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- 31.01.2004 -

 

 

 

 

 


 

Mexiko: Bewaffnete Banden dezimieren Meeresschildkröten

Tierschützer schlagen Alarm: Bewaffnete Wilderer haben in Mexiko mehr als 500 vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröten getötet.

Von Klaus Blume, dpa

Mexiko-Stadt (dpa) - An den Pazifikstränden von Petatlán, rund 170 Kilometer nordwestlich des Badeortes Acapulco, bietet sich ein schauriger Anblick. Im weichen Sand verwesen dort zu Dutzenden die Überreste getöteter Meeresschildkröten. Meist sind es nur noch Panzer und Kopf, was Wilderer von den mächtigen Reptilien übrig gelassen haben. Laut Presseberichten sind an dem Küstenabschnitt in den vergangenen drei Monaten mehr als 500 Exemplare der bis zu 1,65 Meter langen Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) und der kleineren Bastard-Schildkröte (Lepidochelys olivacea) geschlachtet worden. Tierschützer schlagen Alarm.

Nach Einschätzung der mexikanischen Umweltbehörde Profepa sind an den Stränden des Bundesstaates Guerrero Banden am Werk, die auch in den Drogenhandel verwickelt und mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffnet sind. Sie schlagen die Schildkröten nachts mit Knüppeln und Macheten tot. Die Behörde bat jetzt um den Schutz des mexikanischen Heeres, da sich ihre Mitarbeiter nicht mehr an die Strände trauen könnten. Denn die Wilderer lassen sich nicht gerne stören. Ein mexikanischer Student, der sich einer Gruppe von Schildkrötenschützern in Petatlán angeschlossen hatte, wurde tot aufgefunden, seine Begleiterin ist spurlos verschwunden.

«Wir haben es hier mit einem allgemeinen Problem dieses Landes zu tun: Die Gesetze werden nicht durchgesetzt», klagt der mexikanische Schriftsteller Homero Aridjis, Vorsitzender der Umweltorganisation «Grupo de los Cien» (Gruppe der 100). Denn schon seit 1990 sind in Mexiko die Jagd auf Schildkröten, das Sammeln ihrer Eier sowie der Handel mit Fleisch, Häuten und Schildpatt verboten. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Das Fleisch der Meeresschildkröten ist eine beliebte Delikatesse und wird auf Märkten verkauft, die die Behörden nicht kontrollieren wollen. Dort werden auch die Eier als Potenzmittel angepriesen. Und in der zentralmexikanischen Stadt Leon, dem Zentrum der Schuhindustrie des Landes, werden unter dem Ladentisch sogar Stiefel aus Schildkrötenleder angeboten.

Von den sieben bekannten Meeresschildkrötenarten kommen fünf in mexikanischen Gewässern vor. Es sei immer wieder ein unvergesslicher Anblick wenn nachts tausende von ihnen gleichzeitig aus dem Meer krabbelten, um am Strand ihre Eier abzulegen, schwärmt Tierschützer Aridjis. Doch die Wilderei hat den Beständen zugesetzt. Die größte aller Meeresschildkrötenarten, die Lederschildkröte, gilt bereits als vom Aussterben bedroht.

Aridjis ärgert es, dass lokale Politiker unter Hinweis auf die wirtschaftliche Not immer wieder Verständnis für die Wilddiebe äußerten. Lebend seien die Meeresschildkröten mehr wert als tot, sagt der Schriftsteller und verweist auf die Chancen des Ökotourismus.

Besonders bedroht sind die Meeresreptilien wieder in der aufkommenden Fastenzeit. Gläubige Katholiken dürfen dann kein Fleisch essen, doch viele Mexikaner glauben, dass es sich bei den Schildkröten um Fisch handele. Vor zwei Jahren baten Mexikos Tierschützer in einem Schreiben an den Vatikan Papst Johannes Paul II. um ein klärendes Wort an alle Gläubigen. Bis heute warten sie vergeblich auf eine Antwort.

 

 Mehr Informationen:

Tierschutzorganisation Wildcoast

Meeresschildkröten

 

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