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Käferplage:
Schimmelpilze sollen Maikäfer im
Zaum halten
Biologische Abwehrstoffe sollen
den starken Maikäferbefall in Süddeutschland und die
dadurch ausgelösten Waldschäden in Grenzen halten.
Von Anita Pöhlig, dpa
Braunschweig (dpa) - Seit einigen
Tagen brummt es in einigen Wäldern wieder: Der Maikäfer
hat die Erde verlassen. Bis in die 70er Jahre wurde er mit Insektiziden
bekämpft und war fast ausgestorben. Keiner konnte mehr Schuhkartons
voller summender Käfer sammeln. Doch seit einigen Jahren
ist der Blatthornkäfer beziehungsweise seine Vorstadien für
Forstleute wieder eine Plage. Der sichtbare Blattfraß der
Käfer stört sie wenig. Ein Problem sind jedoch die Larven
oder Engerlinge, die jahrelang vor ihrer kurzen Flugzeit die Wurzeln
der Bäume schädigen.
Um andere Insekten nicht zu gefährden,
dürfen derzeit keine Insektizide eingesetzt werden. Die Biologische
Bundesanstalt (BBA/Braunschweig) versucht den Schädling mit
einem Pilz beizukommen. Geruchsstoffe sollen die Käfer anlocken,
die dann mit dem Pilz infiziert werden, erläuterte Wohlert
Wohlers das Prinzip. Der Pilz soll auf die Eier und damit auf
die Larven übertragen werden, so dass sie erkranken und schließlich
sterben. Ob der Versuch tatsächlich zum gewünschten
Ergebnis führt, wird die BBA allerdings erst in Jahren sehen.

©
dpa
Maikäfer
und Engerling
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Hansjochen Schröter von
der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
ist auch eher skeptisch. «Biologische Methoden können
in einem Garten gut funktionieren, aber auf einer großen
Waldfläche ist das schwer hinzubekommen.» Während
sich die Vorkommen des Käfers im Norden noch in Grenzen halten,
tritt er in Süddeutschland bereits seit den 90er Jahren wieder
millionenfach auf. Das wärmere Klima in Verbindung mit den
oft sandigen Böden lässt dort Waldmaikäfer besonders
gut gedeihen.
Die Käfer haben eine Entwicklungszeit
von jeweils vier Jahren. Da die einzelnen Stämme jedoch einen
unterschiedlichen Zyklusbeginn haben, können in jedem Jahr
andere Regionen stark betroffen sein. Oft beherbergen Wälder
mehrere Stämme, so dass in vielen Gebieten je nach Witterung
in fast jedem Jahr Maikäfer fliegen.
In diesem Jahr schlüpfen
im Hardtwald bei Karlsruhe besonders viele Maikäfer. «100
Millionen Käfer werden es in dem 3500 Hektar großen
Wald sein», schätzt Schröter. Im kommenden Jahr
sind dort weniger zu vermuten. Nicht nur der Profit der Holzwirtschaft
sei gefährdet, um den Wald und damit den Lebensraum vieler
Tier- und Pflanzenarten zu schützen, müssen laut Schröter
wirksame Strategien zur Bekämpfung des Maikäfers überlegt
werden. Großflächiges Spritzen hätte zwar ein
umweltfeindliches Image, doch so viele andere Insekten seien um
diese Zeit noch gar nicht unterwegs. «Wie bei einer schweren
Krankheit, muss man irgendwann die Nebenwirkungen in Kauf nehmen.»
«Beobachtungen der letzten
200 Jahre lassen vermuten, dass Maikäfer eine Populations-Dynamik
von 25 bis 40 Jahren haben», sagte Wohlers. Das würde
bedeuten, dass die Käfer - ob bekämpft oder nicht -
in Abständen von Jahrzehnten schon immer verstärkt auftraten.
In einem nicht von Menschenhand bewirtschafteten Wald hätten
sie vermutlich die Aufgabe, Platz für neuwachsende Bäume
zu schaffen.
Doch nicht nur die Waldmaikäfer,
auch die Feldmaikäfer - die zwar als Käfer am Waldrand
leben, ihre Eier jedoch auf Wiesen und Felder ablegen - sind nach
Beobachtungen der Fachleute wieder verstärkt im Kommen. «Durch
die moderne Bodenbearbeitung haben die Larven dort allerdings
weniger Überlebenschancen als im Wald», sagte Schröter.
Sollte sich die Käfer weiter
so explosiv wie in den vergangenen zehn Jahren vermehren, könnten
sie wie früher wieder Platz auf unserem Speiseplan bekommen:
Proteinreich sollen sie sein und im Geschmack den Krebsen ähneln.
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