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Bat-City: Eine Million Fledermäuse
gehören in Austin zum Stadtbild
Rund 1,5 Millionen Fledermäuse
leben unter einer Brücke im texanischem Austin in der weltweit
größten Fledermauskolonie im Zentrum einer Stadt.
Von Jörg-Michael Dettmer,
dpa
Austin (dpa) - In der texanischen
Hauptstadt Austin vollzieht sich an heißen Sommerabenden
ein Ritual: An der Ostseite der mächtigen Congress-Avenue-Brücke
sammelt sich eine wachsende Menschenschar in guter Laune. Kind
und Kegel, mit Liegestühlen und kühlen Getränken.
Man wartet geduldig. Und wenn dann die Sonne über dem Stadtsee
versinkt, erhebt sich ein Rauschen in der Luft. Die Fledermäuse,
die unter der Brücke wohnen, beginnen ihren nächtlichen
Ausflug. Ein dichter, nicht enden wollender Schwarm zieht südostwärts
über den See und verliert sich über den Weiten von Zentraltexas.
Rund 1,5 Millionen Fledermäuse
(zu Englisch: Bats) leben unter der Congress-Brücke in der
weltweit größten Fledermauskolonie im Zentrum einer
Stadt. Die kleinen Säugetiere der Spezies «Mexican
free-tailed Bats» überwintern, wie schon ihr Name sagt,
von Anfang November bis Ende März in Mexiko. Den Sommer verbringen
sie hier in Austin. Im US- Bundesstaat Texas leben mehr Fledermäuse
als anderswo in den USA, meist in stillgelegten Minen und natürlichen
Höhlen. Und die Kolonie von Bracken Cave bei San Antonio
ist die größte in der Welt.

©
dpa
Hunderte
Menschen beobachten an der Congress-Avenue-Brücke
das Spektakel des Ausflugs der Fledermäuse im Herzen
der texanischen Hauptstadt Austin.
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Die Bats von Austin gehören
heute zur texanischen Hauptstadt wie der Kongress und die University
of Texas. Sie sind Anziehungspunkt für Schaulustige und Touristen,
Hunderte pilgern jeden Abend an die Brücke, mehr als Hunderttausend
pro Jahr. Doch dies war nicht immer so. Als 1980 die Congress-Avenue-Brücke
renoviert wurde, entstanden laut Bauplan an ihrer Unterseite schmale
Schlitze über die gesamte Länge. Was die Ingenieure
nicht wussten: Diese Öffnungen haben die ideale Größe
für Fledermausquartiere. Kurz nach Fertigstellung der neuen
Brücke begannen sich Bats anzusiedeln.
«Die Einwohner von Austin
gerieten in Panik und man plante sogar schon die Ausrottung der
Fledermäuse» sagt Robert Locke von der Organisation
«Bat Conservation International». Die gemeinnützige
BCI setzt sich weltweit für die Erhaltung der Fledermäuse
ein. «Wir konnten die Stadt aber schließlich davon
überzeugen, dass die Bats gute Nachbarn sind». Die
Kolonie blieb erhalten und BCI verlegte sogar ihren Sitz von Milwaukee
nach Austin.
Fledermäuse, von denen es
mehr als 1 000 Spezies gibt, sind tatsächlich gute Nachbarn.
Allein die Bats von Austin fressen bei ihrem nächtlichen
Ausflug schätzungsweise bis zu 15 Tonnen Insekten, die in
den texanischen Sommern eine Plage sind. Bats sorgen zudem durch
Verbreiten von Pollen und Samen für die Ausbreitung von Wäldern.
Die Kolonie in Austin besteht zumeist aus weiblichen Tieren, die
Anfang Juni je ein Junges zur Welt bringen. Die haarlosen Kleinen
wiegen bereits ein Drittel des Gewichts der Mutter und können
nach etwa fünf Wochen fliegen.
Die Organisation BCI setzt sich
unter anderem in Nordamerika, Lateinamerika und Asien für
Fledermäuse ein. «Wir halten Seminare ab, versenden
Informationen und arbeiten zudem mit Bergbaugesellschaften zusammen,
um den Bats Lebensraum in Minen zu schaffen», sagt Robert
Locke. «Aufklärung ist wichtig, denn es gibt so viele
Vorurteile gegenüber Fledermäusen. Zum Beispiel, dass
sie blind sind oder dass sie Blut von Menschen saugen. Beides
ist natürlich falsch».
Austin jedenfalls hat seine Bats
fest ins Herz geschlossen. Mit Picknick-Körben und Decken
platziert sich an jedem Sommerabend eine vergnügte Schar
an der Brücke. Der Ausflug der Bats ist am besten im Juli
und August zu beobachten. Er kann bis zu 40 Minuten dauern. Der
genaue Beginn aber variiert je nach Luftfeuchtigkeit, Wind, Temperatur
und anderen Faktoren. Das Warten wird belohnt, wenn die Tiere,
die tagsüber mit dem Kopf nach unten in ihren Brückenschlitzen
schlafen, schließlich in einer langen Wolke ausfliegen.
Ein echtes Schauspiel der Natur.
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