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- 21.07.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Erosion droht: Hitze treibt Landwirtschaft in Krise

Das Extremwetter stürzt Landwirtschaft, Tierwelt, Schifffahrt und Tourismus in zahlreichen europäischen Regionen in die Krise.

Hamburg (dpa) - Für tausende Bauern nimmt die Dürre existenzbedrohende Ausmaße an. In mehreren Touristengebieten Frankreichs und Spaniens flackern immer wieder Waldbrände auf. Hitze und Sturm kosteten vier Urlaubern das Leben, darunter drei Deutschen in Griechenland. Die Binnenschifffahrt in Deutschland kommt allmählich zum Erliegen. Einige Tierarten verloren bereits teilweise ihren Lebensraum. Starke Gewitter riefen hunderte Noteinsätze der Rettungsdienste hervor.

Drei deutsche Schwimmer wurden vor der Küste der griechischen Touristeninsel Kreta am Sonntag von einem Sturm mit Böen der Stärke 8 überrascht und ertranken in bis zu vier Meter hohen Wellen. Eine 28- jährige Spanierin kam wegen Wassermangels bei einem Ausflug in brütender Hitze auf der Ferieninsel Mallorca ums Leben.

Dramatische Umsatzeinbußen kommen auf die Bauern in Deutschland, Italien, Frankreich und Belgien zu. Die «Jahrhunderttrockenheit» führe zu katastrophalen Einbrüchen um bis zu 80 Prozent bei Getreide, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner. In den besonders betroffenen Gebieten wie Sachsen, Brandenburg und Bayern sind bis zu einem Sechstel der Bauernhöfe bedroht. Jetzt fordern die Landwirte Notprogramme. Mit Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) wollte Sonnleitner am Montagabend bei einem Krisentreffen mögliche Finanzhilfen erörtern. Auch die Fischerei leidet unter der Trockenheit. Im Landesfischereiverband Brandenburg rechnen bis zu 60 Prozent der Unternehmen mit Einkommenseinbußen.

Selbst Sturzregen - wie ihn Meteorologen für viele deutsche Regionen vorhergesagt haben - hilft den ausgedörrten Böden kaum. «Das Wasser läuft ab und bildet Erosionsrinnen», sagte der Meteorologe Werner Wehry von der Freien Universität Berlin. Gehe immer wieder Sturzregen nieder, könne die Erosion den Boden sogar zerstören.

Wie in Deutschland müssen sich auch Verbraucher in anderen europäischen Ländern auf steigende Preise für Agrarprodukte einstellen. In Italien könnten vor allem die Preise für Äpfel, Birnen und Zitrusfrüchte sowie für Olivenöl, Wein und Milchprodukte um bis zu 25 Prozent steigen, teilte der italienische Landwirtschaftsverband mit. Alleine beim Obst drohen Ernteausfälle von bis zu 25 Prozent. In Belgien schnellten die Obstpreise schon in die Höhe.

In Frankreich und Spanien flackerten in mehreren Regionen immer wieder gefährliche Waldbrände auf. Auf der Mittelmeerinsel Korsika kämpften Feuerwehrleute gegen einen sich ausbreitenden Brand nördlich von Ajaccio. Brände suchten auch das Hinterland der Cote d'Azur heim. In 40 Départements wurden Wassersparmaßnahmen verordnet.

Schwere Gewitterregen lösten im norditalienischen Trento Überschwemmungen und Erdrutsche aus. Mehrere Häuser wurden evakuiert. Die schwere Dürre findet in Italien aber kein Ende. Mit Wasser aus Alpenseen wollen die Behörden nun norditalienische Flüsse auffüllen und so Stromerzeuger, Industrie und Landwirtschaft versorgen.

In Deutschland bedroht die Hitzewelle den Lebensraum zahlreicher Tiere. So ging die Zahl der brütenden Uferschnepfen-Paare an Altmühl und Donau um zwei Drittel zurück. Die Kaulquappen von Gelbbauch-Unken trockneten mitsamt ihren Klein-Gewässern aus. Anderen Tierarten - Hasen, Schmetterlingen, Insekten - kommt die Hitze dagegen zugute.

Die großen Flüsse in Deutschland bieten den Kapitänen kaum noch genug Wasser. «Die Berufsschifffahrt auf der Elbe ist zurzeit tot», sagte Erich Wiese vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Lauenburg. Sachsens Flüsse führen derzeit 70 Prozent weniger Wasser mit sich als im langjährigen Mittel. Der Wasserstand der Elbe bei Dresden sank binnen eines Tages um 7 auf 88 Zentimeter - 112 Zentimeter weniger als normal. Vielerorts herrscht erhebliche Waldbrandgefahr. In den Notaufnahmen der Kliniken werden teilweise bis zu 50 Prozent mehr hitzegeschädigte Patienten als üblich eingeliefert.

Gewitter mit kräftigem Regen linderten die Trockenheit zum Wochenstart gebietsweise. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen liefen am Sonntagabend auch Keller voll. Mindestens sechs Menschen wurden bei Gewittern verletzt.

 

 Mehr Informationen:

Bauernverband

 

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