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Hörtests bei Seehunden: Krach durch
Windparks im Meer?
Mit Hörtests bei Seehunden
untersuchen Forscher in der Seehundstation Friedrichskoog die
Auswirkungen von Windkraftanlagen im Meer auf die Tiere.
Von Wolfgang Runge, dpa
Friedrichskoog (dpa) - Seegras
können Seehunde zwar nicht wachsen hören. Aber ihre
Ohren sind zehn Mal besser als die eines Menschen, sagt die Leiterin
der Seehundstation Friedrichskoog in Schleswig- Holstein, Tanja
Rosenberger. Dort untersuchen Wissenschaftler das Hörvermögen
der Tiere. Sie erforschen am Seehundbecken, ob Bau und Betrieb
von Windkraftanlagen auf See die guten Ohren der Meeressäuger
beeinträchtigen oder schädigen. «Wir wollen mit
Hörtests herausfinden, wo der so genannte Disko-Effekt bei
einem Seehund einsetzt, wo er also kurzzeitig nichts hört»,
sagt Rosenberger. «Das ist wie nach einem Disko-Besuch -
oder wie bei starkem Baulärm.»

©
dpa
Mit einem
Kopfhörer ausgerüstet zeigt sich Seehundhund
"Lümmel" in der Seehundstation in Friedrichskoog
an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Mit
dem Trainingskopfhöhrer wird das Tier an die geplanten
Hörtests gewöhnt.
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Biologen vermuten, dass die Orientierung
der Seehunde durch starken Baulärm beziehungsweise durch
einen stärkeren Schiffs- und Hubschrauberverkehr zu den 30
bis 120 Kilometer vor der Küste geplanten Offshore-Windparks
gestört werden könnte. Die Forscher wollen nun feststellen,
welche Auswirkungen der Schall tatsächlich auf die Tiere
hat. Dazu brauchen sie Erkenntnisse, in welchem Frequenzbereich
die Seehunde wirklich hören.
Dabei nutzen die Wissenschaftler
für ihre Untersuchungen Hörtests ähnlich wie bei
Menschen. Zunächst müssen die Tiere jedoch an das Tragen
von Kopfhörern und Sensoren gewöhnt werden. So trainiert
Seehundmännchen «Lümmel» schon seit Juni,
Elektroden an seinem Körper zu dulden und Kopfhörer
über die Ohren gestülpt zu bekommen. Dabei ist das tägliche
Training auf dem Prinzip der Belohnung aufgebaut. «Die Tests
gehen durch den Magen», sagt Tanja Rosenberger. «Lümmel
bekommt nur dann seinen leckeren Fisch, wenn er mitmacht.»
In wenigen Tagen können
die eigentlichen Untersuchungen beginnen. Dann wird Meeresbiologe
Klaus Lucke von der Ruhr-Universität Bochum tausende Messungen
vornehmen. Über hoch- und niederfrequente, leise und laute
Klick-Geräusche will er das Hörvermögen von «Lümmel»
testen. Aus den gleichzeitig gemessenen Hirnströmen soll
später abgeleitet werden, was der Seehund überhaupt
hört und wie gut. Außerdem wie er auf Geräusche
und Lärm reagiert, und wann er Schaden nimmt.
«Die gewonnenen Daten dienen
als Grundlage, um geplante Anlagen bewerten zu können»,
sagt Barbara Frank vom Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches
Wattenmeer im nordfriesischen Tönning. Dabei sind die Hörtests
Teil des vom Amt koordinierten Forschungsprojekts «Minos»
(Marine Warmblüter in Nord- und Ostsee). Die Tests müssen
bis Februar kommenden Jahres abgeschlossen sein. Dann läuft
das vom Bundesumweltministerium finanzierte zweijährige Projekt
aus.
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