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- 07.08.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

«Sie fürchten nichts»: Heuschrecken fallen über Innere Mongolei her

Heerscharen von Heuschrecken bevölkern derzeit die Innere Mongolei. In Schwärmen fallen sie über das Grasland im Norden Chinas her.

Von Andreas Landwehr, dpa

Peking (dpa) - Eine Fläche von der Größe Niedersachsens ist bereits weitgehend zerstört. Und die Insekten fressen sich weiter vor. «Wir sind sehr besorgt», sagte Direktor Bao Xiang von der Grasland-Station in Xilinhot am Donnerstag. «Die Menschen fürchten um die Zukunft des Graslandes. Die Lage ist sehr ernst.» Die zerstörte Fläche braucht etwa acht Jahre, um sich von einem Angriff der Heuschrecken wieder zu erholen.

Das berühmte Grasland von Xilinguole etwa 400 Kilometer nördlich von Peking ernährt nicht nur viele Hirten und ihr Vieh. Es ist auch die letzte Verteidigungslinie gegen Sandstürme, die Chinas Hauptstadt heimsuchen. Trockenheit, Schneekatastrophen, die Sandstürme und Heuschrecken haben dem empfindlichen Grasland in den vergangenen vier Jahren schwer zugesetzt. «Das Leben der Hirten wird immer schwieriger. Die Katastrophen brauchen deren letzte Mittel auf.»

Ursachen für die Heuschreckenplagen seien die Überweidung durch Vieh, ein unzureichender Kampf gegen die Insekten in den Vorjahren und letztlich auch die globale Erwärmung und die Trockenheit. Wächst das Gras hoch, weil es viel regnet, vermehren sich Heuschrecken schlecht. Doch bei trockenem Wetter werden es immer mehr. «20 Heuschrecken pro Quadratmeter sind normal», sagt Bao Xiang. «Jetzt haben wir aber 1500.» In Schwärmen gehen die Insekten auf die Suche nach Fressen, vor allem Gras, aber auch Blätter und Gemüse.

«Sie fürchten nichts, auch die Menschen nicht», weiß Bao Xiang. «Wenn ein Auto in einen Schwarm fährt und viele tötet, wird nicht eine einzige Heuschrecke die Richtung ändern.» Krabbelten sie in Massen über die Straßen, könnten mit einem Fußtritt zehn getötet werden - «die anderen gehen unbeirrt weiter.» Bei ihrem Anblick muss der Direktor an marschierende Armeen auf einem Schlachtfeld in alten Zeiten denken und zitiert den chinesischen Spruch «Tausend Soldaten, zehntausend Pferde» (Qianjun Wanma), mit denen solche militärischen Formationen beschrieben wurden. «Sie haben einen starken Lebenswillen.»

Der Kampf gegen die Heuschrecken sei vor allem eine Frage des Geldes, das für Insektenvernichtungsmitteln ausgegeben wird. Von Flugzeugen wird das Grasland bespritzt. Der Chemieinsatz kostet 30 Yuan (3,20 Euro) pro Hektar. Allein für die jetzt betroffene Fläche wären 140 Millionen Yuan (15 Millionen Euro) nötig gewesen. Doch wurden nur 21 Millionen Yuan ausgegeben. «Das ist bei weitem nicht genug», sagt Bao Xiang. Jedes Jahr wendet sich die Innere Mongolei an die Zentralregierung in Peking.

Vor zwei Jahren war die Heuschreckenplage sogar noch schlimmer und hatte ganze 800 000 Quadratkilometer befallen, eine Fläche größer als Bayern. Dass sich die Lage heute wieder zuspitzt, liegt auch daran, dass damals nicht genug getan worden ist und die Eier der Heuschrecken im Boden bis zu acht Jahre überleben können.

Sprühten damals 14 Flugzeuge Pestizide, seien es im Vorjahr nur noch 12 und in diesem nur 8 gewesen, schildert Bao Xiang. Sollten die Finanzmittel weiter so knapp bleiben, so fürchtet der Experte, dass die Heuschrecken schätzungsweise 670 000 Quadratkilometer Grasland auffressen werden - eine Fläche, die fast doppelt so groß ist wie die Niederlande.

 

 Mehr Informationen:

Heuschrecken

GTZ: Heuschrecken- bekämpfung in Afrika

g-o.de: Biologische Heuschreckenbe- kämpfung in Afrika

Mongolei

 

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