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Szenarien gegen Trockenheit: Italienischer
Hartweizen in Deutschland?
Die Landwirtschaft in Deutschland
steht möglicherweise vor einem Umbruch. Sollte es in den
kommenden Jahrzehnten wärmer werden, könnten bald noch
mehr Dinkel und Buchweizen auf den Feldern sprießen.
Von Simone Humml, dpa
Braunschweig/Hamburg (dpa) -
Denkbar seien auch Hartweizen für Nudeln wie derzeit in Italien
oder die in Bioläden beliebte südamerikanische Körnerfrucht
Quinoa, erläutert der Pflanzenbauexperte der Bundesforschungsanstalt
für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig, Jörg Michael
Greef. Sie könnten zum Beispiel statt Reis gegessen werden.
Doch dafür müsste sich auch der Markt und das Verbraucherverhalten
ändern. «Das ist ein Anpassungsprozess über mehrere
Jahrzehnte.»
Nach der Trockenheit in den vergangenen
Wochen müsse im Bundesschnitt mit Ernteausfällen von
40 bis 60 Prozent gerechnet werden, sagte FAL-Beregnungsfachmann
Heinz Sourell in einem dpa- Gespräch. Im Gegensatz zu Kleingärtnern
können die meisten Landwirte in Deutschland derzeit nichts
für ihre Pflanzen tun. «Nur etwa drei Prozent der Ackerfläche
wird in Deutschland künstlich beregnet.»
Dennoch: «Dieses Jahr ist
kein Jahrhundertausreißer», betont der Leiter der
Agrarmeteorologischen Forschung des Deutschen Wetterdienstes in
Braunschweig, Franz-Josef Löpmeier. «1976 und 1992
war es in vielen Regionen Deutschlands ähnlich.» Diesmal
treffe es die Landwirte jedoch härter, weil die Weltmarktpreise
und Subventionen gesunken seien. Zudem gab es schon im vergangenen
Jahr schlechte Erntebedingungen wegen des starken Regens und der
Überschwemmungen. Im vergangenen Jahrhundert sei keine Häufung
von extrem trockenen Jahren registriert worden.
In diesem Jahr kamen Greef zufolge
mehrere Faktoren zusammen: Das Frühjahr war sehr trocken
und hatte Nachtfröste, was zu Entwicklungsrückständen
wie kleinen Blättern und geringer Kornzahl bei Getreide führte.
Damit konnten die Pflanzen schwer auf weitere Umwelteinflüsse
im Juli reagieren.
In normalen Jahren speichern
die Böden in Deutschland laut Sourell dagegen genügend
Wasser. «Am Ende des Winters ist der Boden in Deutschland
mit Wasser gesättigt. Schon daher gibt es hier keine solche
Dürren wie in Afrika.» Die meisten deutschen Böden,
insbesondere lehmhaltige, können laut Sourell lange Zeit
trockenes Wetter ausgleichen. «Doch jetzt ist dieser Wasserspeicher
leer.» Folge: Die Pflanzen wachsen mickrig. «Kartoffeln
sind kleiner. Die Getreidekörner sind kümmerlich ausgebildet.»
Mögliche Gewitter in den
kommenden Tagen könnten dem Getreide eher schaden als nutzen.
«Das Wasser läuft oberflächlich ab, weil die Bodenporen
nicht geöffnet sind», erläutert Greef. Starkregen
drücke die Bestände zudem auf den Boden. Löpmeier
ergänzt: «Gut wäre ein günstiger Wechsel
zwischen mehreren trockenen Tagen für die Getreideernte und
Niederschlägen für Hackfrüchte wie Kartoffeln und
Rüben.» Eine «mittlere Katastrophe» wäre
eine lange Feuchtigkeit, so dass Getreide nicht geerntet werden
könne.
Beim Gießen des Kleingartens
sollte derzeit auf jeden Fall genügend Wasser in den Boden
eindringen. «Gärtner sollten lieber alle zwei bis drei
Tage 10 bis 15 Liter pro Quadratmeter gießen als jeden Tag
5 Liter», empfiehlt Sourell. Die besten Zeiten seien morgens
und abends. Am Morgen sei es noch etwas günstiger: «Wenn
möglich sollten die Pflanzen trocken in die Nacht gehen.»
Das vermindere den Pilzbefall.
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