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Leere Meere:
Dicke Fische, viele Haken
Die Zahl von Tunfischen, Schwertfischen
und anderen großen Raubfischen in den Weltmeeren sinkt dramatisch:
Um bis zu 90 Prozent sind die Bestände zurückgegangen.
(jkm) - Seit Jahrzehnten fordern
Umweltschützer die Schonung der stark dezimierten Fischbestände.
Eine neue Sicht auf die Problematik erlauben Daten, die ein kanadisch-deutsches
Forscherduo im Magazin "Nature" präsentiert. Demnach
hat der Fischfang im industriellen Maßstab die Bestände
der großen Raubfische weltweit so rasch reduziert, dass
Ökologen wie Fischereimanager das Problem bislang sogar unterschätzt
haben.
Die Weltmeere haben über
90 Prozent ihrer Schwertfische, Thunfische, Rochen, Fächerfische,
Dorsche, Schollen und Fische anderer Artengruppen eingebüßt,
schätzen Ransom Myers und Boris Worm von der Dalhousie University
in Halifax, Nova Scotia, und von der Universität Kiel. Die
ökologischen Folgen könnten verheerend sein, zumal "ein
allein auf jüngeren Daten basierendes Management vielleicht
in die falsche Richtung führt."
Myers und Worm analysierten Daten
von Forschungsfahrten in Schelfgebiete, wo diese noch vor dem
Beginn der Fischerei in den Gebieten erfolgt waren, und aus der
japanischen Langleinenfischerei in den offenen Ozeanen. Letztere
erwies sich als besonders wertvolle Quelle, da sie für einige
Arten Fangdaten aus allen Teilen der Weltmeere seit 1952 im Monatsrhythmus
erfasst hat.
Anhand dieser Daten versuchten
die Forscher, die Entwicklung der Bestände zurückzurechnen
und die ursprüngliche Biomasse abzuschätzen. Wo immer
die industrielle Fischerei sich neue Fanggründe erschloss,
sank die Biomasse der Fischgemeinschaften demnach jedes Jahr um
fast ein Sechstel - binnen fünfzehn Jahren also um 80 Prozent.
Im Schnitt findet sich in den meisten Meeresgebieten heute nur
noch ein Zehntel der ursprünglichen Biomasse, in gemäßigten
Breiten des Atlantischen und Indischen Ozeans sogar nur ein Zwanzigstel.
Myers und Worm halten ihre Schätzung für eher konservativ.
"Die meisten Wissenschaftler
und Manager werden sich des wahren Umfangs der ökologischen
Veränderungen jedoch nicht bewusst sein, da der Rückgang
der Bestände meist in den ersten Jahren der Ausbeutung erfolgte
und damit gewöhnlich noch vor den Bestandserfassungen",
schreiben die Forscher. Umso begrüßenswerter sei eine
auf dem UN-Nachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg verabschiedete
Resolution, die eine Erholung und schonende Nutzung der Fischbestände
zum Ziel hat. Die neuen Resultate lieferten den Maßstab
zur Bewertung dieser Bemühungen.
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