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Zentralafrika: Private Söldner-Truppe
jagt Wilddiebe
Amerikanische Tierschützer
schicken Söldner in die Schlacht gegen afrikanische Wilddiebe.
Wehren sich die Wilderer, machen die «Öko-Rambos»
kurzen Prozess.
Von Heike Schmidt, dpa
Jackson (dpa) - Bruce Hayse spricht
langsam und sehr leise. Und wenn der 54-Jährige erzählt,
wie skrupellose Wilderer in der Zentralafrikanischen Republik
(ZAR) Elefantenherden abschlachten, Dörfer plündern,
Frauen vergewaltigen und Männer in die Sklaverei verschleppen,
klingt seine Stimme traurig. So hört sich kein Oberbefehlshaber
einer Armee von bewaffneten Freiwilligen an, die organisierten
Wilderern den Krieg erklärt hat.
Doch der freundliche Familienvater
aus Jackson (US-Staat Wyoming) besitzt eine «Lizenz zum
Töten». Im August 2001 erlaubte der damalige Präsident
Angé-Félix Patassé dem von Hayse gegründeten
Verein «Africa Rainforest and River Conservation»,
marodierenden Terrortrupps im 155.000 Quadratkilometer großen
Chinko-Becken nachzustellen. Die Tierschützer haben einen
Ex-Soldaten aus Südafrika angeheuert, um mehrere hundert
Einheimische für eine «Tierschutz-Miliz» zu rekrutieren.
Wehren sich die Jagdfrevler, machen die selbst ernannten Ordnungshüter
kurzen Prozess.
Etablierte Tierschutzorganisationen
lehnen den Einsatz von ausländisch finanzierten «Ballermann-Söldnern»
ab. Schießwütige «Öko-Rambos» oder
«arbeitslose Fremdenlegionäre» nach Afrika zu
schicken, ist eine perverse Idee, sagt Jörn Ehlers vom Word
Wildlife Fund (WWF) in Frankfurt.
Fluss der Elefanten heißt
der Chinko bei den Eingeborenen. Hier im Osten der Zentralafrikanischen
Republik badeten einst Zehntausende der Dickhäuter in den
Fluten. Büffelherden streiften durch die Savannen, Nashörner,
Giraffen und Löwen. Legendär war das Wildlife-Paradies
im Herzen Afrikas - drei Mal größer als die Serengeti.
Doch als Extrem-Urlauber Hayse 1999 durch die wilden Stromschnellen
des Chinko paddelte, war es still im Regenwald.
Jedes Jahr zur Trockenzeit fallen
Horden von Wilderern in dieses Gebiet ein, erläutert Richard
Carroll vom WWF in Washington. Die Mehrheit kommt aus dem benachbarten
Sudan, wo das meiste Großwild längst ausgerottet ist.
In den 70er Jahren jagten die bis zu 200 Mann starken Banden noch
mit Speeren. Heute sind sie mit Maschinengewehren ausgerüstet.
«Damit schießen sie auf alles, was sich bewegt»,
sagt Carroll. 90 Prozent der Elefanten im Chinko-Becken sind bereits
niedergemetzelt. Auf den Märkten versilbern die Karawanen
ihre Beute. «Das sind keine armen Afrikaner, die Essbares
für ihren Teller zusammenkratzen», sagt Aktivist Hayse,
«das sind Kriminelle.»
Der leer gefegte Urwald hat katastrophale
Folgen für das gesamte Ökosystem: Tierarten sterben
aus, Pflanzen verschwinden. Einheimische leiden an Mangelernährung,
weil fremde Jäger ihr Revier ausbeuten.
Ein ZAR-Regierungsbericht bestätigt,
dass «institutionalisierte» Banden die Region systematisch
zerstören. Doch es gebe «kein Geld, keine Ressourcen
und kein großes Verlangen», sich auch noch für
Tiere zu engagieren, sagt Bruce Hayse. Aus Sicherheitsgründen
machen internationale Hilfsorganisationen meist einen großen
Bogen um das vergessene Krisengebiet.
Rund 200.000 Dollar (183.300
Euro) hat der Verein von Hayse inzwischen gesammelt. Um eine funktionierende
Wildhüter-Patrouille für einen geplanten Nationalpark
aufzubauen, werde das Doppelte benötigt. Das Projekt ist
nicht einmal richtig angelaufen, wird aber schon heftig angegriffen:
Drei Wilderer sollen unter indirekter Mitwirkung von Hayse-Männern
gelyncht worden sein. Gerüchte kursieren, dass die gefährlichen
Tierschützer ihr mageres Gehalt mit Diamantenschmuggel aufbessern.
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