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Kudzu: Schlingpflanze überwuchert
Amerikas Süden
Kudzu, eine aus Asien eingeschleppte
Schlingpflanze, erobert unaufhaltsam den Südosten der USA.
Eine Fläche von der Größe Brandenburgs soll bereits
überwuchert sein.
Auburn (dpa) - Der Tod kommt als
dichte Decke aus Grün. Das Blättermeer verschluckt Häuser
und Autos. Bäume und Masten werden zu verwucherten Vogelscheuchen.
Fremdartige Vorhänge verhüllen Waldränder und Abhänge.
Kudzu, eine aus Asien eingeschleppte Schlingpflanze, erobert unaufhaltsam
den Südosten der USA. Bäumen und Sträuchern raubt
sie das Licht. Deren Äste brechen unter ihrem Gewicht.
Viele Amerikaner stört Kudzu
erst, wenn sich das grüne Laken im Winter in ein hässliches
graues Leichentuch verwandelt. Doch Biologen und Forstwirte machen
sich mittlerweile ernsthafte Sorgen. «Kudzu kann eine Gegend
komplett ruinieren», sagt James Miller von der Forschungsstation
Süd der amerikanischen Forstbehörde USFS in Auburn (US-Staat
Alabama). Geschätzte drei Millionen Hektar soll die Ranke
bereits überwuchert haben, eine Fläche so groß
wie Brandenburg.
Kudzu-Kontrolle kostet 2500
Dollar pro Hektar
Für Forstwirte bedeutet Kudzu
oftmals den Totalverlust. «Kudzu-Kontrolle kostet über
fünf Jahre hinweg insgesamt 2500 Dollar pro Hektar»,
rechnet Coleman Dangerfield vom Forstwirtschaftslehrstuhl der
Universität von Georgia vor. «Ein durchschnittlicher
Bestand von 25-jährigen Kiefern hat aber nur einen Wert von
etwa 1600 Dollar.»
«Kudzu killt die biologische
Vielfalt und bedroht heimische Arten», sorgt sich Joyce
Bender von der Naturreservat-Kommission in Kentucky. «Zudem
sind Kudzu-Flächen nicht gerade attraktiv für Besucher
von Nationalparks und -wäldern.» Auch Energieversorger
hassen das Kraut: «Wir geben 250.000 Dollar jährlich
aus, um die Schlingpflanze zu bekämpfen», sagt Amoi
Geter vom Stromerzeuger Georgia Power. Insgesamt muss die Branche
nach Expertenschätzung 1,5 Millionen Dollar (1,25 Millionen
Euro) jährlich für die Kudzu- Kontrolle berappen.
Kudzu wächst bis zu einen
Meter in drei Tagen
Das ist eine Sisyphus-Arbeit:
«Kudzu kann bis zu einen Meter in drei Tagen wachsen»,
sagt Forstökologe Miller. Vor kurzem machten Biologen zudem
eine beunruhigende Erfahrung: Anders als noch vor Jahren verschmähen
Insekten die fremde Pflanze nicht mehr. Sie bestäuben die
Blüte, Samen entstehen. Der vernichtende Feldzug der Pflanze
Richtung Norden und Westen habe dadurch eine neue Dimension erhalten,
sagt Bender.
Nicht immer war die Pflanze unbeliebt.
Bei der Weltausstellung in Philadelphia 1876 erregte Kudzu als
exotisches Ziergewächs Aufsehen. Schon bald spross die Kletterwurz
mit den angenehm duftenden Blüten an zahllosen Veranden und
Balkons empor. Zwei Entdeckungen erwiesen sich als fatal: Rinder
und Schafe mögen Kudzu, und die Pflanze lässt sich zur
Erosionskontrolle im Straßenbau einsetzen. «Von 1935
bis 1941 wurden 73 Millionen Kudzu-Setzlinge innerhalb der USA
verschickt», sagt Miller. «Der Staat zahlte Landbesitzern
20 Dollar pro Hektar, wenn sie Kudzu anbauten.»
Schafe gegen Kudzu
Die Bekämpfung der seit den
50er Jahren als Schädling angesehenen Pflanze kostet heute
das 25Fache. Die teueren und umweltschädlichen Pflanzengifte
müssen mehrere Jahre lang gesprüht werden, um zu wirken.
Biologische Mittel - etwa eine Blattwespenart und eine Pilzart
aus Asien - sind erst in der Testphase und kommen frühestens
in fünf bis zehn Jahren auf den Markt. «Wir müssen
erst absolut sicher sein, dass sie nichts anderes befallen, bevor
wir überhaupt mit Freilandversuchen starten können»,
sagt die Biologin Kerry O. Britton. Ihr Team erforschte jahrelang
im Auftrag der Agrarbehörde USDA die natürlichen Feinde
Kudzus in Asien.
Eine weitaus unbedenklichere -
wenn auch bislang wenig beachtete - Methode hat das Unternehmen
Bellwether Solutions mit Sitz in New Hampshire entwickelt: Schafe.
«Wir stellen einfach 500 Schafe auf einen Hektar Kudzu,
die fressen alles auf und zertreten die Stängel», sagt
Firmenchef Dick Henry. Damit lassen sich punktuelle Erfolge im
Kampf gegen Kudzu erzielen. «Auf die Beweidungsintervalle
kommt es an: die Pflanze muss erneut abgefressen werden, bevor
sie Kraft in die Knollen stecken kann.»
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