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Wer zahlt? UN-Konferenz über weltweites
Netz von Schutzgebieten
Ein globales Netz von Schutzgebieten
auf dem Land und im Meer könnte den weltweiten Artenverlust
zumindest bremsen. Eine UN-Konferenz berät jetzt über
seine Einführung.
Von Simone Humml, dpa
Hamburg/Kuala Lumpur (dpa) -
Weltweit ist nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Wälder
erhalten. 75 Prozent der kommerziell genutzten Fischarten sind
überfischt oder stehen am Rande der Überfischung. Ein
globales Netz von Schutzgebieten auf dem Land und im Meer könnte
den Artenverlust zumindest bremsen. Mögliche Regeln für
die Einrichtung eines solchen Verbundes sind ein Kernpunkt der
7. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über biologische
Vielfalt (9.- 20. Februar), die am kommenden Montag in Malaysias
Hauptstadt Kuala Lumpur beginnt.
Der Konvention, die auf dem Erdgipfel
für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro vereinbart
wurde, sind bislang mehr als 180 Staaten beigetreten. Die USA
haben sie noch nicht ratifiziert. Bei der Konferenz geht es auch
darum, wie Entwicklungsländer davon profitieren, wenn zum
Beispiel Pharma- und Agrarkonzerne des Westens Gene und Wissen
aus den artenreichen Regionen der Erde nutzen.
EU fordert ehrgeiziges Programm
Die Europäische Union möchte
sich in Kuala Lumpur vor allem für ein konkretes internationales
Arbeitsprogramm einsetzen. «Wir fordern insgesamt ein ehrgeiziges
Programm mit klaren Zielen und zeitlichen Vorgaben für die
Einrichtung eines globalen Schutzgebiet-Netzwerkes», sagt
Dirk Schwenzfeier, Referatsleiter Internationaler Naturschutz
beim Bundesumweltministerium. Das weltweite Netzwerk solle auf
bereits existierenden Gebieten aufbauen, aber auch neue aufnehmen
und Verbindungskorridore schaffen, so dass Arten von einem zum
anderen Schutzgebiet gelangen können.
Die EU-Staaten, darunter auch
die Beitrittsländer, haben gemeinsame Forderungen formuliert:
Demnach soll bis 2010 zu Land und bis 2012 zu Wasser ein weltweit
zusammenhängendes System von Schutzgebieten errichtet werden,
das effektiv verwaltet wird und ökologisch repräsentativ
ist. Die Schutzbemühungen sollen laut Schwenzfeier aber auch
die übrige Landschaft einbeziehen und etwa bei allen politischen
Entscheidungen über Holzeinschlag oder Straßenbau eine
Rolle spielen. Zur Umsetzung der Ziele setzt sich die EU für
eine neue spezielle UN-Arbeitsgruppe ein.
Entwicklungsländer wollen
genetische Ressourcen nutzen
Die Entwicklungsländer legen
bei der Konferenz einen Schwerpunkt darauf, von ihren eigenen
genetischen Ressourcen wirtschaftlich zu profitieren. «Die
Entwicklungsländer sehen ihre genetischen Ressourcen als
handelbares Gut wie Öl oder Holz, das international verkauft
werden kann», erläutert Schwenzfeier. Für diesen
Handel wollten sie detaillierte Regeln erreichen. Die EU werde
die Länder dabei unterstützen.
Da die USA der Konvention über
biologische Vielfalt noch nicht beigetreten sind, haben sie auf
der Konferenz kein Stimmrecht. Sie werden aber als Beobachter
anwesend sein.

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ArtToday
Industrieländer
haben laut Greenpeace-Artenschutzexperten Martin Kaiser
eine besondere Verantwortung: "Das Holz aus den Wäldern
der Gorillas in Afrika wird bei uns zu Fensterrahmen verarbeitet."
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Industrieländer haben
besondere Verantwortung
Deutschland und weitere Industrieländer
haben laut Greenpeace-Artenschutzexperten Martin Kaiser eine besondere
Verantwortung, denn die globale Ausbeutung von Arten geschehe
vor allem wegen des hohen Konsums im Westen: «Aus den Urwäldern
Kanadas und Skandinaviens kommt Kopierpapier. Das Holz aus den
Wäldern der Gorillas in Afrika wird bei uns zu Fensterrahmen
verarbeitet. Und aus Indonesien und Malaysia beziehen wir hauptsächlich
Gartenmöbel.» Eine Alternative sei zertifiziertes Holz
aus nachhaltigem Anbau, das mit dem FSC-Siegel versehen sei.
Noch nicht geklärt ist Greenpeace
zufolge, woher das Geld für die Schutzgebiete kommen soll.
Verschiedene Forscher hätten einen Betrag von etwa 33 Milliarden
Dollar (26 Milliarden Euro) pro Jahr berechnet, damit Schutzgebiete
ausgeweitet und erhalten werden können. Derzeit werden laut
Greenpeace jedoch erst 8 Milliarden Dollar pro Jahr dafür
aufgewendet, 7 Milliarden davon in Industrieländern. Die
Organisation fordert daher mehr «grüne Entwicklungshilfe»
von der Bundesregierung. «Naturschutz ist eine Methode der
Armutsbekämpfung und zwar eine dauerhafte», betont
Greenpeace Sprecherin Carmen Ulmen.
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