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Gedächtnis:
Meisenhirn wächst und schrumpft
nach Bedarf
Um sich im Herbst angelegte
Nahrungsverstecke merken zu können, vergrößert
eine nordamerikanische Meise vorübergehend ihr Gehirn.
(jkm) - Wenn umfangreiche Aufgaben
anstehen, verpassen Computerbesitzer ihrem Rechner zusätzlichen
Arbeitsspeicher. Ganz ähnlich hält es eine nordamerikanische
Meise, haben amerikanische Biologen entdeckt. Um sich im Herbst
angelegte Nahrungsverstecke merken zu können, vergrößert
der kleine Singvogel vorübergehend sein Gehirn.
Das Gedächtnis der Schwarzkopfmeise
(Poecile atricapilla) sei ohnehin schon beeindruckend, erläutert
Colin Saldanha von der Lehigh University in Bethlehem, Pennsylvania.
Die lediglich 12 Gramm schweren Singvögel durchstreiften
im Herbst viele Quadratkilometer große Reviere und legten
Hunderte von Nahrungsverstecken an. Im Winter suchten sie diese
mit erstaunlicher Treffsicherheit erneut auf.
Ermöglicht wird diese lebenswichtige
Leistung durch zusätzliche Nervenzellen im Hippocampus, glauben
Saldanha und sein Team. Sie fanden, dass sich das Volumen dieser
für Lernen und Gedächtnis verantwortlichen Gehirnregion
im Herbst um bis zu 30 Prozent vergrößert, indem neue
Nervenzellen angelegt werden. Im Frühling schrumpft sie wieder
auf normale Größe.
"Unsere Hypothese ist, dass
dieses starke Wachstums eintritt, wenn der Vogel es am dringendsten
benötigt - und wir wollen herausfinden, wodurch es ausgelöst
wird", erläutert der Biologe. Möglicherweise seien
steigende Östrogenspiegel der entscheidende Faktor. Die Meisen
könnten das Hormon nicht nur in den Eierstöcken, sondern
auch im Gehirn produzieren. Frühere Untersuchungen hätten
bereits gezeigt, dass Östrogene die Organisation des Gehirns
beeinflussen. "Auf lange Sicht lernen wir vielleicht, den
Gedächtnisverlust bei Alzheimer-Patienten zu verhindern und
umzukehren", hofft Saldanha.
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