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- 03.07.2003 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Schädling:

Wollige Napfschildlaus fällt über Stadtbäume her

Die nur wenige Millimeter große Wollige Napfschildlaus fällt derzeit massenhaft über Straßenbäume in deutschen Städten her.

Hamburg/Braunschweig (dpa) - Der vermutlich aus Asien eingewanderte Schädling breitet sich bundesweit aus und zapft vor allem Laubbäume an. «Das Tierchen saugt den Saft aus der Rinde und entzieht dem Baum damit die energiereichen Substanzen», erläuterte der Forstpathologe Rolf Kehr von der Biologischen Bundesanstalt in Braunschweig am Donnerstag. Besonders Hamburg meldete einen starken Befall von Linde, Ahorn und Rosskastanie. Bereits geschwächte Pflanzen könnten im Extremfall absterben, berichtete der Sprecher der Hamburger Umweltbehörde, Volker Dumann. Für Menschen und Tiere bestehe keine Gefahr.

Generell haben nach Kehrs Worten die Probleme mit eingewanderten Schädlingen wie etwa der Miniermotte in den vergangenen Jahren etwas zugenommen, vermutlich wegen des insgesamt wärmeren Klimas. «Die Bedingungen für Schädlinge sind durch wärmere Sommer und relativ milde Winter besser geworden. Das ist allerdings kein Grund zur Panik.» Die Schädlingsproblematik sei in den vergangenen Jahren auch stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

Die rund fünf Millimeter großen Weibchen der Napfschildlaus (Pulvinaria regalis) sondern eine weiße Wachswolle ab, in die sie ihre Eier legen. Diese weiße Schicht kann wie Schimmel aussehen. Die befallenen Bäume werden geschwächt, was vor allem in der Stadt zu Problemen führt, wo die Bäume ohnehin stärkerem Stress ausgesetzt sind. «Der Baum wird dadurch anfällig für andere Erreger», erläuterte Kehr. In schweren Fällen geht der Baum von der Krone abwärts ein. Im Wald spielt das Problem dagegen kaum eine Rolle, weil die Bäume dort weniger Stress ausgesetzt sind und es deutlich mehr natürliche Feinde wie etwa Schlupfwespen und Marienkäfer gibt.

In Großbritannien wird die Napfschildlaus Kehr zufolge seit den 60er Jahren beobachtet. In den 80er Jahren sei sie vermutlich nach Deutschland eingeschleppt worden. Zuerst tauchte der Schädling im Raum Köln-Bonn auf, der wegen des warmen Rheinklimas auch heute noch einen Schwerpunkt bildet. Von dort breitete sich das Tier Richtung Bayern und nach Norden aus und hat vor einigen Jahren Hamburg erreicht. «Es gibt aber auch bereits einzelne Berichte aus Berlin», sagte Kehr.

Bekämpfen lässt sich die Schildlaus derzeit kaum. «Es gibt kein zugelassenes chemisches Mittel.» Die Läuse lassen sich laut Kehr allenfalls mechanisch entfernen, was jedoch für einen größeren Bereich wie etwa eine ganze Stadt unpraktikabel sei. Duman sieht jedoch «durchaus eine Chance, das Problem mit biologischen Mitteln in den Griff zu bekommen», mit Hilfe von Marienkäfern und Schlupfwespen. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Hamburg solle nun herausgefunden werden, welche Erfahrungen andere Städte mit dem Schädling gemacht hätten. «Solche Tiere breiten sich explosionsartig aus», sagte Dumann.

 


© dpa

Dieser Hamburger Baum ist mit unzähligen weißen Eisäckchen der Wolligen Napfschildlaus übersät.


 Mehr Informationen:

Biologische Bundesanstalt

vista verde: Eingeschleppte Arten

 

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