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- 24.04.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Vogelschutz:

Wie man Mauersegler lockt

Weil der "Vogel des Jahres" bei uns immer seltener einen geeigneten Brutplatz findet, haben Forscher einen Trick entwickelt: Mit Lockrufen wird Mauerseglern der Weg zum nächsten freien Nistkasten gewiesen.

Von Stefan Jacobasch, jkm

(jkm) - Im letzten Herbst wurde der Mauersegler zum "Vogel des Jahres 2003" ernannt. Zu Gesicht bekommt man ihn aber erst in diesen Wochen, denn die Vögel kehren jedes Jahr Anfang Mai aus ihren südafrikanischen Winterquartieren nach Europa zurück. Weil die Mauersegler bei uns immer seltener geeignete Brutplätze finden, haben deutsche und niederländische Forscher einen Trick entwickelt: Mit Lockrufen von Tonband oder CD wird den schnellen Fliegern der Weg zum nächsten freien Nistkasten gewiesen.

Die Mauersegler verbringen den größten Teil ihres Lebens in der Luft. Die 17 Zentimeter langen schlanken Vögel ernähren sich ausschließlich von Insekten, die sie im Flug fangen. Wenn sie im Mai ihr Sommerrevier erreichen, steuern sie jedes Jahr den gleichen Nistplatz an. So mancher Vogel erlebt dann eine böse Überraschung: Wo noch im Vorjahr ein altes Haus mit Rissen und Lücken im Mauerwerk Unterschlupf bot, lässt eine renovierte Fassade oder gar ein Neubau kein Nisten mehr zu. Je mehr alte Gebäude modernisiert werden, um so weniger Brutplätze bleiben dem Vogel.

Auf diese Situation wollten der Naturschutzbund Deutschland NABU und der Landesbund für Vogelschutz aufmerksam machen, als sie den Mauersegler zum "Vogel des Jahres 2003" wählten. Der Mauersegler steht mit einem Bestand von rund 900.000 Exemplaren in Deutschland noch nicht auf der Liste gefährdeter Tierarten. Die Ornithologen haben ihn aber auf die so genannte Vorwarnliste gesetzt, "weil lokale Populationen immer wieder einbrechen", erklärt Thorsten Wiegers vom NABU. Im Osten Deutschlands habe beispielsweise die Sanierung von Plattenbauten zum Verschwinden vieler Brutplätze geführt.

Der Verlust ihrer angestammten Nistplätze bringt für die Mauersegler ein zweites Problem mit sich: Sie finden nur schwer ein Ausweichquartier, selbst wenn ihnen Vogelfreunde nahe gelegene Nistkästen anbieten. "Die Mauersegler sind relativ ungeschickt beim Suchen neuer Plätze", hat der Hobby-Ornithologe Erich Kaiser beobachtet. Der Imker aus Kronberg im Taunus beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit den Vögeln und hat sein Haus mittlerweile mit 50 Nistkästen versehen. 42 waren im letzten Jahr belegt, am 23. April diesen Jahres trafen die ersten drei Sommergäste bei ihm ein.

Jungvögel, die noch kein eigenes Nest gebaut haben, muss Kaiser allerdings mit dem Tonband locken, sonst nistet sich die Konkurrenz ein. "Sie hängen einen Kasten für Mauersegler auf, und am nächsten Tag ist ein Star drin", kann Kaiser aus eigener Erfahrung berichten. Stare halten von Boden und Baum aus nach Nistmöglichkeiten Ausschau, Mauersegler müssen diese dagegen im schnellen Flug erkennen.

Die Ernennung zum "Vogel des Jahres" hat dem Mauersegler bereits eine große Popularität verschafft, freut sich der NABU. So werden etwa bei der laufenden Restaurierung des Wormser Doms gleich Brutplätze für den Vogel eingeplant und der unter Denkmalschutz stehende Kleine Gasometer der Leipziger Stadtwerke wurde Mitte April erstmals mit Nistkästen ausgerüstet. Diese sind vor allem für Jungvögel interessant.

Zum Ende ihres ersten Lebensjahres versuchen junge Mauersegler, in der Nähe bereits bestehender Kolonien Fuß zu fassen. Die Siedlung ihrer Artgenossen umkreisen sie dann mit lauten Rufen. Mit speziellen Antwortrufen kann man sie auf freie Nistkästen hinweisen, fanden niederländische und deutsche Ornithologen heraus. Vor rund zehn Jahren begannen sie erstmals damit, die Schreie auf Tonband aufzuzeichnen und in unmittelbarer Nähe von freien Nistkästen abzuspielen. Mit dieser Methode hat auch Erich Kaiser seine Kolonie aufgebaut. Mittlerweile sind seine Tonaufnahmen sogar auf CD im Handel erhältlich. Doch nicht jeder Vogelfreund kann damit Mauersegler locken, schränkt Kaiser ein.

Wer den Mauersegler in diesem Frühjahr bei sich ansiedeln will, muss zuerst klären, ob die Vögel bereits in der Umgebung heimisch sind. "In Gegenden, in denen es gar keine Mauersegler gibt, können sie so viel Rufe abspielen wie sie wollen - das wird nichts bringen", sagt Kaiser. Zum anderen sind die Vögel in der Wahl ihres Heims sehr wählerisch. Der Nistkasten muss mindestens sechs bis sieben Meter vom Boden entfernt an einer Wand hängen. Der Standort sollte nicht zu starker Sonnenstrahlung ausgesetzt oder durch Bäume verdeckt sein.

Sind diese Bedingungen erfüllt, kann der Vogelfreund in den Morgen- und Abendstunden die Lautsprecher aufstellen und den freien Brutplatz bewerben. Mitunter braucht es dabei viel Geduld, weiß Kaiser. Doch selbst wenn ein Mauersegler erst im Juli gegen Ende der Brutzeit auf den Nistkasten aufmerksam werden, ist das früh genug: Der Vogel wird sich den Platz merken und wiederkommen. Spätestens ab Mai 2004 darf dann mit einem festen Sommergast gerechnet werden.

 


© NABU

Auf Bodenkontakt können Mauersegler viele Wochen verzichten. Ihre kleinen Stummelfüße reichen gerade dazu aus, sich an senkrechtes Mauerwerk zu klammern.

 Mehr Informationen:

NABU mit ausführlichen Informationen zum "Vogel des Jahres 2003"

Deutsche Gesellschaft für Mauersegler

Fragen und Antworten rund um den Mauersegler

Die Mauersegler-CD ist erschienen im "Musikverlag Edition Ample"

vista verde: Vögel

 

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