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Erosion droht: Hitze treibt Landwirtschaft
in Krise
Das Extremwetter stürzt
Landwirtschaft, Tierwelt, Schifffahrt und Tourismus in zahlreichen
europäischen Regionen in die Krise.
Hamburg (dpa) - Für tausende
Bauern nimmt die Dürre existenzbedrohende Ausmaße an.
In mehreren Touristengebieten Frankreichs und Spaniens flackern
immer wieder Waldbrände auf. Hitze und Sturm kosteten vier
Urlaubern das Leben, darunter drei Deutschen in Griechenland.
Die Binnenschifffahrt in Deutschland kommt allmählich zum
Erliegen. Einige Tierarten verloren bereits teilweise ihren Lebensraum.
Starke Gewitter riefen hunderte Noteinsätze der Rettungsdienste
hervor.
Drei deutsche Schwimmer wurden
vor der Küste der griechischen Touristeninsel Kreta am Sonntag
von einem Sturm mit Böen der Stärke 8 überrascht
und ertranken in bis zu vier Meter hohen Wellen. Eine 28- jährige
Spanierin kam wegen Wassermangels bei einem Ausflug in brütender
Hitze auf der Ferieninsel Mallorca ums Leben.
Dramatische Umsatzeinbußen
kommen auf die Bauern in Deutschland, Italien, Frankreich und
Belgien zu. Die «Jahrhunderttrockenheit» führe
zu katastrophalen Einbrüchen um bis zu 80 Prozent bei Getreide,
sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner.
In den besonders betroffenen Gebieten wie Sachsen, Brandenburg
und Bayern sind bis zu einem Sechstel der Bauernhöfe bedroht.
Jetzt fordern die Landwirte Notprogramme. Mit Bundesagrarministerin
Renate Künast (Grüne) wollte Sonnleitner am Montagabend
bei einem Krisentreffen mögliche Finanzhilfen erörtern.
Auch die Fischerei leidet unter der Trockenheit. Im Landesfischereiverband
Brandenburg rechnen bis zu 60 Prozent der Unternehmen mit Einkommenseinbußen.
Selbst Sturzregen - wie ihn Meteorologen
für viele deutsche Regionen vorhergesagt haben - hilft den
ausgedörrten Böden kaum. «Das Wasser läuft
ab und bildet Erosionsrinnen», sagte der Meteorologe Werner
Wehry von der Freien Universität Berlin. Gehe immer wieder
Sturzregen nieder, könne die Erosion den Boden sogar zerstören.
Wie in Deutschland müssen
sich auch Verbraucher in anderen europäischen Ländern
auf steigende Preise für Agrarprodukte einstellen. In Italien
könnten vor allem die Preise für Äpfel, Birnen
und Zitrusfrüchte sowie für Olivenöl, Wein und
Milchprodukte um bis zu 25 Prozent steigen, teilte der italienische
Landwirtschaftsverband mit. Alleine beim Obst drohen Ernteausfälle
von bis zu 25 Prozent. In Belgien schnellten die Obstpreise schon
in die Höhe.
In Frankreich und Spanien flackerten
in mehreren Regionen immer wieder gefährliche Waldbrände
auf. Auf der Mittelmeerinsel Korsika kämpften Feuerwehrleute
gegen einen sich ausbreitenden Brand nördlich von Ajaccio.
Brände suchten auch das Hinterland der Cote d'Azur heim.
In 40 Départements wurden Wassersparmaßnahmen verordnet.
Schwere Gewitterregen lösten
im norditalienischen Trento Überschwemmungen und Erdrutsche
aus. Mehrere Häuser wurden evakuiert. Die schwere Dürre
findet in Italien aber kein Ende. Mit Wasser aus Alpenseen wollen
die Behörden nun norditalienische Flüsse auffüllen
und so Stromerzeuger, Industrie und Landwirtschaft versorgen.
In Deutschland bedroht die Hitzewelle
den Lebensraum zahlreicher Tiere. So ging die Zahl der brütenden
Uferschnepfen-Paare an Altmühl und Donau um zwei Drittel
zurück. Die Kaulquappen von Gelbbauch-Unken trockneten mitsamt
ihren Klein-Gewässern aus. Anderen Tierarten - Hasen, Schmetterlingen,
Insekten - kommt die Hitze dagegen zugute.
Die großen Flüsse
in Deutschland bieten den Kapitänen kaum noch genug Wasser.
«Die Berufsschifffahrt auf der Elbe ist zurzeit tot»,
sagte Erich Wiese vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Lauenburg.
Sachsens Flüsse führen derzeit 70 Prozent weniger Wasser
mit sich als im langjährigen Mittel. Der Wasserstand der
Elbe bei Dresden sank binnen eines Tages um 7 auf 88 Zentimeter
- 112 Zentimeter weniger als normal. Vielerorts herrscht erhebliche
Waldbrandgefahr. In den Notaufnahmen der Kliniken werden teilweise
bis zu 50 Prozent mehr hitzegeschädigte Patienten als üblich
eingeliefert.
Gewitter mit kräftigem Regen
linderten die Trockenheit zum Wochenstart gebietsweise. In Baden-Württemberg,
Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen liefen
am Sonntagabend auch Keller voll. Mindestens sechs Menschen wurden
bei Gewittern verletzt.
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