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Teurer Hecht: Kampf um das «Weiße
Gold» der Antarktis immer härter
Der Kampf zwischen Fischereipiraten
und den Regierungen von Australien und Neuseeland um das «Weiße
Gold» der Antarktis, den Schwarzen Seehecht, wird immer
härter.
Von Frank Brandmaier und David
Barber, dpa
Wellington/Singapur (dpa) - Die
Verfolgungsjagd galt als die längste der australischen Seefahrtgeschichte
und sie ließ keinen Zweifel, dass die Geduld Canberras am
Ende war. Mehr als 7000 Kilometer stellte ein australisches Patrouillenboot
vorigen August dem uruguayischen Fischkutter «Viarsa 1»
nach, bis der Trawler aufgebracht werden konnte. An Bord: 80 Tonnen
illegal gefangenen Schwarzen Seehechts im Wert von einer Million
US-Dollar (umgerechnet 786.000 Euro). Längst lockt das «Weiße
Gold», wie der teure Fisch genannt wird, Scharen von Fischereipiraten
in antarktische Gewässer. In dieser Saison zeigen sich Australien
und Neuseeland entschlossen, zurückzuschlagen.
Die Regierung in Canberra setzt
auf Waffengewalt: Eigens für den Kampf gegen die Wilderer
der Meere stellt Australien ein Wachboot in Dienst, auf dessen
Deck ein großkalibriges Maschinengewehr montiert ist. Auch
die Besatzung ist bewaffnet. «Beim illegalen Fischfang im
Südlichen Ozean geht es um mehr als Fischerei. Es ist ein
Angriff auf die Souveränität Australiens», sagt
Regierungschef John Howard. Das Nachbarland Neuseeland schickt
derweil seine Luftwaffe zu Patrouillenflügen auf der Suche
nach Seehechts-Piraten.
Vor allem bei Feinschmeckern,
ob in Tokio oder New York, ist der Raubfisch höchst begehrt;
umgerechnet bis zu 50 Euro kostet eine Portion der Delikatesse
in edlen Restaurants. Es wird davon ausgegangen, dass eine Fischereimafia
inzwischen einen millionenschweren Schwarzhandel aufgezogen hat,
der in seinem Umfang fast an Menschenschmuggler- und Drogenringe
heranreichen soll.
Dabei unterliegt die Jagd auf
das «Weiße Gold» strengen Regularien der internationalen
Kommission zur Erhaltung des Antarktischen Lebensraums (CCAMLR),
der 24 Staaten angehören. Sie müssen ihre Fänge
der Behörde melden, damit Fachleute einen Überblick
über die Bestände behalten. Angaben der CCAMLR zufolge
fischten Trawler aus Mitgliedsländern in ausgewiesenen Zonen
knapp 16.000 Tonnen Seehecht während der vergangenen Saison,
die jedes Jahr von Dezember bis August läuft. Doch schätzen
Experten, dass die Wilderer ein Vielfaches der legal gefangenen
Menge aus dem Meer holen.
Umweltschützer schlagen
angesichts der Fischpiraterie Alarm. Einige Seehechtbestände
seien bereits am Rande des Zusammenbruchs, berichtet David Kennedy
von Greenpeace Australia Pacific. Derweil unternehme die CCAMLR
nichts, um die Wilderei zu stoppen. «Einige Mitgliedstaaten
haben ein maßgebliches Interesse am illegalen, unregulierten
und nicht berichteten Fischfang», sagt Kennedy. So habe
Russland etwa die Einführung einer «Schwarzen Liste»
für Piratenboote abgelehnt, um seine eigene Rolle dabei zu
verschleiern.
Leidtragende sind auch die Seevögel,
vor allem die 20 im südlichen Ozean lebenden Albatros-Arten.
Während legale Fischer sofort sinkende Angelleinen verwenden
müssen und zudem keine Tierabfälle ins Meer werfen dürfen,
schert sich die diebische Konkurrenz nicht darum. Die Folge: Jedes
Jahr verenden Zehntausende von Albatrossen und Sturmvögel,
weil sie von den Leinen unter Wasser gezogen werden.
Nicht nur Australien und Neuseeland
wollen auf eigene Faust die kriminellen Machenschaften zur See
unterbinden. Auch die Fischfangindustrie macht inzwischen mobil.
Die «Koalition Lizenzierter Seehechts-Unternehmen»,
ein Zusammenschluss von 28 Firmen aus 10 Ländern, setzt dabei
auf Köder statt Kanonen - und lockt mit 100.000 US-Dollar
Prämie für Hinweise auf Piraten.
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