|
Bienen: Gut geheizte Kinderstube macht
klüger
Die Wärme im Bienenstock
entscheidet darüber, ob aus einer Puppe eine "kluge"
Honigsammlerin wird.
(jkm) - Honigbienen können
das Lernverhalten und die Kommunikationsfähigkeit ihrer Nachkommen
selbst bestimmen. Zu diesem Schluss kommen Würzburger Zoologen
im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Entscheidend dabei ist die Temperatur, bei der sich die Bienenpuppen
entwickeln.
Eine Kolonie Honigbienen (Apis
mellifera) sammelt im Laufe eines Sommers Blütennektar mit
einem Energiegehalt von insgesamt fünf Millionen Kilojoule.
Zum Vergleich: Ein Mensch benötigt pro Tag rund zehntausend
Kilojoule Energie. Zur effektiven Bewältigung der Sammelarbeit
müssen die Insekten sich in der Landschaft orientieren, den
Umgang mit den unterschiedlichen Blütentypen lernen und über
den komplexen Schwänzeltanz mit ihren Kolleginnen kommunizieren.
Etwa 40 Prozent der im Nektar
steckenden Energie verwendet die Kolonie auf die Klimatisierung
ihres Brutnests. Im Mittel halten die Bienen die Temperatur auf
35 Grad Celsius, tatsächlich gibt es im Brutnest Bereiche
niedrigerer oder höherer Temperatur. Jürgen Tautz und
seine Kollegen von der Universität Würzburg testeten
nun, welche Folgen diese Temperaturunterschiede auf die Fähigkeiten
der Tiere hat.
Die Zoologen ließen Bienenpuppen
in Brutschränken unterschiedlicher Temperatur heranreifen.
Die frisch geschlüpften Tiere setzten sie dann in Bienenstöcke
und beobachteten ihr Verhalten. Wenn es um die Erledigung des
"Haushalts" ging - Aufgaben wie Reinigung und Instandhaltung
des Nests oder Brutpflege - zeigten sich keine klaren Unterschiede
zwischen Tieren, die bei 32 oder bei 36 Grad herangewachsenen
waren. Anders dagegen, wenn es um den "Außeneinsatz"
ging: Nach dem Aufsuchen einer 200 Meter vom Stock entfernten
Nahrungsquelle brachten unter kühleren Bedingungen gereifte
Tiere nur selten einen vollständigen Schwänzeltanz zustande
und übermittelten ungenaue Informationen über die Lage
der Quelle.
Laut Tautz könnte man vermuten,
"dass es rein äußere Bedingungen wie eine ungünstige
Position der Brutzellen innerhalb des Nestes sind, die eine durchgehend
optimale Temperierung verhindern.". Der Insektenforscher
geht jedoch davon aus, dass eine Kolonie die intellektuellen Fähigkeiten
ihres Nachwuchses durch die Klimatisierung gezielt steuert und
so optimal an innere und äußere Bedingungen anpasst.
Befindet sich das Nest beispielsweise inmitten einer blühenden
Wiese, muss nicht so viel Energie für das Heranziehen blitzgescheiter
Sammlerinnen aufgewandt werden.
|