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Vogelschutz:
Wie man Mauersegler lockt
Weil der "Vogel des Jahres"
bei uns immer seltener einen geeigneten Brutplatz findet, haben
Forscher einen Trick entwickelt: Mit Lockrufen wird Mauerseglern
der Weg zum nächsten freien Nistkasten gewiesen.
Von Stefan Jacobasch, jkm
(jkm) - Im letzten Herbst wurde
der Mauersegler zum "Vogel des Jahres 2003" ernannt.
Zu Gesicht bekommt man ihn aber erst in diesen Wochen, denn die
Vögel kehren jedes Jahr Anfang Mai aus ihren südafrikanischen
Winterquartieren nach Europa zurück. Weil die Mauersegler
bei uns immer seltener geeignete Brutplätze finden, haben
deutsche und niederländische Forscher einen Trick entwickelt:
Mit Lockrufen von Tonband oder CD wird den schnellen Fliegern
der Weg zum nächsten freien Nistkasten gewiesen.
Die Mauersegler verbringen den
größten Teil ihres Lebens in der Luft. Die 17 Zentimeter
langen schlanken Vögel ernähren sich ausschließlich
von Insekten, die sie im Flug fangen. Wenn sie im Mai ihr Sommerrevier
erreichen, steuern sie jedes Jahr den gleichen Nistplatz an. So
mancher Vogel erlebt dann eine böse Überraschung: Wo
noch im Vorjahr ein altes Haus mit Rissen und Lücken im Mauerwerk
Unterschlupf bot, lässt eine renovierte Fassade oder gar
ein Neubau kein Nisten mehr zu. Je mehr alte Gebäude modernisiert
werden, um so weniger Brutplätze bleiben dem Vogel.
Auf diese Situation wollten der
Naturschutzbund Deutschland NABU und der Landesbund für Vogelschutz
aufmerksam machen, als sie den Mauersegler zum "Vogel des
Jahres 2003" wählten. Der Mauersegler steht mit einem
Bestand von rund 900.000 Exemplaren in Deutschland noch nicht
auf der Liste gefährdeter Tierarten. Die Ornithologen haben
ihn aber auf die so genannte Vorwarnliste gesetzt, "weil
lokale Populationen immer wieder einbrechen", erklärt
Thorsten Wiegers vom NABU. Im Osten Deutschlands habe beispielsweise
die Sanierung von Plattenbauten zum Verschwinden vieler Brutplätze
geführt.
Der Verlust ihrer angestammten
Nistplätze bringt für die Mauersegler ein zweites Problem
mit sich: Sie finden nur schwer ein Ausweichquartier, selbst wenn
ihnen Vogelfreunde nahe gelegene Nistkästen anbieten. "Die
Mauersegler sind relativ ungeschickt beim Suchen neuer Plätze",
hat der Hobby-Ornithologe Erich Kaiser beobachtet. Der Imker aus
Kronberg im Taunus beschäftigt sich seit über 30 Jahren
mit den Vögeln und hat sein Haus mittlerweile mit 50 Nistkästen
versehen. 42 waren im letzten Jahr belegt, am 23. April diesen
Jahres trafen die ersten drei Sommergäste bei ihm ein.
Jungvögel, die noch kein
eigenes Nest gebaut haben, muss Kaiser allerdings mit dem Tonband
locken, sonst nistet sich die Konkurrenz ein. "Sie hängen
einen Kasten für Mauersegler auf, und am nächsten Tag
ist ein Star drin", kann Kaiser aus eigener Erfahrung berichten.
Stare halten von Boden und Baum aus nach Nistmöglichkeiten
Ausschau, Mauersegler müssen diese dagegen im schnellen Flug
erkennen.
Die Ernennung zum "Vogel
des Jahres" hat dem Mauersegler bereits eine große
Popularität verschafft, freut sich der NABU. So werden etwa
bei der laufenden Restaurierung des Wormser Doms gleich Brutplätze
für den Vogel eingeplant und der unter Denkmalschutz stehende
Kleine Gasometer der Leipziger Stadtwerke wurde Mitte April erstmals
mit Nistkästen ausgerüstet. Diese sind vor allem für
Jungvögel interessant.
Zum Ende ihres ersten Lebensjahres
versuchen junge Mauersegler, in der Nähe bereits bestehender
Kolonien Fuß zu fassen. Die Siedlung ihrer Artgenossen umkreisen
sie dann mit lauten Rufen. Mit speziellen Antwortrufen kann man
sie auf freie Nistkästen hinweisen, fanden niederländische
und deutsche Ornithologen heraus. Vor rund zehn Jahren begannen
sie erstmals damit, die Schreie auf Tonband aufzuzeichnen und
in unmittelbarer Nähe von freien Nistkästen abzuspielen.
Mit dieser Methode hat auch Erich Kaiser seine Kolonie aufgebaut.
Mittlerweile sind seine Tonaufnahmen sogar auf CD im Handel erhältlich.
Doch nicht jeder Vogelfreund kann damit Mauersegler locken, schränkt
Kaiser ein.
Wer den Mauersegler in diesem
Frühjahr bei sich ansiedeln will, muss zuerst klären,
ob die Vögel bereits in der Umgebung heimisch sind. "In
Gegenden, in denen es gar keine Mauersegler gibt, können
sie so viel Rufe abspielen wie sie wollen - das wird nichts bringen",
sagt Kaiser. Zum anderen sind die Vögel in der Wahl ihres
Heims sehr wählerisch. Der Nistkasten muss mindestens sechs
bis sieben Meter vom Boden entfernt an einer Wand hängen.
Der Standort sollte nicht zu starker Sonnenstrahlung ausgesetzt
oder durch Bäume verdeckt sein.
Sind diese Bedingungen erfüllt,
kann der Vogelfreund in den Morgen- und Abendstunden die Lautsprecher
aufstellen und den freien Brutplatz bewerben. Mitunter braucht
es dabei viel Geduld, weiß Kaiser. Doch selbst wenn ein
Mauersegler erst im Juli gegen Ende der Brutzeit auf den Nistkasten
aufmerksam werden, ist das früh genug: Der Vogel wird sich
den Platz merken und wiederkommen. Spätestens ab Mai 2004
darf dann mit einem festen Sommergast gerechnet werden.
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