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Mücken: Nachwuchs auf dem Trockenen
- Doch Plage kann noch kommen
Durch die ungewöhnliche
Hitze und Trockenheit haben sich Stechmücken und andere Insekten
bislang recht wenig vermehrt. Doch die Plage kann noch kommen.
Von Michael Becker, dpa
Hamburg (dpa) - Kein unfreiwilliger
Spurt während des Spaziergangs am Nachmittag, kein wildes
Fuchteln mit der zusammen gerollten Zeitung und kaum ein hektisches
Aufspringen beim abendlichen Grillen. Viele Menschen in Deutschland
dürften die ersten Wochen des Sommers als angenehm ruhig
empfunden haben. Denn durch die ungewöhnliche Hitze und Trockenheit
von Mai und Juni haben sich Stechmücken und andere Insekten
bislang recht wenig vermehrt. «Das heißt aber nicht,
dass das so bleibt», warnt Andreas Taeger vom Deutschen
Entomologischen Institut (DEI) in Müncheberg.
«Die Larven sind nicht
abgestorben. Sie warten auf günstige Bedingungen zum Ausschlüpfen.»
Das seien Feuchtigkeit und Wärme. Die Zeit dafür reiche
bis weit in den Juli hinein. Zudem hat von Ende August bis September
eine weitere Generation der geflügelten Piekser ihre Schlupfzeit.
Eine genaue Prognose für die 46 in Deutschland lebenden Arten
von Stechmücken will Taeger nicht abgeben. «Das wäre
Kaffeesatzleserei.»
Die meisten Deutschen würden
jedoch gerne ganz auf die Mücken verzichten. Bei einer Umfrage
des Meinungsforschungsinstituts Emnid hatten 57 Prozent der Befragten
im vergangenen Monat Mücken als schlimmste Sommerplage bezeichnet.
Die kleinen Quälgeister landeten damit auf Platz Eins.
Am meisten haben die so genannten
Überschwemmungsmücken der Gattung Aedes bisher den Regen
vermisst. Sie entwickeln sich in Gewässern wie Pfützen
oder Überflutungsflächen von Flüssen, die sich
nur durch Güsse von oben bilden. «Sie sind die wirklichen
Plagegeister, die in der freien Natur weit verbreitet sind. Sie
fliegen schon tagsüber und vermiesen uns sowohl den Spaziergang
am Nachmittag, als auch den lauen Sommerabend», sagt der
Vizepräsident der Münchner Entomologischen Gesellschaft
(MEG), Ernst-Gerhard Burmeister.
Wenn sie einmal da sind, kann
man sich nur schwer vor ihnen schützen. «Am besten
ist es, das Weite zu suchen, wenn man merkt, dass irgendwo viele
Mücken sind», rät Taeger. Giftig sind die Stiche
zwar nicht, aber sie lösen einen quälenden Juckreiz
aus und können sich Entzünden, wenn sie aufgekratzt
werden. Nach Schätzungen leiden außerdem bis zu fünf
Prozent der Deutschen an Insekten-Allergien.
Unabhängiger vom Wetter
sind nach Angaben von MEG-Forscher Burmeister die Hausmücken
(Culex). «Da schaffen wir uns die Plage oft selber»,
meint er. «Sie entwickeln sich in stehenden Gewässern
in der Nähe von Häusern. Dabei genügt ihnen der
Untersatz eines Blumentopfes, der zu selten geleert wird.»
Immerhin lasse sich ihre Verbreitung leichter eindämmen.
«Jeder Einzelne kann etwas tun. Zum Beispiel mit einer über
die Regentonne gelegten Gardine oder indem er überprüft,
ob das Wasser aus der Regenrinne auch wirklich abläuft.»
Auf die Jagd nach unserem Blut machen sich dabei nur die weiblichen
Tiere. Haben sie sich vollgesaugt, können sie jederzeit neue
Eier legen. Feste Schlupfperioden gibt es nicht.
Die Bienen scheinen sich in jedem
Fall zu erholen, nachdem die Varroa-Milbe und das Kaschmir-Virus
die Anzahl der Bienenvölker in Deutschland seit dem Herbst
des vergangenen Jahres um fast 30 Prozent dezimiert hatten. «Aus
den überlebenden Völkern konnten neue Jungvölker
aufgebaut werden», sagt der Leiter des Niedersächsischen
Landesinstituts für Bienenkunde in Celle, Werner van der
Ohe. «Wir hoffen, dadurch noch in diesem Jahr eine ähnliche
Population wie 2002 zu erreichen.»
Eher indirekt betroffen von der
Trockenheit waren hingegen die Wespen. Da sie sich von anderen
Insekten ernähren, müssen sie hungern, wenn ihren kleineren
Verwandten das Wasser fehlt. «Sie haben bisher eine schlechte
Ernährungssituation vorgefunden», beschreibt Burmeister
das Dilemma der geflügelten Räuber. Eine Prognose über
die Entwicklung der Wespenvölker, die normalerweise gegen
Ende Juli ihre Spitze erreicht, sei jedoch nicht möglich.
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