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Bärenprojekt in Worbis: «Unsere
Bären haben alle eine Macke»
Zehn Braun- und zwei Schwarzbären
mit trauriger Vergangenheit leben zur Zeit im thüringischen
Bärenpark Worbis.
Von Bettina Grachtrup
Worbis (dpa) - Mehr als 20 Jahre
lebte die Bärin Mischka auf gerade einmal 16 Quadratmeter
in einem Käfig. Jetzt kann sie 40.000 Quadratmeter durchstreifen.
Doch selbst im thüringischen Bärenpark Worbis läuft
das Tier zuweil immer noch die gewohnten 16 Quadratmeter ab. «Die
Bären, die zu uns kommen, haben alle eine Macke», sagt
die Sprecherin des Parks, Martina Lagemann. Es leben zehn Braun-
und zwei Schwarzbären mit trauriger Vergangenheit in der
Anlage. Das Projekt des Deutschen Tierhilfswerks wurde am 1. Juli
1996 gegründet.
Tierschützer regten den
Park angesichts katastrophaler Zustände in Zirkussen, Zoos
und Tierparks an. Der «1. Alternative Bärenpark»
wollte eine Alternative bieten. Er könne den Bedürfnissen
der Tiere aber auch nicht vollständig gerecht werden, sagt
Lagemann. In der freien Wildbahn beanspruche ein Bär 300
bis 500 Quadratkilometer. Nach einem jahrelangen Leben in Gefangenschaft
sei es jedoch nicht mehr möglich, sie auszuwildern - sie
würden wohl nicht überleben. «Ihre Instinkte sind
verkümmert.»
Bärin Maika wird noch heute
schnell nervös und tippelt durch die Gegend, wie sie es sich
im Zwinger angewöhnte. Emma und Max wurden jahrelang in einer
tiefen Grube gehalten. Kathi lebte in einem Zirkus, wurde aber
zu wenig bewegt und zu dick. Sie ist heute am schwerfälligen
Gang zu erkennen. Mischa mussten alle Zähne gezogen werden.
Sie waren verfault, weil er mit Süßigkeiten gefüttert
worden war. In Worbis leben die Petze zusammen mit einem Rudel
Wölfe auf einem großen, mit Wald bedecktem Gelände.
In das Projekt flossen bisher vier Millionen Euro.

©
dpa
Ein Braunbär,
der im Bärenpark Worbis in Thüringen auf Nahrungssuche
ist.
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Jungbären lassen die Kassen
klingeln
Früher wurden junge Bären
häufig nach fünf Monaten von der Mutter getrennt, um
dressiert zu werden. Das Weibchen sollte weiteren Nachwuchs bekommen.
«Jungbären lassen die Kassen klingeln», sagt
Lagemann. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland mindestens
300 Tiere, die zu den Großbären-Arten gehören.
Die Worbiser Bärenbetreuer schätzen, dass rund 50 in
schlimmen Zuständen leben.
Die unkontrollierte Nachzucht
habe leicht abgenommen, bestätigt der Artenschutz-Referent
beim Deutschen Tierschutzbund, Torsten Schmidt. «Bei Zirkusbetrieben
ist die öffentliche Sensibilität größer geworden.»
Es gebe allerdings nach wie vor kein zentrales Register, in denen
Zirkusse erfasst seien. Amtsveterinäre erließen nur
Auflagen bei Verstößen, die sie manchmal durch Zufall
entdeckten.
Vor Beschlagnahmen schreckten
sie zurück. Sie wüssten nicht wohin mit den Tieren,
erklärt Schmidt. Zudem seien die Leitlinien des Verbraucherschutzministeriums
zur Haltung nicht tierfreundlich. Sie sehen beispielsweise 24
Quadratmeter für ein bis zwei große Bären vor.
«Das ist lächerlich wenig.» Die extrem neugierigen
Bären langweilten sich den Großteil des Tages in ihrem
kleinen Käfig.
Der Tierschutzbund ist an der
zweiten Auffangstation für Bären in Deutschland im westfälischen
Anholt beteiligt. «Wir haben 30 Bären auf der Warteliste»,
sagt Schmidt. Acht Petze leben bereits dort. Auch Worbis ist fast
voll. Der Verein «Aktion Bärenhilfswerk» als
Träger überlegt, das Gelände zu erweitern. Unterdessen
gewöhnt sich auch Bärin Mischka an ihr neues Leben.
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