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Tierschutzbund: Viele Zirkusse halten
Wildtiere nicht artgerecht
In den meisten der schätzungsweise
200 bis 250 Wanderzirkusse in Deutschland werden Wildtiere nach
Meinung von Tierschützern nicht artgerecht gehalten.
Bonn (dpa) - Der Referent für
Natur- und Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund, Torsten
Schmidt, sagte in einem dpa-Gespräch in Bonn: «In diesen
zumeist kleinen Betrieben besteht zunächst das generelle
Problem, dass die Tiere in den Käfigen nicht ausreichend
Bewegung haben.» Hinzu komme, dass exotische Tiere wie Bären,
Elefanten und Löwen im Gegensatz zu Hunden oder Hauskatzen
besonders hohe Ansprüche an die Pflege oder das Futter hätten.
In vielen Zirkussen verfügten die Mitarbeiter jedoch nur
über wenig Sachkunde.
Von diesen Missständen sind
nach Erkenntnis der Tierschützer Bären und Großkatzen
wie Löwen oder Tiger besonders betroffen. In acht von zehn
Fällen, in denen sich Tierärzte beim Tierschutzbund
nach einer Zuflucht für ein vernachlässigtes Tier erkundigten,
handele es sich um ein Exemplar aus diesen Gruppen. «Großkatzen
brauchen viel Bewegung und Bären kletterten gern oder graben
häufig nach Futter.» Das sei in den oft engen Käfigen
nicht möglich.
«Aber auch Elefanten oder
Affen leiden unter dem Leben im Zirkus», berichtete Schmidt.
In den vergangenen zehn Jahren sei etwa jeder dritte Zirkus-Elefant
gestorben. Derzeit gebe es rund 100 Elefanten in den Zirkussen
Deutschlands, schätzte Schmidt. «Die Pflege eines Elefanten
ist sehr schwierig.» Er brauche ein warmes Zelt, einen festen
Stall und die ständige Aufsicht eines Tierarztes. Affen seien
ihrerseits auf einen großen Sozialverband angewiesen, den
kaum ein Betrieb garantieren könne.
«Deshalb sollte im Zirkus
generell auf die Wildtierhaltung verzichtet werden», zitierte
Schmidt die grundsätzliche Forderung seines Vereins. Im Bundesrat
soll an diesem Freitag auf Initiative Hessens über das Verbot
der Haltung von Wildtieren im Zirkus diskutiert werden.
Schmidt forderte ferner, in einer
Zentraldatei die Daten aller Betriebe zu erfassen, um zu wissen,
wo sich der Zirkus aufhalte und wer dessen Eigentümer sei.
Das bedeute auch, dass jeder Zirkus ein Winterquartier beziehen
müsse, in dem die Tiere etwas besser untergebracht werden
könnten als während der Reise.
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