Gesprengte Fesseln: Invasoren fehlen Gegenspieler
Eingeschleppte Pflanzen können sich in
ihrem neuen Lebensraum häufig unkontrolliert ausbreiten -
besonders wenn mikrobielle Gegenspieler im Boden fehlen.
(jkm) - Erreichen Pflanzen ein neues Gebiet, können sie
sich dort zu wahren Unkräutern entwickeln. Ein wichtiger
Faktor sind fehlende mikrobielle Gegenspieler in den neuen Böden,
zeigen Experimente amerikanischer Ökologen. Die aus Europa
stammende Flockenblume wächst in europäischen Böden
weniger gut als in amerikanischen. Der Unterschied verschwindet
jedoch, wenn die Böden zuvor sterilisiert wurden.
Die Gefleckte Flockenblume (Centaurea maculosa) war vor gut 100
Jahren nach Nordamerika verschleppt worden und hat sich seitdem
über den ganzen Kontinent ausgebreitet. Das Gewächs
verdrängt einheimische Pflanzen und mindert den Wert von
Weiden, da es vom Vieh gemieden wird. Ray Callaway und sein Team
von der University of Montana, Missoula, untersuchten nun den
Einfluss der Bodenflora auf den Korbblütler. Dazu pflanzten
sie Centaurea-Samen in Böden von verschiedenen europäischen
und nordamerikanischen Fundorten.
Im "heimischen" europäischen Boden brachten es
die Sämlinge binnen fünf Monaten auf gut 0,4 Gramm Trockengewicht,
im "neuen" nordamerikanischen dagegen auf das Doppelte.
In zuvor sterilisiertem Erdreich erreichten dagegen alle Pflanzen
ein Trockengewicht von etwa 1,2 Gramm, berichten die Forscher
im Magazin "Nature". In einigen nordamerikanischen Böden
wuchsen die Sämlinge sogar schlechter, wenn Bakterien, Pilze
und andere Mikroorganismen abgetötet worden waren.
Der Effekt variiert zudem je nach Vorgeschichte des Bodens, zeigten
weitere Versuche. In europäischen Böden wuchsen die
Sämlinge schlechter, in nordamerikanischen dagegen besser,
wenn zuvor bereits Flockenblumen in dem Erdreich gewachsen waren.
Offenbar "kultiviert" Centaurea im heimischen Boden
artspezifische bakterielle und virale Gegenspieler, die zudem
gegen die chemischen Kampfstoffe ihrer Wurzeln gefeit sind. Im
fremden Boden scheint sie dagegen auf generalistische Pilz-Symbionten
bauen zu können.
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