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- 30.06.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Bärenprojekt in Worbis: «Unsere Bären haben alle eine Macke»

Zehn Braun- und zwei Schwarzbären mit trauriger Vergangenheit leben zur Zeit im thüringischen Bärenpark Worbis.

Von Bettina Grachtrup

Worbis (dpa) - Mehr als 20 Jahre lebte die Bärin Mischka auf gerade einmal 16 Quadratmeter in einem Käfig. Jetzt kann sie 40.000 Quadratmeter durchstreifen. Doch selbst im thüringischen Bärenpark Worbis läuft das Tier zuweil immer noch die gewohnten 16 Quadratmeter ab. «Die Bären, die zu uns kommen, haben alle eine Macke», sagt die Sprecherin des Parks, Martina Lagemann. Es leben zehn Braun- und zwei Schwarzbären mit trauriger Vergangenheit in der Anlage. Das Projekt des Deutschen Tierhilfswerks wurde am 1. Juli 1996 gegründet.

Tierschützer regten den Park angesichts katastrophaler Zustände in Zirkussen, Zoos und Tierparks an. Der «1. Alternative Bärenpark» wollte eine Alternative bieten. Er könne den Bedürfnissen der Tiere aber auch nicht vollständig gerecht werden, sagt Lagemann. In der freien Wildbahn beanspruche ein Bär 300 bis 500 Quadratkilometer. Nach einem jahrelangen Leben in Gefangenschaft sei es jedoch nicht mehr möglich, sie auszuwildern - sie würden wohl nicht überleben. «Ihre Instinkte sind verkümmert.»

Bärin Maika wird noch heute schnell nervös und tippelt durch die Gegend, wie sie es sich im Zwinger angewöhnte. Emma und Max wurden jahrelang in einer tiefen Grube gehalten. Kathi lebte in einem Zirkus, wurde aber zu wenig bewegt und zu dick. Sie ist heute am schwerfälligen Gang zu erkennen. Mischa mussten alle Zähne gezogen werden. Sie waren verfault, weil er mit Süßigkeiten gefüttert worden war. In Worbis leben die Petze zusammen mit einem Rudel Wölfe auf einem großen, mit Wald bedecktem Gelände. In das Projekt flossen bisher vier Millionen Euro.

 


© dpa

Ein Braunbär, der im Bärenpark Worbis in Thüringen auf Nahrungssuche ist.

 

Jungbären lassen die Kassen klingeln

Früher wurden junge Bären häufig nach fünf Monaten von der Mutter getrennt, um dressiert zu werden. Das Weibchen sollte weiteren Nachwuchs bekommen. «Jungbären lassen die Kassen klingeln», sagt Lagemann. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland mindestens 300 Tiere, die zu den Großbären-Arten gehören. Die Worbiser Bärenbetreuer schätzen, dass rund 50 in schlimmen Zuständen leben.

Die unkontrollierte Nachzucht habe leicht abgenommen, bestätigt der Artenschutz-Referent beim Deutschen Tierschutzbund, Torsten Schmidt. «Bei Zirkusbetrieben ist die öffentliche Sensibilität größer geworden.» Es gebe allerdings nach wie vor kein zentrales Register, in denen Zirkusse erfasst seien. Amtsveterinäre erließen nur Auflagen bei Verstößen, die sie manchmal durch Zufall entdeckten.

Vor Beschlagnahmen schreckten sie zurück. Sie wüssten nicht wohin mit den Tieren, erklärt Schmidt. Zudem seien die Leitlinien des Verbraucherschutzministeriums zur Haltung nicht tierfreundlich. Sie sehen beispielsweise 24 Quadratmeter für ein bis zwei große Bären vor. «Das ist lächerlich wenig.» Die extrem neugierigen Bären langweilten sich den Großteil des Tages in ihrem kleinen Käfig.

Der Tierschutzbund ist an der zweiten Auffangstation für Bären in Deutschland im westfälischen Anholt beteiligt. «Wir haben 30 Bären auf der Warteliste», sagt Schmidt. Acht Petze leben bereits dort. Auch Worbis ist fast voll. Der Verein «Aktion Bärenhilfswerk» als Träger überlegt, das Gelände zu erweitern. Unterdessen gewöhnt sich auch Bärin Mischka an ihr neues Leben.

 

 Mehr Informationen:

Bärenpark Worbis

Tierschutzbund: Anholter Bärenwald

Euronatur: Braunbären in Europa

 

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