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Filmwal Keiko ist tot: Bis zuletzt ein
zahmer Menschenfreund
Der als Filmstar in «Free
Willy» berühmt gewordene Schwertwal Keiko ist im norwegischen
Taknesfjord in Folge einer Lungenentzündung gestorben.
Von Thomas Borchert, dpa
Oslo (dpa) - Der 27 Jahre alte
Meeressäuger hatte sich eine tödliche Erkältung
zugezogen. «Keiko wurde schlapp und hatte keinen Appetit
mehr. Da war auch mit Antibiotika nichts zu machen», berichtete
Keikos Betreuer Dane Richards.
Der Chef der Stiftung «Free
Willy», David Phillips, schlug vor, das Skelett des Killerwals
in einem Museum auszustellen und die restlichen Überreste
an Land zu begraben. Vor einer kommerziellen Ausschlachtung warnte
Jennie Lew Tugend, Produzentin der «Free Willy»-Filmserie
aus Hollywood mit Keiko als Hauptdarsteller: «Ich möchte
unter keinen Umständen erleben, dass die Zähne und Knochen
jetzt im Internet angeboten werden.»
In den drei «Free Willy»-Filmen
zwischen 1993 und 1997 bewahren beherzte Jungen den Wal vor dem
Ende in einem Vergnügungspark, vor den Folgen eines Tankerunglücks
und vor der Weiterverarbeitung zu Sushi. Das Schicksal des echten
Wals sorgte fortan immer wieder für Schlagzeilen.
Fünf Jahre lang hatten zeitweise
bis zu 20 hauptamtliche Betreuer vergeblich versucht, den Orca
nach zwei Jahrzehnten in Gefangenschaft wieder an ein Leben im
offenen Meer mit anderen Killerwalen zu gewöhnen. Aber Keiko
schwamm stets zu den Menschen zurück, ließ sich lieber
füttern, statt selbst Beute zu jagen und schien mit seinem
Dasein als Touristenattraktion für die Gemeinde Halsa an
Norwegens Westküste höchst zufrieden zu sein.
Experten hatten das extrem aufwendige
Auswilderungsprojekt einhellig als hoffnungslos kritisiert und
mehrfach auch die Einschläferung des 10,6 Meter langen und
sechs Tonnen schweren Wales gefordert. «Es grenzt an Tierquälerei,
wenn Leute erreichen wollen, dass völlig an Menschen gewöhnte
Tiere wieder wild werden sollen», meinte der Tiermediziner
Finn Bernsten vom Norwegischen Institut für Naturforschung
kurz nach Keikos Umzug von einer Bucht vor Island nach Norwegen
vor gut einem Jahr.
Der isländische Fischer
Jon K. Gunarsson, der den Killerwal 1979 als Jungtier gefangen
hatte, meinte kurz nach dem Transport Keikos in einem Sonderflugzeug
aus den USA nach Island, wo das «Trainingsprogramm»
zur Auswilderung 1998 begann: «Man hätte Keiko in kleine
Stücke zerschneiden und als Nothilfe in den Sudan schicken
sollen. Aus dem Fleisch des Wals ließen sich 60.000 Frikadellen
machen, mit denen man sehr, sehr viele Menschen eine Weile satt
machen könnte.»
Einhellige Begeisterung über
die sehr spezielle Form des Wallebens von Keiko herrschte dagegen
später in der norwegischen Gemeinde Halsa. Dort wurde nach
der Ankunft des Wales und seines «Teams» der seit
1990 beklagte Bevölkerungsschwund gestoppt, weil es plötzlich
wieder eine Einnahmequelle gab. Dass sich der auch an einer etwas
deformierten Flosse erkennbare Wal immer wieder an Zuchtlachs-Farmen
in der Nachbarschaft zu vergreifen drohte, wurde ihm deshalb nachgesehen.
Nach Angaben der Stiftung «Ocean
Futures» hat das Auswilderungsprojekt für Keiko umgerechnet
mehr als 20 Millionen Dollar (rund 16,3 Millionen Euro) gekostet.
Zu den Spendern hätten auch viele Kinder gehört.
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