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- 12.06.2003 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Walkampf in Berlin: Künast lädt zur Konferenz für Meeressäuger

Ring frei für eine neue Runde im Walkampf: Auf der Tagung der Internationalen Walfang-Kommission in Berlin werden sich Walschützer und Walfänger eine weitere Schlacht um das Schicksal der Meeressäuger liefern.

Von Dorothea Hülsmeier, dpa

Berlin (dpa) - Der Ring ist frei für eine neue Runde im Walkampf. Erstmals tagt die Internationale Walfang-Kommission (IWC) in Deutschland. Vom 16. bis 19. Juni werden sich Walschützer und Walfänger in Berlin eine weitere Schlacht um das Schicksal der Meeressäuger liefern. Schachern und Feilschen, Stimmen kaufen und Stimmung machen - das gehört zum Alltag der IWC mit 49 Mitgliedstaaten.

Zwei Blöcke stehen sich seit Jahren in der IWC gegenüber und bewegen sich kaum einen Zentimeter aufeinander zu. Japan, Norwegen und das jüngst wieder aufgenommene Island sind die wichtigsten Walfangländer. Die USA, Großbritannien, Deutschland, Australien, Neuseeland gehören zu den Walfanggegnern. Bei der 55. IWC- Jahrestagung hofft die deutsche Gastgeberin, Agrarministerin Renate Künast (Grüne), die auch für Fischerei zuständig ist, die Geschicke zu Gunsten des Walschutzes mitlenken zu können.

1986 trat das Verbot des kommerziellen Walfangs in Kraft. Einige IWC-Länder umgehen es jedoch. Norwegen ist rechtlich nicht an das Walfang-Moratorium gebunden und hat eigenmächtig Fangquoten für Zwergwale festgesetzt. Japan fängt Wale zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken. «Etikettenschwindel», empören sich die Walfanggegner. «Die schneiden die Bäuche auf und stellen fest, dass Wale Fische fressen», heißt es in der deutschen Delegation. Deutschland wird zusammen mit weiteren Staaten bei der Tagung eine Resolution gegen den wissenschaftlichen Walfang einbringen.

Island hat die IWC von seinem Plan in Kenntnis gesetzt, 250 kleinere Wale zu wissenschaftlichen Zwecken fangen zu wollen. Das hält die Bundesregierung für «keine gute Idee». Sie will Island bei der IWC-Tagung davon überzeugen, Wale lieber von Touristen beobachten zu lassen als sie zu fangen. Ohnehin sei Walfleisch aus dem Nordmeer mit Schadstoffen belastet und der Walfang für Island nicht wirtschaftlich.

 


© NOAA

Tödliche Bedrohung Beifang: Schätzungen gehen bei den bis 16 m großen Buckelwalen von einer Todesrate bis zu 16 % aus.

 

Auch «Whale-Watching» nicht unproblematisch

Die Ausbreitung des «Whale-Watching»-Tourismus in aller Welt wird von einigen Tierschützern aber auch als Problem angesehen. Nach jüngsten Schätzungen drängen weltweit pro Jahr mehr als 12 Millionen Menschen aufs Meer, um Wale und Delfine zu beobachten. Das ist ein Milliarden-Geschäft. Rekordhalter ist Teneriffa mit mehr als einer Million Walbeobachtern pro Jahr. Manche Organisationen warnen davor, dass die sensiblen Wale in ihrem natürlichen Lebensraum gestört werden. Andere, etwa die Umweltstiftung WWF, setzen auf «kontrollierte» Touren zu den Walen, um den Schutz der Tiere zu fördern.

Eine direkte tödliche Gefahr für die Meeressäuger sind dagegen Fischereinetze, in denen jährlich je nach Schätzung 100.000 bis über 300.000 vor allem kleinerer Wale als nutzloser «Beifang» qualvoll verenden. Deutschland will sich bei der IWC, die sich bislang fast nur um Großwale kümmert, zum Anwalt der kleinen Meeressäuger machen. Jahr für Jahr wird auf der IWC-Tagung auch die Errichtung von weiteren Wal-Schutzgebiete im Südpazifik und Südatlantik beantragt - und immer wieder abgelehnt. Über ein umfassendes Kontroll- und Beobachtungssystem (RMS) streiten sich die IWC-Länder ebenfalls. Auch in Berlin ist nicht damit zu rechnen, dass dieses beschlossen wird.

Vor einem Jahr endete die IWC-Tagung im Japan in einem tiefen Zerwürfnis der Mitglieder. Künast setzt in Berlin auf Dialog. Zugleich schmiedet sie an einer Allianz, um die knappe Mehrheit der Walschutzländer in der IWC zu sichern. Denn stetig wächst die Zahl der stimmberechtigten Länder, die für eine Lockerung des Walfangverbots eintreten. Umweltschützer werfen Japan vor, Stimmen kleiner Karibikstaaten zu kaufen, die Entwicklungshilfe von Tokio bekommen. Die Chancen, dass in Berlin der Wal-Streit beigelegt wird, stehen schlecht.

 

 Mehr Informationen:

Verbraucherministerium

IWC

Studie "Islands Walfang-Comeback"

DIE ZEIT: Appetit auf Wal

 

Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere

Greenpeace

IFAW

Pro Wildlife

Umweltstiftung WWF

WDCS

 

vista verde: Meeressäuger

 

 Lesen Sie auch:

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