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- 25.03.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

«Last Minute» nach Deutschland:

Spanische Hunde suchen neues Zuhause

Mehrere tausend Hunde und Katzen werden pro Jahr in Madrid aufgegriffen. Aber nur selten werden Tiere aus Heimen adoptiert. Ein Verein organisiert Transporte nach Deutschland.

Von Wiebke Hayenga, dpa

Madrid (dpa) - «Barro» liegt ausgestreckt auf dem Operationstisch. Der weiß-braune Bernhardiner-Mischling ist schon der siebte Hund, den Tierarzt Manuel Garcia in dem kleinen Tierheim bei Alcalá de Henares in der Nähe von Madrid an diesem Tag kastriert. Die Zeit drängt, denn schon bald sollen die Tiere zur Adoption nach Deutschland gebracht werden. Und vermittelt werden nur kastrierte Hunde. In Spanien wird «Barro» wohl niemand vermissen. Helfer des Tierschutzvereins ALBA haben den Hund im Schlamm (spanisch: «barro») bei einem Industriegebiet aufgriffen und ihn in ihr Heim aufgenommen. «Es ist ein typischer Fall», sagt die Vereinsvorsitzende Carolina Corral. Irgendjemand hat ihn sich vermutlich als Wachhund angeschafft und dann sich selbst überlassen.

Seit fünf Jahren kümmert sich der Verein um die ausgesetzten Tiere im Raum Madrid und organisiert alle zwei Monate Transporte nach Deutschland. Denn in den meisten staatlichen Heimen werden die Tiere eingeschläfert, wenn sie nach maximal drei Wochen nicht abgeholt worden sind. «Man sieht darin die einzige Lösung, weil ständig neue Tiere hinzukommen», erklärt Ana Martin vom nationalen Verein «Freunde der Tiere». Über 3000 Hunde und Katzen werden pro Jahr in Madrid allein von städtischen Mitarbeitern aufgegriffen. Aber nur selten werden die Tiere aus den Heimen adoptiert. «Leute, die sich einen Hund anschaffen wollen, bevorzugen junge Rassetiere. Und die gibt es in den Heimen kaum», sagt Martin.

«Tiere werden hier häufig als Konsumgut angesehen, sobald ein Problem auftaucht, lässt man sie allein», weiß Tierarzt Manuel Garcia. Und weil die wenigsten Hunde und Katzen kastriert sind, vermehren sie sich schnell, so dass wilde Kolonien entstehen. «In Sachen Tierschutz ist Spanien immer noch unterentwickelt», sagt Jutta Grohall (55), die seit über 30 Jahren in Spanien lebt und sich bei ALBA engagiert. «Wir werden hier für unser Engagement oft für verrückt gehalten.»

Ein nationales Tierschutzgesetz gibt es noch nicht. In einigen Regionen existieren zwar gesetzliche Vorschriften, aber Tierschützer klagen, dass die Bestimmungen nicht umgesetzt werden und sich nicht einmal die Polizei um Notfälle kümmert. Carolina Corral berichtet, dass sie vor kurzem beobachtet hat, wie ein Mann auf der Straße seinen Hund quälte. Und obwohl sie der Polizei 70 Unterschriften von Zeugen vorgelegt hatte, sei gegen den Mann nichts unternommen worden. «Es fehlt einfach das Bewusstsein», sagt die 31-Jährige.

So verwundert es nicht, dass das ALBA-Tierheim nach zwei Monaten wieder voll ist und der vereinseigene Lieferwagen erneut mit Dutzenden Hunden und Katzen nach Deutschland starten muss. Manchmal finden sich auch «Flugpaten», die ein Tier auf ihr Ticket mitnehmen. Die Helfer setzen es in den Frachtraum und eine deutsche Kontaktperson nimmt es nach der Landung in Empfang.

In Deutschland gibt es auch kritische Stimmen, die sich gegen den Auslandstierschutz und vor allem die Transporte aussprechen, weiß Jutta Grohall. Aber sie weiß auch, dass die Tiere sonst keine Chance hätten, denn in Spanien werden kaum Hunde und Katzen aus Tierheimen adoptiert. In Deutschland dagegen sind spanische Streuner gefragt. «Kaum ein Hund braucht länger als einen Monat, um vermittelt zu werden», sagt Jutta Grohall. Die Hunde seien meistens unkompliziert, äußerst dankbar und besäßen ein gutes Sozialverhalten, weil sie auf der Straße mit anderen Tieren zusammengelebt haben. «Sie werden deshalb gern als Zweithunde genommen.»

Auf seiner Internetseite stellt der Verein die Hunde und Katzen, die ein neues Zuhause suchen, vor. Rund 1000 Tiere aus Spanien sind im vergangenen Jahr auf diese Weise nach Deutschland vermittelt worden. Auch für «Barro» gibt es schon Interessenten.

 

 Mehr Informationen:

Tierschutzorganisation ALBA

vista verde: Tierschutz

 

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