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- 10.03.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Afrika: Münchner Urfisch-Forscher tauchen ab zu erneuter Expedition

Mit einer Tauchboot-Expedition wollen Max-Planck-Forscher den extrem seltenen Quastenflosser und seinen Lebensraum vor der Küste Südafrikas erforschen.

Von Ralf E. Krüger, dpa

St. Lucia/München (dpa) - Freudige Erregung sah man den lebenden Fossilen nie an, wenn sie das Münchner Team um Prof. Hans Fricke in den Tiefen des Meeres aufstöberte. Träge und etwas glubschäugig starrten die bis zu zwei Meter langen Urfische stets auf das kleine gelbe Tauchboot des Max-Planck-Instituts. «Den Quastenflossern sind wir unterwasser ziemlich egal», ist sich die Zoologin Karen Hissmann sicher.

Die prähistorischen Quastenflosser, die lange Zeit wie die Dinosaurier als ausgestorben galten, sind evolutionsbiologisch von großer Bedeutung: Sie stehen neben den Lungenfischen an der Wurzel der landlebenden Wirbeltiere. Nur einige wenige der Urfische, deren Entwicklungsgeschichte rund 400 Millionen Jahre zurückreicht, wurden bisher in schwer zugänglichen Unterwasserhöhlen bei Indonesien und den Komoren-Inseln ausgemacht.

Im April werden sie erneut von dem fürs Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen tätigen Professor Besuch bekommen. Vor Südafrikas Ostküste ist eine wissenschaftliche Unterwasser- Expedition geplant. Kern des von Südafrika mit zehn Millionen Rand (1,2 Millionen Euro) geförderten Projekts ist ein für zwei Menschen ausgelegte Tauchboot, das bis zu 400 Meter tief sinken kann. Es sieht die Erforschung des extrem seltenen Fisches und seines Lebensraums vor und ist in internationale Programme eingebunden, bei denen Deutschland größter Partner ist.

Am 10. April wird das Tauchboot an Bord des südafrikanischen Fischereischiffs «Algoa» zur Sodwana Bay vor dem Naturschutzgebiet St. Lucia gebracht werden. Ein Jahr zuvor hatten Fricke und sein Team dort mit Kollegen aus Südafrika einen ganzen Bestand der Urfische ausgemacht. Mit einem speziellen Greifarm sammelten sie ein paar Schuppen für Gen-Analysen an der Universität Würzburg und markierten einige der Fische.

Bei Tauchfahrten von insgesamt 57 Stunden wurden die Unterwasser-Spalten Sodwana Bays erkundet, gefilmt und kartografiert - Basis für ein geplantes Quastenflosser- Schutzprogramm. Frickes Fazit: «Ein Mangel an Unterschlupfmöglichkeiten herrscht offenbar nicht; trotzdem stießen wir nur in zwei Canyons auf Quastenflosser.»

Neben der Erforschung weiterer Täler steht diesmal der so genannte Jesser-Canyon im Zentrum des Interesses. Dort wurden die meisten Tiere beobachtet. «Es ist möglich, dass die Population im St. Lucia Schutzgebiet relativ jung ist und auf ein oder wenige Einzeltiere zurückgeht», heißt es in einem Zwischenbericht. Die Anwesenheit eines trächtigen Weibchens deutet auf einen sich fortpflanzenden Bestand hin.

Die Frage, wie sich die archaischen Fische im Einflussbereich einer der stärksten Meeresströmungen der Welt behaupten können, wurde mittlerweile beantwortet: Über dem Meeresboden laufen die Fisch fressenden Urtiere in einer Grenzschicht aus langsamen Strömungen kaum Gefahr, vom 16 bis 19 Grad warmen Wasser fortgetragen zu werden. Es gilt als möglich, dass der Bestand größer als bisher angenommen ist und sich bis vor die mosambikanische Küste erstreckt.

 

 Mehr Informationen:

Quastenflosser-Forschungsprogramm des MPI Seewiesen

Quastenflosser-Informationen der Universität München

Über die Entdeckung der Quastenflossers

 

 Lesen Sie auch:

Neue Insektenordnung: Lebende Fossilien entdeckt

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