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"Küss die Hand,
Madame":
Affen praktizieren Gruppenrituale
Kapuziner-Affen benutzen Rituale,
um ihre Beziehungen untereinander zu testen. Ein Verhalten, das
eigentlich nur für Menschen und Schimpansen typisch ist.
(jkm) - Die Gruppenrituale hat
ein internationales Anthropologen-Team um Susan Perry vom Leipziger
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie beobachtet.
Die Forscher führten langjährige Feldstudien unter Weißschulter-Kapuzineraffen
(Cebus capucinus) in verschiedenen Teilen von Costa Rica durch.
In der Fachzeitschrift "Current
Anthropology" berichten die Wissenschaftler jetzt über
vielfältige Verhaltenweisen, wie Beschnüffeln der Hände,
Saugen an Fingern, Ohren oder Schwanz sowie verschiedene "Spiele".
Die Rituale werden von einzelnen Affengruppen unabhängig
voneinander entwickelt. Die Forscher meinen, die Kenntnis sozialer
Traditionen unter Tieren erlaube ein tieferes Verständnis
der Wurzeln menschlicher Kultur.
Kapuziner-Affen haben viele Verhaltensweisen
entwickelt, die eigentlich nur für Menschen und/oder Schimpansen
typisch sind. In mehr als dreizehn Jahren beobachteten die Forscher
in vier Regionen Costa Ricas dreizehn unterschiedliche Gruppen
von Weißschulter-Kapuzineraffen. Sie identifizierten drei
typische Verhaltenskonventionen, die Affen in Ruhepausen benutzen:
Handschnüffeln, Saugen an Körperteilen sowie verschiedene
"Spiele".
Beim Handschnüffeln legt
sich ein Affe die Hand eines anderen auf Mund und Nase und atmet
dann Minuten lang tief ein. In einigen Gruppen saugen Paare von
Affen an den Fingern, Zehen, Ohren oder dem Schwanz des anderen
- manchmal sogar wechselseitig. Zudem konnten die Wissenschaftler
verschiedene Spiele beobachten.
Am häufigsten praktizierten
die Tiere das "Finger-im-Mund-Spiel": Hierbei steckt
ein Affe seinen Finger in den Mund des anderen, der dann sacht,
aber fest zubeißt. Der so "gefangene" Affe muss
alle möglichen Versuche unternehmen, um seinen Finger wieder
zu befreien. Hat er das geschafft, steckt er seinen Finger erneut
in den Mund des Mitspielers, oder aber der andere Affe macht das
Gleiche jetzt mit ihm und das ganze Spiel beginnt von vorn.
Perry und ihre Kollegen gehen
davon aus, dass Kapuzineraffen mit den Ritualen die Qualität
ihrer sozialen Bindungen mit Gruppenmitgliedern testen. Alle Rituale
sind mit Risiko oder zumindest Unbequemlichkeit für einen
oder sogar beide Beteiligten verbunden. Von daher werden Affen
nur bei Paaren mit einer starken Bindung die eher lästigen
Handlungen als angenehm empfinden, schätzen die Forscher.
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