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Kanada: Mehr Flüchtlinge aus Fischfarmen
Deutlich mehr Atlantische Lachse
als bisher angenommen entkommen aus kanadischen Aquakulturen und
gefährden die einheimischen Lachspopulationen.
(jkm) - In Fischfarmen an der
Pazifikküste Nordamerikas wird meist Atlantischer Lachs großgezogen.
Kanadische Biologen haben herausgefunden, dass deutlich mehr Fische
als bisher angenommen aus den Aquakulturen entfleuchen. Da die
Tiere sich in der fremden Umwelt fortpflanzen können, stellen
sie eine Gefahr für die einheimischen Lachse dar.
"Faktoren wie Habitatverlust,
globale Erwärmung und Verschmutzung haben den Pazifischen
Lachs bereits an den Rand des Aussterbens gebracht", erläutert
John Volpe von der University of Alberta in Edmonton. Die fremden
Lachse könnten das Fass nun zum Überlaufen bringen.
"Nicht nur für die Spezies, auch für die Wirtschaft
ist dies ein sehr ernstes Thema", so der Forscher. So hänge
beispielsweise im US-Bundesstaat Alaska fast die Hälfte aller
Arbeitsplätze im privaten Sektor vom Pazifischen Lachs (Oncorhynchus)
ab.
Gemeinsam mit Alexandra Morton
von der Forschungsorganisation Raincoast Research machte Volpe
sich daran, Zahl und Zustand der aus Fischfarmen entkommenen Atlantischen
Lachse (Salmon salar) zu ermitteln. Zehnmal täglich kontaktierten
die Biologen über Funk die nordöstlich von Vancouver-Island
operierende Fangflotte und ließen sich die aktuellen Zahlen
nennen. Bei gelegentlichen Besuchen auf den Fangschiffen überprüften
sie die Angaben und erhielten Exemplare für eine nähere
Untersuchung.
Von August bis September 2000
wurden demnach fast 11.000 Atlantische Lachse gefangen, 40 Prozent
mehr, als bislang aufgrund freiwilliger Meldungen geschätzt.
Zudem bestätigten die Untersuchungen, dass die fremden Lachse
sich auch im Pazifik wohl fühlen: Die Tiere waren gut entwickelt
und rund zwei Prozent von ihnen hatten bereits die Geschlechtsreife
erreicht.
Im Jahr 1991 hatte das kanadische
Fischereiministerium das Atlantic Salmon Watch Program ins Leben
gerufen. Im Rahmen dieses Programms sind kommerzielle, private
und eingeborene Fischer aufgerufen, Fänge von Atlantischem
Lachs zu melden. Laut Volpe und Morton zeigen die neuen Daten,
dass diese passive und auf freiwilliger Mitarbeit basierende Erfassung
nicht ausreicht.
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