|
Die Freiheit im Blut: Raubtiere in Zoos
werden oft krank
Raubtiere leiden in Gefangenschaft
umso stärker, je größer ihr Jagdraum in der Natur
normalerweise ist.
London (dpa) - Eisbären,
Löwen oder asiatische Elefanten zum Beispiel sind einer Untersuchung
britischer Wissenschaftler zufolge besonders anfällig dafür,
ein stereotypes Verhalten zu entwickeln, etwa den Kopf rhythmisch
hin- und herzuschwenken. Im britischen Fachblatt «Nature»
(Bd. 425, S. 473) fordern die Wissenschaftler deshalb, in Zoos
die Haltungsbedingungen der Tiere wesentlich zu verbessern oder
am besten ganz auf diese Tierarten zu verzichten. In Deutschland
wollen die Bundesländer das Halten von wilden Tieren wie
Affen, Elefanten und Bären in Zirkusbetrieben verbieten.

©
ArtToday
Polarbären:
In Gefangenschaft steht ihnen nur ein Millionstel ihres
natürlichen Lebensraums zur Verfügung.
|
Experten wissen bereits seit
längerem, dass einige Tierarten - etwa Schneeleoparden -
in Gefangenschaft recht gut gedeihen, während andere gesundheitliche
Probleme und Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Warum
das so ist, haben Ros Clubb und Georgia Mason von der Universität
Oxford untersucht. Tiere mit großen natürlichen Territorien
neigen ihrer Studie zufolge in Gefangenschaft eher dazu, permanent
im Käfig oder Freigelände auf- und abzuschreiten. Dazu
gehören zum Beispiel Eisbären, denen in Gefangenschaft
nur ein Millionstel ihres natürlichen Lebensraums zur Verfügung
steht.
Weiter fanden die Wissenschaftler,
dass auch mehr Jungtiere dieser Arten in Gefangenschaft sterben.
Oftmals sei dies auf eine schlechte Versorgung durch die Mütter
zurückzuführen, schreiben die Forscher. Das Unterdrücken
natürlicher Verhaltensmuster in Gefangenschaft fördere
nicht nur Stress und Frust, sondern störe auch die Entwicklung
solcher Gehirnregionen, die für das Verhalten zuständig
sind.
In einem Ende September von Hessen
eingebrachten Antrag des Bundesrates heißt es: «Wildtiere
stellen besonders hohe Anforderungen an ihre Unterbringung, Ernährung
und Pflege.» Wanderzirkusse könnten diese Ansprüche
oft nicht erfüllen, denn die Tiere müssten einen Großteil
ihres Lebens in Wagen verbringen. Auf Antrag Hessens forderte
die Länderkammer die Regierung Ende September auf, ein solches
Verbot mit Übergangsfristen auf den Weg zu bringen.
|