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- 18.02.2004 -

 

 

 


 

Fischt der Mensch weniger, hungert die Möwe

Ein Fangstopp für Kabeljau in der Nordsee könnte deutliche Auswirkungen auf die Population von Seevögeln haben.

(jkm) - Raubmöwen haben sich angewöhnt, Fischfangschiffen zu folgen und jene Beute zu fangen, die die Fischer als unbrauchbar über Bord werfen. Dieses Verhalten haben die Raubmöwen derart stark verinnerlicht, dass ihre eigenen Fänge die "Fütterung" nur noch ergänzen, berichten Biologen. Veränderungen im menschlichen Fischfang hätten deshalb deutlich Auswirkungen auf die Populationen der Seevögel.

Unter Leitung von Robert W. Furness von der Universität Glasgow werteten Biologen aus Großbritannien, Portugal, den Niederlanden, Neuseeland und Deutschland die Daten einer Langzeitstudie aus. Von 1986 bis 2002 waren auf der Insel Foula, die zu den Shetland-Inseln gehört, Große Raubmöwen (Stercorarius skua) und verwandte Seevögel beobachtet worden.

"Es gibt nur wenige so gut untersuchte Populationen von Seevögeln", weiß Simone Pfeiffer vom Institut für Ökologie der Universität Jena, die an dem Projekt beteiligt war. Teil ihrer Arbeit war die Sammlung und Analyse von unverdauten Teilen der Nahrung, die die Möwen regelmäßig wieder ausspucken. Daraus konnte Pfeiffer die Ernährungsgewohnheiten der Skuas, wie die Raubmöwen auch genannt werden, analysieren.

In einem Bericht im Magazin "Nature" äußern die Biologen jetzt die Befürchtung, das für die Nordsee geplante Fangverbot für Kabeljau könne dem Gleichgewicht der Seevogel-Populationen schaden. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hatte im Oktober 2003 empfohlen, in der Nordsee vorübergehend den Kabeljau-Fang einzustellen. Doch was die Fischbestände schützen soll, hätte drastische Auswirkungen auf den Bestand mancher Seevogelarten, warnen die Biologen: Die großen Vögel, wie die Skuas, weichen dann voraussichtlich auf andere Nahrungsquellen wie kleinere Seevögel aus.

"Wenn die Nahrung der Skuas nur um 5 Prozent mehr Seevögel enthält, bedeutet dies, dass ca. 2.000 Dreizehenmöwen sterben müssen, die dann von den Skuas gefressen werden", sagt Pfeiffer. Der absolute Schutz der Fische würde also den Rückgang anderer Tierarten nach sich ziehen. Um schützenswerte Vögel - zu denen z.B. auch Eissturmvogel, Papageientaucher und Trottellumme gehören - nicht mit Vorsatz auf den Speiseplan der Großen Raubmöwen zu pressen, sollten die Fischfangquoten nur langsam abgesenkt werden, empfiehlt die Biologin.

"Eine Steuerung der Populationsgröße durch ein Verändern der Fangquote ist allerdings nicht möglich", ergänzt Pfeiffer, da zu viele Faktoren einen Einfluss ausübten.

Menschen verbrauchen mehr Fisch als alle Seevögel

Die britische Universität Cambridge veröffentlichte in dieser Woche eine Studie, nach der Menschen mehr Fisch als alle Seevögel zusammen verbrauchen.

 


© ArtToday

Raubmöwe oder Skua

 

 Mehr Informationen:

Mitteilung der Uni Jena

nature science update

 

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