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Deutschlands Wälder: Gute Chancen
für die Rückkehr des Wolfes
Die Chancen für eine Rückkehr
des Wolfes in Deutschlands Wälder stehen nicht schlecht.
Von Helmut Reuter, dpa
Güstrow (dpa) - Gesa Kluth
ist im Wald nur einmal einem Wolf begegnet. Mensch und Tier erschraken
gleichermaßen und traten beide unverzüglich den Rückzug
an. «Ich hatte eigentlich nur Sorge, dass ich die Wölfe
störe, denn sie hatten gerade Welpen bekommen», beschreibt
die 33-jährige Biologin das überraschende Treffen in
der Muskauer Heide in der sächsischen Oberlausitz.
«Der Wolf ist am Menschen
nicht interessiert», sagt Kluth. Gut zu wissen, denn die
Chancen für eine Rückkehr des Wolfes in Deutschlands
Wälder stehen nicht schlecht. Forst- und Naturschutzexperten
befassen sich an diesem Donnerstag in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern)
in einem Fachseminar mit den Folgen einer verstärkten Einwanderung
des «Canis lupus».

©
dpa
Ein Wolfsrudel
während der Ranz- und Paarungszeit, aufgenommen im
Wildpark des Biosphärenservats Schorfheide im Februar
2003.
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Seit 2000 lebt das aus Polen
eingewanderte Wolfspaar in der Muskauer Heide. Zum Rudel gehören
heute noch drei Jungwölfe und fünf im Mai geborene Welpen.
«Seit diesem Jahr gibt es ein zweites Rudel etwa 30 Kilometer
westlich der Muskauer Heide», sagt Gesa Kluth, die im Wildbiologischen
Büro LUPUS im sächsischen Neustadt/Spreetal forscht.
Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Tiere in Deutschland ausgerottet
worden.
Kluth und ihre Kollegin Ilka
Reinhardt gehen davon aus, dass weitere Einzeltiere auch in Brandenburg
und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sind. Immer wieder gebe es
Sichtungen. «Wölfe wandern weit, gerne und viel»,
sagt Gesa Kluth. Jenseits aller Mystik um Wölfe sieht die
Biologin in ihnen einen ökologischen Gegenspieler zu den
starken Hirsch-, Reh- und Wildschweinpopulationen. Viele Jäger
und auch Jagdverpächter sehen in «Isegrim» allerdings
einen unliebsamen Konkurrenten.
Beim Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern
sieht man eine mögliche Rückkehr gelassen: «Es
gäbe keine Nahrungskonkurrenz, wenn sich ein oder zwei Wolfsrudel
hier niederließen», sagt Geschäftsführer
Rüdiger Brandt. Wild für die Jäger gibt es reichlich.
Im Jagdjahr 2001/2002 wurden im Nordosten beim Schalenwild - unter
anderem Rehe, Wildschweine und Hirsche - 131 685 Tiere getötet,
über 90 Prozent davon von den Jägern. Rund 10 000 Tiere
starben bei Verkehrsunfällen oder an anderen Ursachen. Ein
jagendes Wolfsrudel würde da nicht sonderlich ins Gewicht
fallen, ist man beim Verband überzeugt.
«Wir haben nichts gegen
eine natürliche Zuwanderung von Wölfen, lehnen aber
eine Auswilderung strikt ab», sagt Brandt. Nur bei einer
Zuwanderung hätten potenzielle Beutetiere genügend Zeit,
ihr Fluchtverhalten auf ein neu hinzugekommenes Raubtier einzustellen.
Zeit und Geduld müssen die Mitarbeiter des LUPUS-Büros
auch für Aufklärungsarbeit mitbringen, denn Gesa Kluth
trifft oft auf Vorurteile und irrationale Ängste. «Viele
Landwirte lassen sich immer wieder die Wiesen von Wildschweinen
umpflügen. Aber den Wolf wollen sie nicht.»
Dafür gibt es auch begründete
Sorgen. Vor 18 Monaten rissen die sächsischen Jungwölfe
bei Mühlrose 33 Schafe. «Wir dürfen es den Wölfen
nicht leicht machen, an Schafe heranzukommen», sagt Gesa
Kluth. Darum sprechen die Biologinnen mit den Schäfern, um
sie über aktuelle Wanderungsgebiete der Wölfe oder über
Schutzmaßnahmen wie starke Elektrozäune zu informieren.
Der Wolfsübergriff vom Mai vergangenen Jahres war bislang
der einzige seiner Art.
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