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«Last Minute» nach
Deutschland:
Spanische Hunde suchen neues Zuhause
Mehrere tausend Hunde und Katzen
werden pro Jahr in Madrid aufgegriffen. Aber nur selten werden
Tiere aus Heimen adoptiert. Ein Verein organisiert Transporte
nach Deutschland.
Von Wiebke Hayenga, dpa
Madrid (dpa) - «Barro»
liegt ausgestreckt auf dem Operationstisch. Der weiß-braune
Bernhardiner-Mischling ist schon der siebte Hund, den Tierarzt
Manuel Garcia in dem kleinen Tierheim bei Alcalá de Henares
in der Nähe von Madrid an diesem Tag kastriert. Die Zeit
drängt, denn schon bald sollen die Tiere zur Adoption nach
Deutschland gebracht werden. Und vermittelt werden nur kastrierte
Hunde. In Spanien wird «Barro» wohl niemand vermissen.
Helfer des Tierschutzvereins ALBA haben den Hund im Schlamm (spanisch:
«barro») bei einem Industriegebiet aufgriffen und
ihn in ihr Heim aufgenommen. «Es ist ein typischer Fall»,
sagt die Vereinsvorsitzende Carolina Corral. Irgendjemand hat
ihn sich vermutlich als Wachhund angeschafft und dann sich selbst
überlassen.
Seit fünf Jahren kümmert
sich der Verein um die ausgesetzten Tiere im Raum Madrid und organisiert
alle zwei Monate Transporte nach Deutschland. Denn in den meisten
staatlichen Heimen werden die Tiere eingeschläfert, wenn
sie nach maximal drei Wochen nicht abgeholt worden sind. «Man
sieht darin die einzige Lösung, weil ständig neue Tiere
hinzukommen», erklärt Ana Martin vom nationalen Verein
«Freunde der Tiere». Über 3000 Hunde und Katzen
werden pro Jahr in Madrid allein von städtischen Mitarbeitern
aufgegriffen. Aber nur selten werden die Tiere aus den Heimen
adoptiert. «Leute, die sich einen Hund anschaffen wollen,
bevorzugen junge Rassetiere. Und die gibt es in den Heimen kaum»,
sagt Martin.
«Tiere werden hier häufig
als Konsumgut angesehen, sobald ein Problem auftaucht, lässt
man sie allein», weiß Tierarzt Manuel Garcia. Und
weil die wenigsten Hunde und Katzen kastriert sind, vermehren
sie sich schnell, so dass wilde Kolonien entstehen. «In
Sachen Tierschutz ist Spanien immer noch unterentwickelt»,
sagt Jutta Grohall (55), die seit über 30 Jahren in Spanien
lebt und sich bei ALBA engagiert. «Wir werden hier für
unser Engagement oft für verrückt gehalten.»
Ein nationales Tierschutzgesetz
gibt es noch nicht. In einigen Regionen existieren zwar gesetzliche
Vorschriften, aber Tierschützer klagen, dass die Bestimmungen
nicht umgesetzt werden und sich nicht einmal die Polizei um Notfälle
kümmert. Carolina Corral berichtet, dass sie vor kurzem beobachtet
hat, wie ein Mann auf der Straße seinen Hund quälte.
Und obwohl sie der Polizei 70 Unterschriften von Zeugen vorgelegt
hatte, sei gegen den Mann nichts unternommen worden. «Es
fehlt einfach das Bewusstsein», sagt die 31-Jährige.
So verwundert es nicht, dass
das ALBA-Tierheim nach zwei Monaten wieder voll ist und der vereinseigene
Lieferwagen erneut mit Dutzenden Hunden und Katzen nach Deutschland
starten muss. Manchmal finden sich auch «Flugpaten»,
die ein Tier auf ihr Ticket mitnehmen. Die Helfer setzen es in
den Frachtraum und eine deutsche Kontaktperson nimmt es nach der
Landung in Empfang.
In Deutschland gibt es auch kritische
Stimmen, die sich gegen den Auslandstierschutz und vor allem die
Transporte aussprechen, weiß Jutta Grohall. Aber sie weiß
auch, dass die Tiere sonst keine Chance hätten, denn in Spanien
werden kaum Hunde und Katzen aus Tierheimen adoptiert. In Deutschland
dagegen sind spanische Streuner gefragt. «Kaum ein Hund
braucht länger als einen Monat, um vermittelt zu werden»,
sagt Jutta Grohall. Die Hunde seien meistens unkompliziert, äußerst
dankbar und besäßen ein gutes Sozialverhalten, weil
sie auf der Straße mit anderen Tieren zusammengelebt haben.
«Sie werden deshalb gern als Zweithunde genommen.»
Auf seiner Internetseite stellt
der Verein die Hunde und Katzen, die ein neues Zuhause suchen,
vor. Rund 1000 Tiere aus Spanien sind im vergangenen Jahr auf
diese Weise nach Deutschland vermittelt worden. Auch für
«Barro» gibt es schon Interessenten.
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