|
Erfolg für Walschützer: Kommission
beschließt besseren Schutz
Im Kampf für einen stärkeren
Schutz der Wale haben Deutschland und andere Länder in der
Internationalen Walfang- Kommission (IWC) einen wichtigen Erfolg
erzielt.
Berlin (dpa) - Nach kontroverser
Debatte nahm die IWC am Montag auf ihrer 55. Jahrestagung in Berlin
eine Resolution zur Einrichtung eines speziellen Ausschusses für
den Schutz der bedrohten Meeressäuger an. Damit wird erstmals
der Schutzgedanke ausdrücklich in der seit Jahren zerstrittenen
IWC verankert. Für die so genannte «Berliner Initiative»
stimmten 25 Mitglieder bei 20 Gegenstimmen.
Bundeslandwirtschaftsministerin
Renate Künast (Grüne) sprach von einem großen
Erfolg. «Damit wird der Walschutz als ein Kernanliegen in
der IWC anerkannt und erhält einen eindeutig höheren
Stellenwert als bisher.» Die Annahme der Resolution sei
ein wichtiger Schritt zur «Modernisierung und damit zur
Stärkung der IWC». Auch Umwelt- und Artenschutzorganisationen
begrüßten den Beschluss als Schritt in die richtige
Richtung. Trotz des bestehenden Walfangverbots werden jedes Jahr
von Japan und Norwegen Wale gejagt. Beschlüsse der IWC werden
seit Jahren wegen der unversöhnlichen Positionen der Walfangbefürworter
und -gegner blockiert.
Japan und Norwegen kündigten
an, dem neuen Schutz-Komitee nicht beizutreten. Zum Auftakt der
Tagung, die erstmals in Deutschland stattfindet, war Japan mit
dem Antrag gescheitert, die Schutz- Initiative von der Tagesordnung
zu nehmen. Die Umweltorganisation WWF verurteilte die Blockade
Japans und Norwegens. Der WWF-Artenschutzexperte Volker Homes
bezeichnete die Annahme der Initiative aber dennoch als «Meilenstein
für den Walschutz». Die Kommission erkenne jetzt an,
dass außer den Großwalen auch die kleinen Walarten
geschützt werden müssten. Jetzt werde auch endlich das
«größte Problem» des Beifangs angegangen,
durch den zehntausende Wale, vor allem kleinere Arten, in den
Fischernetzen verenden.
Der Greenpeace-Experte Thilo
Maack sagte der dpa: «Die Annahme der Berliner Initiative
ist der erste Schritt auf dem langen Weg, aus der Walfang-Kommission
eine Schutzkommission zu machen.» Jetzt müssten konkrete
Maßnahmen folgen. Künast, die Gastgeberin der Tagung
ist, hatte Japan und Norwegen zu Beginn der Sitzung aufgefordert,
sich in Richtung Walschutz zu bewegen. «Die beste Art, Wale
zu nutzen, ist nicht die Harpune, sondern die Fotokamera»,
sagte sie.
Die Berliner Initiative sei ein
Hauptanliegen der IWC-Tagung, sagte Künast. Der neue Ausschuss
zum Schutz der Wale soll Walbeobachtung und Umweltgefahren für
die bedrohten Meeressäuger behandeln. In den vergangenen
Jahren standen Fangquoten für Großwale im Mittelpunkt
der IWC-Verhandlungen.
Während der viertägigen
IWC-Sitzung soll auch eine Resolution gegen den umstrittenen wissenschaftlichen
Walfang eingebracht werden, den Japan betreibt und mit dem auch
Island beginnen will. «Wir haben dafür kein Verständnis»,
sagte Künast. Um herauszufinden, wie Wale sich ernähren,
müssten die Tiere nicht in so großer Zahl getötet
werden. Artenschutzorganisationen warfen Island, das 500 Wale
innerhalb von zwei Jahren angeblich zu Forschungszwecken fangen
will, ein «Täuschungsmanöver» vor.
Künast forderte Japan auf,
sich im Interesse des Walschutzes von «lieb gewordenen Traditionen»
zu verabschieden. Walfleisch gilt in Japan als Delikatesse und
wird dort zu hohen Preisen verkauft. Außerdem setzt sich
Deutschland zusammen mit anderen Ländern für zwei neue
Walschutzgebiete im Südatlantik und Südpazifik ein und
will eine Initiative gegen den Beifang in Fischernetzen ergreifen.
Allein an Deutschlands Nordseeküste verenden laut Künast
jedes Jahr rund 7500 Schweinswale (Kleine Tümmler) in den
Fischernetzen.
|