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- 06.02.2004 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Wer zahlt? UN-Konferenz über weltweites Netz von Schutzgebieten

Ein globales Netz von Schutzgebieten auf dem Land und im Meer könnte den weltweiten Artenverlust zumindest bremsen. Eine UN-Konferenz berät jetzt über seine Einführung.

Von Simone Humml, dpa

Hamburg/Kuala Lumpur (dpa) - Weltweit ist nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Wälder erhalten. 75 Prozent der kommerziell genutzten Fischarten sind überfischt oder stehen am Rande der Überfischung. Ein globales Netz von Schutzgebieten auf dem Land und im Meer könnte den Artenverlust zumindest bremsen. Mögliche Regeln für die Einrichtung eines solchen Verbundes sind ein Kernpunkt der 7. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über biologische Vielfalt (9.- 20. Februar), die am kommenden Montag in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur beginnt.

Der Konvention, die auf dem Erdgipfel für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro vereinbart wurde, sind bislang mehr als 180 Staaten beigetreten. Die USA haben sie noch nicht ratifiziert. Bei der Konferenz geht es auch darum, wie Entwicklungsländer davon profitieren, wenn zum Beispiel Pharma- und Agrarkonzerne des Westens Gene und Wissen aus den artenreichen Regionen der Erde nutzen.

EU fordert ehrgeiziges Programm

Die Europäische Union möchte sich in Kuala Lumpur vor allem für ein konkretes internationales Arbeitsprogramm einsetzen. «Wir fordern insgesamt ein ehrgeiziges Programm mit klaren Zielen und zeitlichen Vorgaben für die Einrichtung eines globalen Schutzgebiet-Netzwerkes», sagt Dirk Schwenzfeier, Referatsleiter Internationaler Naturschutz beim Bundesumweltministerium. Das weltweite Netzwerk solle auf bereits existierenden Gebieten aufbauen, aber auch neue aufnehmen und Verbindungskorridore schaffen, so dass Arten von einem zum anderen Schutzgebiet gelangen können.

Die EU-Staaten, darunter auch die Beitrittsländer, haben gemeinsame Forderungen formuliert: Demnach soll bis 2010 zu Land und bis 2012 zu Wasser ein weltweit zusammenhängendes System von Schutzgebieten errichtet werden, das effektiv verwaltet wird und ökologisch repräsentativ ist. Die Schutzbemühungen sollen laut Schwenzfeier aber auch die übrige Landschaft einbeziehen und etwa bei allen politischen Entscheidungen über Holzeinschlag oder Straßenbau eine Rolle spielen. Zur Umsetzung der Ziele setzt sich die EU für eine neue spezielle UN-Arbeitsgruppe ein.

Entwicklungsländer wollen genetische Ressourcen nutzen

Die Entwicklungsländer legen bei der Konferenz einen Schwerpunkt darauf, von ihren eigenen genetischen Ressourcen wirtschaftlich zu profitieren. «Die Entwicklungsländer sehen ihre genetischen Ressourcen als handelbares Gut wie Öl oder Holz, das international verkauft werden kann», erläutert Schwenzfeier. Für diesen Handel wollten sie detaillierte Regeln erreichen. Die EU werde die Länder dabei unterstützen.

Da die USA der Konvention über biologische Vielfalt noch nicht beigetreten sind, haben sie auf der Konferenz kein Stimmrecht. Sie werden aber als Beobachter anwesend sein.

 


© ArtToday

Industrieländer haben laut Greenpeace-Artenschutzexperten Martin Kaiser eine besondere Verantwortung: "Das Holz aus den Wäldern der Gorillas in Afrika wird bei uns zu Fensterrahmen verarbeitet."

 

Industrieländer haben besondere Verantwortung

Deutschland und weitere Industrieländer haben laut Greenpeace-Artenschutzexperten Martin Kaiser eine besondere Verantwortung, denn die globale Ausbeutung von Arten geschehe vor allem wegen des hohen Konsums im Westen: «Aus den Urwäldern Kanadas und Skandinaviens kommt Kopierpapier. Das Holz aus den Wäldern der Gorillas in Afrika wird bei uns zu Fensterrahmen verarbeitet. Und aus Indonesien und Malaysia beziehen wir hauptsächlich Gartenmöbel.» Eine Alternative sei zertifiziertes Holz aus nachhaltigem Anbau, das mit dem FSC-Siegel versehen sei.

Noch nicht geklärt ist Greenpeace zufolge, woher das Geld für die Schutzgebiete kommen soll. Verschiedene Forscher hätten einen Betrag von etwa 33 Milliarden Dollar (26 Milliarden Euro) pro Jahr berechnet, damit Schutzgebiete ausgeweitet und erhalten werden können. Derzeit werden laut Greenpeace jedoch erst 8 Milliarden Dollar pro Jahr dafür aufgewendet, 7 Milliarden davon in Industrieländern. Die Organisation fordert daher mehr «grüne Entwicklungshilfe» von der Bundesregierung. «Naturschutz ist eine Methode der Armutsbekämpfung und zwar eine dauerhafte», betont Greenpeace Sprecherin Carmen Ulmen.

 

 Mehr Informationen:

Artenschutzkonferenz

BMU: Artenschutz

Greenpeace

 

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