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Afrika: Münchner Urfisch-Forscher
tauchen ab zu erneuter Expedition
Mit einer Tauchboot-Expedition
wollen Max-Planck-Forscher den extrem seltenen Quastenflosser
und seinen Lebensraum vor der Küste Südafrikas erforschen.
Von Ralf E. Krüger, dpa
St. Lucia/München (dpa)
- Freudige Erregung sah man den lebenden Fossilen nie an, wenn
sie das Münchner Team um Prof. Hans Fricke in den Tiefen
des Meeres aufstöberte. Träge und etwas glubschäugig
starrten die bis zu zwei Meter langen Urfische stets auf das kleine
gelbe Tauchboot des Max-Planck-Instituts. «Den Quastenflossern
sind wir unterwasser ziemlich egal», ist sich die Zoologin
Karen Hissmann sicher.
Die prähistorischen Quastenflosser,
die lange Zeit wie die Dinosaurier als ausgestorben galten, sind
evolutionsbiologisch von großer Bedeutung: Sie stehen neben
den Lungenfischen an der Wurzel der landlebenden Wirbeltiere.
Nur einige wenige der Urfische, deren Entwicklungsgeschichte rund
400 Millionen Jahre zurückreicht, wurden bisher in schwer
zugänglichen Unterwasserhöhlen bei Indonesien und den
Komoren-Inseln ausgemacht.
Im April werden sie erneut von
dem fürs Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie
in Seewiesen tätigen Professor Besuch bekommen. Vor Südafrikas
Ostküste ist eine wissenschaftliche Unterwasser- Expedition
geplant. Kern des von Südafrika mit zehn Millionen Rand (1,2
Millionen Euro) geförderten Projekts ist ein für zwei
Menschen ausgelegte Tauchboot, das bis zu 400 Meter tief sinken
kann. Es sieht die Erforschung des extrem seltenen Fisches und
seines Lebensraums vor und ist in internationale Programme eingebunden,
bei denen Deutschland größter Partner ist.
Am 10. April wird das Tauchboot
an Bord des südafrikanischen Fischereischiffs «Algoa»
zur Sodwana Bay vor dem Naturschutzgebiet St. Lucia gebracht werden.
Ein Jahr zuvor hatten Fricke und sein Team dort mit Kollegen aus
Südafrika einen ganzen Bestand der Urfische ausgemacht. Mit
einem speziellen Greifarm sammelten sie ein paar Schuppen für
Gen-Analysen an der Universität Würzburg und markierten
einige der Fische.
Bei Tauchfahrten von insgesamt
57 Stunden wurden die Unterwasser-Spalten Sodwana Bays erkundet,
gefilmt und kartografiert - Basis für ein geplantes Quastenflosser-
Schutzprogramm. Frickes Fazit: «Ein Mangel an Unterschlupfmöglichkeiten
herrscht offenbar nicht; trotzdem stießen wir nur in zwei
Canyons auf Quastenflosser.»
Neben der Erforschung weiterer
Täler steht diesmal der so genannte Jesser-Canyon im Zentrum
des Interesses. Dort wurden die meisten Tiere beobachtet. «Es
ist möglich, dass die Population im St. Lucia Schutzgebiet
relativ jung ist und auf ein oder wenige Einzeltiere zurückgeht»,
heißt es in einem Zwischenbericht. Die Anwesenheit eines
trächtigen Weibchens deutet auf einen sich fortpflanzenden
Bestand hin.
Die Frage, wie sich die archaischen
Fische im Einflussbereich einer der stärksten Meeresströmungen
der Welt behaupten können, wurde mittlerweile beantwortet:
Über dem Meeresboden laufen die Fisch fressenden Urtiere
in einer Grenzschicht aus langsamen Strömungen kaum Gefahr,
vom 16 bis 19 Grad warmen Wasser fortgetragen zu werden. Es gilt
als möglich, dass der Bestand größer als bisher
angenommen ist und sich bis vor die mosambikanische Küste
erstreckt.
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