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- 27.06.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Zentralafrika: Private Söldner-Truppe jagt Wilddiebe

Amerikanische Tierschützer schicken Söldner in die Schlacht gegen afrikanische Wilddiebe. Wehren sich die Wilderer, machen die «Öko-Rambos» kurzen Prozess.

Von Heike Schmidt, dpa

Jackson (dpa) - Bruce Hayse spricht langsam und sehr leise. Und wenn der 54-Jährige erzählt, wie skrupellose Wilderer in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) Elefantenherden abschlachten, Dörfer plündern, Frauen vergewaltigen und Männer in die Sklaverei verschleppen, klingt seine Stimme traurig. So hört sich kein Oberbefehlshaber einer Armee von bewaffneten Freiwilligen an, die organisierten Wilderern den Krieg erklärt hat.

Doch der freundliche Familienvater aus Jackson (US-Staat Wyoming) besitzt eine «Lizenz zum Töten». Im August 2001 erlaubte der damalige Präsident Angé-Félix Patassé dem von Hayse gegründeten Verein «Africa Rainforest and River Conservation», marodierenden Terrortrupps im 155.000 Quadratkilometer großen Chinko-Becken nachzustellen. Die Tierschützer haben einen Ex-Soldaten aus Südafrika angeheuert, um mehrere hundert Einheimische für eine «Tierschutz-Miliz» zu rekrutieren. Wehren sich die Jagdfrevler, machen die selbst ernannten Ordnungshüter kurzen Prozess.

Etablierte Tierschutzorganisationen lehnen den Einsatz von ausländisch finanzierten «Ballermann-Söldnern» ab. Schießwütige «Öko-Rambos» oder «arbeitslose Fremdenlegionäre» nach Afrika zu schicken, ist eine perverse Idee, sagt Jörn Ehlers vom Word Wildlife Fund (WWF) in Frankfurt.

Fluss der Elefanten heißt der Chinko bei den Eingeborenen. Hier im Osten der Zentralafrikanischen Republik badeten einst Zehntausende der Dickhäuter in den Fluten. Büffelherden streiften durch die Savannen, Nashörner, Giraffen und Löwen. Legendär war das Wildlife-Paradies im Herzen Afrikas - drei Mal größer als die Serengeti. Doch als Extrem-Urlauber Hayse 1999 durch die wilden Stromschnellen des Chinko paddelte, war es still im Regenwald.

Jedes Jahr zur Trockenzeit fallen Horden von Wilderern in dieses Gebiet ein, erläutert Richard Carroll vom WWF in Washington. Die Mehrheit kommt aus dem benachbarten Sudan, wo das meiste Großwild längst ausgerottet ist. In den 70er Jahren jagten die bis zu 200 Mann starken Banden noch mit Speeren. Heute sind sie mit Maschinengewehren ausgerüstet. «Damit schießen sie auf alles, was sich bewegt», sagt Carroll. 90 Prozent der Elefanten im Chinko-Becken sind bereits niedergemetzelt. Auf den Märkten versilbern die Karawanen ihre Beute. «Das sind keine armen Afrikaner, die Essbares für ihren Teller zusammenkratzen», sagt Aktivist Hayse, «das sind Kriminelle.»

Der leer gefegte Urwald hat katastrophale Folgen für das gesamte Ökosystem: Tierarten sterben aus, Pflanzen verschwinden. Einheimische leiden an Mangelernährung, weil fremde Jäger ihr Revier ausbeuten.

Ein ZAR-Regierungsbericht bestätigt, dass «institutionalisierte» Banden die Region systematisch zerstören. Doch es gebe «kein Geld, keine Ressourcen und kein großes Verlangen», sich auch noch für Tiere zu engagieren, sagt Bruce Hayse. Aus Sicherheitsgründen machen internationale Hilfsorganisationen meist einen großen Bogen um das vergessene Krisengebiet.

Rund 200.000 Dollar (183.300 Euro) hat der Verein von Hayse inzwischen gesammelt. Um eine funktionierende Wildhüter-Patrouille für einen geplanten Nationalpark aufzubauen, werde das Doppelte benötigt. Das Projekt ist nicht einmal richtig angelaufen, wird aber schon heftig angegriffen: Drei Wilderer sollen unter indirekter Mitwirkung von Hayse-Männern gelyncht worden sein. Gerüchte kursieren, dass die gefährlichen Tierschützer ihr mageres Gehalt mit Diamantenschmuggel aufbessern.

 

 Mehr Informationen:

Africa Rainforest and River Conservation

Umweltstiftung WWF

Zentralafrikanische Republik (AA)

vista verde: Artenschutz

 

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