Fischt der Mensch weniger, hungert die Möwe
Ein Fangstopp für Kabeljau in der Nordsee
könnte deutliche Auswirkungen auf die Population von Seevögeln
haben.
(jkm) - Raubmöwen haben sich angewöhnt, Fischfangschiffen
zu folgen und jene Beute zu fangen, die die Fischer als unbrauchbar
über Bord werfen. Dieses Verhalten haben die Raubmöwen
derart stark verinnerlicht, dass ihre eigenen Fänge die "Fütterung"
nur noch ergänzen, berichten Biologen. Veränderungen
im menschlichen Fischfang hätten deshalb deutlich Auswirkungen
auf die Populationen der Seevögel.
Unter Leitung von Robert W. Furness von der Universität
Glasgow werteten Biologen aus Großbritannien, Portugal,
den Niederlanden, Neuseeland und Deutschland die Daten einer Langzeitstudie
aus. Von 1986 bis 2002 waren auf der Insel Foula, die zu den Shetland-Inseln
gehört, Große Raubmöwen (Stercorarius skua) und
verwandte Seevögel beobachtet worden.
"Es gibt nur wenige so gut untersuchte Populationen von
Seevögeln", weiß Simone Pfeiffer vom Institut
für Ökologie der Universität Jena, die an dem Projekt
beteiligt war. Teil ihrer Arbeit war die Sammlung und Analyse
von unverdauten Teilen der Nahrung, die die Möwen regelmäßig
wieder ausspucken. Daraus konnte Pfeiffer die Ernährungsgewohnheiten
der Skuas, wie die Raubmöwen auch genannt werden, analysieren.
In einem Bericht im Magazin "Nature" äußern
die Biologen jetzt die Befürchtung, das für die Nordsee
geplante Fangverbot für Kabeljau könne dem Gleichgewicht
der Seevogel-Populationen schaden. Der Internationale Rat für
Meeresforschung (ICES) hatte im Oktober 2003 empfohlen, in der
Nordsee vorübergehend den Kabeljau-Fang einzustellen. Doch
was die Fischbestände schützen soll, hätte drastische
Auswirkungen auf den Bestand mancher Seevogelarten, warnen die
Biologen: Die großen Vögel, wie die Skuas, weichen
dann voraussichtlich auf andere Nahrungsquellen wie kleinere Seevögel
aus.
"Wenn die Nahrung der Skuas nur um 5 Prozent mehr Seevögel
enthält, bedeutet dies, dass ca. 2.000 Dreizehenmöwen
sterben müssen, die dann von den Skuas gefressen werden",
sagt Pfeiffer. Der absolute Schutz der Fische würde also
den Rückgang anderer Tierarten nach sich ziehen. Um schützenswerte
Vögel - zu denen z.B. auch Eissturmvogel, Papageientaucher
und Trottellumme gehören - nicht mit Vorsatz auf den Speiseplan
der Großen Raubmöwen zu pressen, sollten die Fischfangquoten
nur langsam abgesenkt werden, empfiehlt die Biologin.
"Eine Steuerung der Populationsgröße durch ein
Verändern der Fangquote ist allerdings nicht möglich",
ergänzt Pfeiffer, da zu viele Faktoren einen Einfluss ausübten.
Menschen verbrauchen mehr Fisch als alle Seevögel
Die britische Universität Cambridge veröffentlichte
in dieser Woche eine Studie, nach der Menschen mehr Fisch als
alle Seevögel zusammen verbrauchen.
|