vista verde - Portal für Umwelt und Natur - Werbung 

vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   N a t u r   &   A r t e n v i e l f a l t

News - Seite 1Politik
Natur und Artenvielfalt
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 24.07.2003 -

 

 


 

Genetiker: Dramatische Verluste durch Walfang

Vor Beginn des kommerziellen Walfangs schwammen sehr viel mehr Bartenwale im Nordatlantik als bislang angenommen.

(jkm) - Das schließen zwei amerikanische Biologen aus der genetischen Vielfalt innerhalb dreier Walarten. Bis zur Wiederaufnahme der Jagd auf die Meeressäuger müsse daher noch viele Jahrzehnte gewartet werden. Die im Magazin "Science" präsentierten Schlussfolgerungen sind allerdings nicht unumstritten.

"Es ist wohl bekannt, dass die Jagd die Populationen dramatisch reduziert hat - verlässliche Schätzungen der einstigen Wal-Zahlen gibt es jedoch kaum", schreiben Joe Roman und Stephen Palumbi von der Harvard University in Cambridge, Massachusetts. Dies sei umso problematischer, als gemäß den Richtlinien der Internationalen Walfang-Kommission die Jagd wieder erlaubt werden könne, sobald die Population in einem Gebiet auf 54 Prozent ihrer Ursprungsgröße gewachsen sei.

 


© NOAA/OAR/NURP/University of North Carolina

Buckelwal: Vor Beginn des kommerziellen Walfangs könnten 240.000 Tiere den Nordatlantik bevölkert haben - jetzt ist ihre Zahl auf ein Zehntel geschrumpft.

 

Bislang basierte die Schätzung der einstigen Populationsgrößen auf Logbüchern von Walfängern. Roman und Palumbi stützen sich dagegen auf Daten über die Mitochondrien-DNA der Tiere. Aufgrund der hohen genetischen Vielfalt schätzen sie, dass es im Nordatlantik einst etwa 240.000 Buckelwale (Megaptera novaeangliae), 360.000 Finnwale (Balaenoptera physalus) und 265.000 Zwergwale (Balaenoptera acutorostrata) gab. Diese Werte liegen bis zu zwanzigmal höher als bisherige Schätzungen, die heutigen Populationsgrößen werden mit 10.000, 56.000 bzw. 149.000 Tieren veranschlagt. Sollten die neuen Berechnungen der Wahrheit nahe kommen, "könnten wir den Walfang erst in 70 bis 100 Jahren wieder aufnehmen", so Palumbi.

Die genetischen Daten sagen jedoch nichts darüber aus, wann und wie schnell der Rückgang erfolgt ist, betont Per Palsbøl von der University of California in Berkeley. "Die Schätzung könnte für eine völlig andere Zeitperiode gelten, mit anderen klimatischen und ökologischen Bedingungen." Andere Forscher wenden ein, die Mutationsraten könnten um ein Vielfaches unterschätzt und die Populationsgrößen entsprechend überschätzt worden sein. Wieder andere sind dagegen mit Roman und Palumbi einer Meinung, dass vielmehr der menschliche Einfluss auf die Weltmeere bislang unterschätzt worden ist.

Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, werden praktisch ausschließlich in mütterlicher Linie vererbt. Die darin enthaltene DNA "vermischt" sie daher nicht mit väterlichem Erbgut und Veränderungen beruhen auf zufälligen Mutationen. Die Häufigkeit solcher Mutationen schätzten die Forscher anhand paläontologischer Befunde und den Unterschieden zwischen den drei Arten auf höchstens zwei Basenpaare pro 100 Millionen Jahre. Diese niedrige Mutationsrate in Kombination mit der Vielfalt der heutigen Mitochondrien-DNA führte zu den hohen Schätzwerten für die einstigen Populationsgrößen.

 

 Mehr Informationen:

The Palumbi Group

IWC

Wale

Buckelwal

Finnwal

Minkewal

vista verde: Meeressäuger

 

 Lesen Sie auch:

Künast: Wal-Tourismus statt Waltötung

Leere Meere: Rücksichtslose Fischerei gefährdet biologische Vielfalt

Verabredung per Musik: Singen die Blauwale zur Brautwerbung?

Meeresforschung: Blauwale haben es eilig

Walforschung: Kot-Analyse macht Fang überflüssig

Forschung oder Jagd? Walbeobachtung per Satellit

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung

 

© vista verde 2003
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung