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- 22.07.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Szenarien gegen Trockenheit: Italienischer Hartweizen in Deutschland?

Die Landwirtschaft in Deutschland steht möglicherweise vor einem Umbruch. Sollte es in den kommenden Jahrzehnten wärmer werden, könnten bald noch mehr Dinkel und Buchweizen auf den Feldern sprießen.

Von Simone Humml, dpa

Braunschweig/Hamburg (dpa) - Denkbar seien auch Hartweizen für Nudeln wie derzeit in Italien oder die in Bioläden beliebte südamerikanische Körnerfrucht Quinoa, erläutert der Pflanzenbauexperte der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig, Jörg Michael Greef. Sie könnten zum Beispiel statt Reis gegessen werden. Doch dafür müsste sich auch der Markt und das Verbraucherverhalten ändern. «Das ist ein Anpassungsprozess über mehrere Jahrzehnte.»

Nach der Trockenheit in den vergangenen Wochen müsse im Bundesschnitt mit Ernteausfällen von 40 bis 60 Prozent gerechnet werden, sagte FAL-Beregnungsfachmann Heinz Sourell in einem dpa- Gespräch. Im Gegensatz zu Kleingärtnern können die meisten Landwirte in Deutschland derzeit nichts für ihre Pflanzen tun. «Nur etwa drei Prozent der Ackerfläche wird in Deutschland künstlich beregnet.»

Dennoch: «Dieses Jahr ist kein Jahrhundertausreißer», betont der Leiter der Agrarmeteorologischen Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Braunschweig, Franz-Josef Löpmeier. «1976 und 1992 war es in vielen Regionen Deutschlands ähnlich.» Diesmal treffe es die Landwirte jedoch härter, weil die Weltmarktpreise und Subventionen gesunken seien. Zudem gab es schon im vergangenen Jahr schlechte Erntebedingungen wegen des starken Regens und der Überschwemmungen. Im vergangenen Jahrhundert sei keine Häufung von extrem trockenen Jahren registriert worden.

In diesem Jahr kamen Greef zufolge mehrere Faktoren zusammen: Das Frühjahr war sehr trocken und hatte Nachtfröste, was zu Entwicklungsrückständen wie kleinen Blättern und geringer Kornzahl bei Getreide führte. Damit konnten die Pflanzen schwer auf weitere Umwelteinflüsse im Juli reagieren.

In normalen Jahren speichern die Böden in Deutschland laut Sourell dagegen genügend Wasser. «Am Ende des Winters ist der Boden in Deutschland mit Wasser gesättigt. Schon daher gibt es hier keine solche Dürren wie in Afrika.» Die meisten deutschen Böden, insbesondere lehmhaltige, können laut Sourell lange Zeit trockenes Wetter ausgleichen. «Doch jetzt ist dieser Wasserspeicher leer.» Folge: Die Pflanzen wachsen mickrig. «Kartoffeln sind kleiner. Die Getreidekörner sind kümmerlich ausgebildet.»

Mögliche Gewitter in den kommenden Tagen könnten dem Getreide eher schaden als nutzen. «Das Wasser läuft oberflächlich ab, weil die Bodenporen nicht geöffnet sind», erläutert Greef. Starkregen drücke die Bestände zudem auf den Boden. Löpmeier ergänzt: «Gut wäre ein günstiger Wechsel zwischen mehreren trockenen Tagen für die Getreideernte und Niederschlägen für Hackfrüchte wie Kartoffeln und Rüben.» Eine «mittlere Katastrophe» wäre eine lange Feuchtigkeit, so dass Getreide nicht geerntet werden könne.

Beim Gießen des Kleingartens sollte derzeit auf jeden Fall genügend Wasser in den Boden eindringen. «Gärtner sollten lieber alle zwei bis drei Tage 10 bis 15 Liter pro Quadratmeter gießen als jeden Tag 5 Liter», empfiehlt Sourell. Die besten Zeiten seien morgens und abends. Am Morgen sei es noch etwas günstiger: «Wenn möglich sollten die Pflanzen trocken in die Nacht gehen.» Das vermindere den Pilzbefall.

 

 Mehr Informationen:

Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft

Bauernverband

 

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