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Borneo: Regenwälder schwinden -
Abholzung geschützter Terrains
Die einst riesigen Urwälder
auf der südostasiatischen Insel Borneo sind einer neuen Bestandsaufnahme
zufolge durch radikale Abholzung bedroht.
Washington/Kuala Lumpur (dpa)
- Allein die geschützten indonesischen Flachland-Urwälder
auf Borneo seien zwischen 1985 und 2001 um 56 Prozent (29 000
Quadratkilometer) geschrumpft, schreiben US-Forscher im Fachjournal
«Science» (Bd. 303, S. 1000). Das entspricht der Fläche
Brandenburgs. Ein Großteil des Holzes landet laut Greenpeace
in Form von Gartenmöbeln in Europa. Die indonesische Regierung
verkündete unterdessen nach Angaben der Umweltstiftung WWF
auf der internationalen Artenschutzkonferenz in Kuala Lumpur die
Einrichtung zwölf weiterer Waldschutzgebiete, unter anderem
auf Borneo und Sumatra.
Die Waldflächen auf diesen
beiden Inseln seien in den vergangenen Jahrzehnten für die
Produktion von Holz, Papier und Palmöl schneller vernichtet
worden als irgendwo sonst auf der Welt, beklagte der World Wide
Fund for Nature (WWF). Die so gewonnenen billigen Rohstoffe landeten
als Waschmittel, Kopierpapier, Kartons, Margarine und Süßigkeiten
in europäischen Büros und Haushalten. Allein im vergangenen
Jahr seien in ganz Indonesien insgesamt rund 30.000 Quadratkilometer
Wald dem industriellen und illegalen Holzeinschlag zum Opfer gefallen.
Nach Angaben des Greenpeace-Artenschutzexperten
Martin Kaiser wird Holz auf dem indonesischen Teil Borneos sowohl
illegal geschlagen als auch illegal nach Malaysia transportiert,
wo es verarbeitet werde. «Dann wird es nach Europa legal
als Gartenmöbel exportiert», erläutert Kaiser.
Er verweist als Alternative auf Holz aus anderen Ländern,
das mit dem FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) ausgezeichnet
wurde. Dafür werde kein Urwald zerstört.
Die wichtigen Pufferzonen um
bereits geschützte Areale auf Borneo seien teils schon zu
70 Prozent abgeholzt, schreiben die US-Forscher von der Yale-University
in New Haven in ihrer «Science»-Studie. Nach einer
Auswertung verschiedener Überblicke warnen sie vor einer
doppelten Gefahr durch die Abholzung. Nicht nur der Raubbau selbst,
sondern auch die veränderte Wirkung des Klimaphänomens
El Nino bedrohten die Umwelt. Ursprünglich habe El Nino für
den indonesischen Urwald eine wichtige Funktion gehabt, weil die
Blüte- und Reproduktionsphasen der wichtigsten Nutzbäume
und Pflanzen dadurch synchronisiert worden seien. «Die Waldzerstückelung
und die Oberflächenveränderung haben El Nino jedoch
von einer regenerativen zu einer zerstörerischen Kraft gewandelt»,
schreiben die Forscher. Nun fördere El Nino Dürren und
Brände.
Der WWF forderte die indonesische
Regierung auf, der Ankündigung neuer Schutzgebiete auch Taten
folgen zu lassen. Die Umweltstiftung verlangte einen Aktionsplan
zur Bewahrung der Regenwälder und damit der dort heimischen
und vom Aussterben bedrohten Elefanten und Orang- Utans.
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