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- 26.03.2003 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Leiden im Dienst der Menschheit:

Zahl der Versuchstiere steigt

Die Zahl der Versuchstiere ist weiter gestiegen und liegt inzwischen bei mehr als zwei Millionen, so die traurige Bilanz des Tierschutzberichts der Bundesregierung.

Von Can Merey, dpa

Berlin (dpa) - Sie sind oft des Menschen bester Freund, und doch fügt dieser ihnen immer wieder unermessliches Leid zu. Tiere werden immer noch in zu kleinen Ställen gehalten, quer durch Europa unter unwürdigen Bedingungen transportiert oder auch ohne Grund gequält - und immer noch werden etliche Tiere in Deutschland Opfer von Versuchen im Dienste von Wissenschaft und Forschung. Erstmals seit Anfang der 90er Jahre stieg die Zahl der Versuchstiere wieder auf mehr als zwei Millionen, so die traurige Bilanz des am Mittwoch in Berlin vorgelegten Tierschutzberichts der Bundesregierung.

Agrarministerin Renate Künast, die erste Frau und Grünen- Politikerin auf dem Posten, versucht seit ihrem Amtsantritt vor gut zwei Jahren, die Bedingungen für Tiere zu verbessern - gegen teils heftigen Widerstand, aber mit einigem Erfolg. So ist bereits beschlossene Sache, dass Hennen künftig mehr Platz im Stall bekommen, und das soll bald auch für Schweine und Pelztiere gelten. Der sicherlich größte Schritt für die Tiere: Nach jahrelangem Streit wurde ihr Schutz im vergangenen Sommer zum Staatsziel erklärt.

Sorge dürfte der Ministerin aber die stetige Zunahme der Versuchstiere machen. Der Entwicklung etwa durch alternative Testmethoden Einhalt zu gebieten, sei «nicht einfach», räumt Künast ein. Nachdem die Zahl der Versuchstiere seit Ende der 80er Jahre stetig gesunken war, steigt sie seit nunmehr fünf Jahren wieder an. Ein Ende des Trends ist nicht zu erwarten, im Gegenteil: Europaweit droht künftig sogar noch mehr Tieren das Versuchslabor. Grund ist die neue EU-Chemikalienpolitik, die noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll.

Diese neue Chemikalienpolitik «ist ein kleines Problem», sagt Künast denn auch. Für tausende Stoffe muss die chemische Industrie in den kommenden Jahren nach den EU-Plänen neue toxikologische Untersuchungen nachweisen - im Dienste des Umweltschutzes, aber zu Lasten von Versuchstieren. Primär sollen die Tests zwar ohne Tierversuche auskommen, so der Tierschutzbericht - aber eben nur primär. Zudem stünden bisher nur wenige tierversuchsfreie Alternativen zur Verfügung, heißt es in dem Papier weiter.

Ein Horrorszenario für Tierschützer also, von denen einige den Sinn von Tierversuchen überhaupt anzweifeln und einen vollständigen Teststopp verlangen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert zumindest ein Ende der Versuche an Primaten. Mehr als 2000 der nächsten Verwandten des Menschen wurden in Deutschland alleine im Jahr 2001 Opfer von Versuchen. In den Labors der EU, so der Tierschutzbund, leiden und sterben mehr als 10.000 Affen Jahr für Jahr.

«Den Tieren werden Elektroden ins Gehirn gepflanzt», beklagt der Tierschutzbund. «Sie werden mit schweren Krankheiten infiziert, mit Substanzen voll gepumpt, deren Giftigkeit geprüft werden soll, oder für die Produktion und Qualitätskontrolle von Impfstoffen getötet.» Angesichts dieser bedrückenden Zustände werden Tierschützer nicht müde, an ein Zitat des gewaltfreien indischen Unabhängigkeitskämpfers Mahatma Ghandi zu erinnern. Der sagte einst: «Eine Zivilisation kann man danach beurteilen, wie sie ihre Tiere behandelt.»

 


© dpa

Tierversuche mit Affen: Das Archivbild zeigt den Kopf eines Makaken, der durch eine Plastikhalterung fixiertwird. Im nächsten Schritt werden Elektroden durch das festimplantierte Führungsrohr in das Gehirn des wachen Primaten geschoben.


 Mehr Informationen:

Verbraucherministerium: Tierschutzbericht 2003 (PDF, 235 S., 2 MB)

Deutscher Tierschutzbund

vista verde: Tierschutz

 

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