|
Nützlinge:
Schlupf-Filter könnten Kastanien
retten
Alljährlich werden Kastanienbäume
von den Raupen der Rosskastanien-Miniermotte heimgesucht. Hoffnung
im Kampf gegen den Schädling verspricht eine neue Technik.
(jkm) - Schweizer Zoologen stellten
die neue Methode heute auf der Entomologentagung in Halle (Saale)
vor. Ihnen gelang es, aus Kastanienlaub massenhaft Schlupfwespen
zu gewinnen, deren Brut sich in den Raupen entwickelt und sie
so abtötet.
Die Rosskastanien-Miniermotte
(Cameraria ohridella) war erstmals Mitte der 80er-Jahre in Mazedonien
nachgewiesen worden und hat sich seitdem über Mittel- und
Osteuropa verbreitet. Die eigentliche Herkunft der Art ist immer
noch unklar. Im Jahr 1992 tauchte sie auch in Süddeutschland
auf und ist mittlerweile bis Niedersachsen vorgedrungen. Die Raupen
des Schmetterlings fressen in den Blättern der Rosskastanie
(Aesculus hippocastanum) und können die Bäume schon
im Sommer vollständig entlaubt haben. Gerade in Stadtgebieten
ist eine chemische Bekämpfung der Plage jedoch problematisch.
Die Miniermotten überwintern
als Puppen im Herbstlaub - und mit ihnen ihre Todfeinde aus der
Gruppe der Schlupfwespen. Patrik Kehrli und Sven Bacher von der
Universität Bern entwickelten nun Massenschlupfanlagen für
diese Nützlinge. Dabei wird von den Motten befallenes Kastanienlaub
kiloweise in Behälter gefüllt, die mit mechanischen
Trennvorrichtungen versehen sind. Erste Tests zeigten, dass die
Vorrichtungen 75 Prozent aller jungen Schlupfwespen passieren
ließen, jedoch nur 1 Prozent der Motten.
Aus vier Kilogramm Laub konnten
so bis zu 800 Nützlinge gewonnen werden, überwiegend
aus der Gruppe der Erzwespen (Chalcidoidea). Kehrli und Bacher
wollen ihre Technik nun in der Praxis erproben. "Wir sind
gespannt, ob sich unsere Massenschlupfanlagen zu einer künftigen
Biocontrol-Strategie gegen Cameraria ohridella entwickeln lassen",
so die Forscher. Ihre Arbeiten führen sie im Rahmen des EU-Projekts
CONTRACAM durch, dass eine dauerhafte biologische Kontrolle der
Schädlinge anstrebt.
Anders als "echte" Parasiten
verbringen Schlupfwespen nur einen Teil ihres Lebenszyklus' in
einem Wirt. Daher werden sie als Parasitoide bezeichnet.
|