
Research Institute in Balboa, Panama, sehen in steigenden Kohlendioxid-Werten
in der Atmosphäre den Auslöser für das beschleunigte
Wachstum der Bäume. In den letzten 200 Jahren ist der Anteil
an Kohlendioxid um rund 30 Prozent gestiegen, ein Großteil
davon sammelte sich erst nach 1960 an. Weil die schnell wachsenden
Regenwald-Bäume weniger Kohlenstoff in ihrem Holz speichern,
könnten die Kohlendioxid-Werte noch weiter ansteigen, befürchten
die Forscher.
Laurance und seine Kollegen untersuchten die Entwicklung von
rund 14.000 Bäumen im Amazonas-Regenwald über die letzten
zwanzig Jahre hinweg. In dieser Zeit habe sich das Baum-Wachstum
deutlich beschleunigt, schreiben die Forscher jetzt. Der Lebenszyklus
der Flora habe sich grundsätzlich beschleunigt; alte Bäume
würden heute schneller sterben und durch junge ersetzt werden
als vor zwanzig Jahren.
"Es ist beängstigend zu beobachten, dass selbst unberührter
Wald sich derart schnell wandeln kann", sagt Laurance. "Der
Rückgang vieler kleiner Bäume ist bedeutsam, weil sie
so spezialisiert sind", ergänzt sein Kollege Henrique
Nascimento; "sie leben im dunklen Inneren des Waldes und
blühen selbst im tiefsten Schatten." Weil sie aber nur
langsam wachsen, gewinnen die großen Nachbarn die Oberhand.
"Dies könnte ein Signal für den fundamentalen
Wandel des Wald-Ökosystems sein", befürchtet Laurance.
"Wenn sich unter den Bäumen das Verhältnis der
Arten verschiebt, wird sich zweifellos auch der Tierbestand ändern,
der sich von den Bäumen ernährt und sie bestäubt."
|