|
Verlockend: Farben könnten Düfte
ersetzt haben
Warum spielen bei Menschen
und Menschenaffen Duftstoffe nur noch eine geringe Rolle für
das Sozialverhalten? Möglicherweise weil ein verbessertes
Sehvermögen die Kommunkation mit Farben möglich machte.
(jkm) - Bei vielen Tieren spielen
Duftstoffe eine zentrale Rolle für das Sozialverhalten, nicht
jedoch bei Menschen und Menschenaffen. Offenbar wurden das ausgefeilte
Riechsystem und die zugehörigen Gene bei ihnen überflüssig,
berichten amerikanische Forscher in den "Proceedings of the
National Academy of Sciences". Der Grund war vielleicht,
dass männliche Affen empfängnisbereite Weibchen plötzlich
auch optisch ausmachen konnten.
Die duftenden Signalstoffe, Pheromone,
werden durch das so genannte vomeronasale oder Jacobsonsche Organ
in der Nasenhöhle erkannt. Anders als bei Neuweltaffen ist
es bei Menschen und Menschenaffen allerdings kaum noch funktionstüchtig.
Jianzhi Zhang und Marc Webb von der University of Michigan in
Ann Arbor suchten nach einer Erklärung für dieses Phänomen.
Dazu analysierten sie bei mehreren Arten von Altwelt- und Neuweltaffen
zwei Gene, deren einzige Funktion in der Pheromon-Erkennung liegt.
Wie die Forscher berichten, scheinen
die beiden Gene bei Neuweltaffen wie Sakis oder Klammeraffen intakt.
Bei sämtlichen untersuchten Altweltaffen, bestehend aus Hundsaffen
und Menschenaffen, enthielt eines der Gene mit der Bezeichnung
TRP2 jedoch stets ein vorzeitiges Stop-Signal. Das zugehörige
Protein, vermutlich an der Weiterleitung der von den Pheromon-Rezeptoren
kommenden Signale beteiligt, ist daher nicht mehr funktionstüchtig.
Weitere Untersuchungen ergaben, dass ähnliches auch für
eine Gruppe von Rezeptorgenen gilt.
Offenbar sind beide Gene bzw.
Gengruppen im Laufe der Evolution überflüssig geworden
und stellen heute nur noch wahllos mutierende Pseudogene dar,
glauben die Forscher. Das ausschlaggebende Ereignis müsse
nach der Trennung von Altwelt- und Neuweltaffen vor 35 Millionen
Jahren stattgefunden haben, jedoch noch vor der Aufspaltung der
Altweltaffen in Hunds- und Menschenaffen vor 23 Millionen Jahren.
Zhang und Webb spekulieren, den
Anstoß könnte die Duplikation jenes Gens geliefert
haben, das für die Rot-Grün-Variante des Sehpigments
Opsin codiert. Anders als das Gen für die Blau-Variante des
Opsins liegt es auf dem X-Chromosom. Da männliche Säuger
nur ein X-Chromosom besitzen, konnten sie vor der Verdoppelung
nur zweifarbig sehen.
"Sobald die Männchen
über dreifarbiges Sehen verfügten, konnten sie die subtilen
Farbveränderungen der weiblichen Genitalhaut wahrnehmen",
schreiben die Forscher. Dies habe vielleicht zur Ablösung
der Pheromon-Kommunikation durch das zuverlässigere optische
System geführt.
|