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Binnenmeer wurde zur Falle: Buckelwal
verirrte sich in die Ostsee
Erstmals seit zwanzig Jahren
haben Forscher einen Buckelwal in der Ostsee entdeckt.
Von Martina Rathke, dpa
Groß Schwansee/Stralsund
(dpa) - Bei dem toten Wal, der am Donnerstag bei Groß Schwansee
nahe Wismar gefunden wurde, handele es sich um ein knapp sieben
Meter langes Jungtier, sagte Dirk Kwasny vom Stralsunder Meeresmuseums
am Freitag. Das Tier soll mit einem Lastzug nach Stralsund gebracht
und dort seziert werden. Zuletzt war nach Angaben des Meeresmuseums
1984 vor Sassnitz ein Buckelwal gesichtet worden. Er fand aber
den Weg zurück in die Nordsee.
Trotz des norddeutschen «Schietwetters»
pilgerten Hunderte Besucher am Freitagvormittag zum Strand von
Groß Schwansee, um den Kadaver mit seinen typischen pockenartigen
Erhebungen im flachen Wasser zu begutachten. «Ein Buckelwal
ist sehr, sehr selten in der Ostsee», sagte Kwasny. Die
Meeresbiologen wollen dem Kadaver Gewebe- und Organproben entnehmen
sowie Magen- und Darminhalt untersuchen. Erst dann könne
die Todesursache bestimmt werden, sagte Kwasny. Nach ersten Vermutungen
ist das Tier verhungert und trieb schon mehrere Tage im Wasser.

©
NOAA
Buckelwalkuh
mit Kalb (Archivbild): "Sehr, sehr selten in der
Ostsee".
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«Whale watching» in
der Ostsee und an deren Küste hat Seltenheitswert. Denn der
Bestand der hier beheimateten Schweinswale wird auf nur rund 600
Tiere geschätzt. Buckel- und Zwergwale gelten als seltene
Irrgäste. «Die Zwerg- und Buckelwale sind in subpolaren
Meeren und in der Nordsee zu Hause», erläuterte der
Meeresbiologe Dirk-Heinrich Stechmann, Vize-Direktor der Stralsunder
Forschungseinrichtung. Über die norwegische Rinne drifteten
sie gelegentlich in Skagerak und Kattegat ab. Wenn sie nicht abdrehen,
gelangen sie über die Beltsee in die flachen Ostseegewässer.
«Dann erweist sich die
Ostsee als biologische Falle». Die Tiere seien meist nicht
in der Lage, den Rückweg aus dem umschlossenen Meer in die
tiefere Nordsee zu finden. Zudem ist die Ostsee als Lebensraum
für die zu den Bartenwalen gehörenden Arten ungeeignet.
«Die meisten Tiere verhungern oder sterben infolge von Stress»,
sagte Stechmann.
Das Deutsche Meeresmuseum in
Stralsund ist eines der bedeutenden Zentren der Walforschung in
Deutschland. Alle toten Meeressäuger, die an den Küsten
Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns gefunden werden,
werden von den Stralsunder Experten untersucht. Meistens handelt
es sich bei den rund 15 bis 20 toten Tieren pro Jahr um Schweinswale
und Robben. Die Meeresbiologen bestimmen Alter, Gewicht und Todesursache,
um daraus mögliche Häufungen und Tendenzen ablesen zu
können. Danach würden die Tiere zerlegt und die Skelette
in einem aufwendigen Verfahren entfettet.
Selten sind richtige Exoten unter
den Funden. 1965 verfing sich eine Lederschildkröte vor Stralsund
im Netz von Fischern. 1999 und 2002 wurde jeweils ein toter Zwergwal
an der Küste Mecklenburg- Vorpommerns entdeckt. Dass jetzt
ein Buckelwal gestrandet ist, sei nicht beunruhigend. Solche Irrgänge
passierten gelegentlich, betonte Stechmann.
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