|
Attacke gegen Kastanien-Bäume: Am
Boden lauert die Miniermotte
Den Kastanien-Bäumen in
Deutschland steht in diesem Jahr eine neue Massen-Attacke der
Miniermotten bevor.
Darmstadt (dpa) - Schatten in
Parks und Biergärten könnte im Spätsommer zur Mangelware
werden, falls die Rosskastanien dann kein Laub mehr haben. Die
winzig kleinen Falter, deren Larven die Kastanien-Blätter
von innen auffressen, haben sich von Süden aus inzwischen
in ganz Deutschland ausgebreitet. Der Winter habe ihnen nicht
geschadet, sagte Horst Bathon vom Institut für biologischen
Pflanzenschutz der Biologischen Bundesanstalt (BBA) in Darmstadt
in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Eingewickelt in ihren Kokon überlebten
die Insekten im Puppenstadium auch sehr tiefe Temperaturen am
Erdboden. «Wir werden in Zukunft damit leben müssen,
dass die Rosskastanien im August die Blätter verlieren»,
sagte Bathon. Ein Mittel gegen die Schädlinge sei nicht in
Sicht, und auch natürliche Gegenspieler des zugewanderten
Insekts fehlten in Mitteleuropa.
Nur schlechtes Wetter zum Zeitpunkt
des Schlüpfens im Frühjahr könne den Befall ein
wenig verringern. Das Zeitfenster sei dafür aber recht eng
und umfasse nur wenige Tage im Mai, wenn die erste Falter- Generation
aus ihren Kokons schlüpft. «Wir können nur beten,
dass dann richtiges Sauwetter herrscht», meint Baton. Nasskaltes
Wetter schade den frisch geschlüpften Faltern. Viele kämen
dann nicht zur Paarung und Eiablage, und die Population starte
auf niedrigem Niveau. Allerdings könnten sich auch aus kleinen
Gruppen im Lauf des Sommers ganze Motten-Armeen entwickeln.
Die nur wenige Millimeter großen
Schmetterlinge mit dem lateinischen Namen «Cameraria ohridella»
waren vor gut zehn Jahren in Deutschland noch unbekannt. Von Mazedonien
aus drangen sie als Larven in Kastanienblättern per Lastwagen
oder Bahn nach Norden und Westen vor. Sie befallen fast ausschließlich
die weiß blühende Gemeine Rosskastanie, die als beliebter
Stadtbaum in Gärten, Parks und entlang von Straßen
weit verbreitet ist. Rot oder gelb blühende Kastanienbäume
werden verschont.
Aus den winzigen Eiern, die die
Weibchen im Frühjahr auf die Blätter legen, wandern
die Larven direkt in die Blätter und legen Fraßgänge
an: helle, durchscheinende «Minen», die später
trocknen und sich braun färben. Die Blätter sind danach
buchstäblich leer gefressen. Die Larven häuten sich
mehrmals und verpuppen sich in einem Kokon, aus dem zehn Tage
später der Falter schlüpft und für neuen Nachwuchs
sorgt.
Bis zu vier Generationen entwickeln
sich in einem Sommer, die Larven der letzten Generation überwintern
in den Blättern. Der Rat, das Laub im Herbst restlos zu entfernen
und zu verbrennen, hilft nach Beobachtungen der Experten nur wenig:
Stets bleiben einige der winzigen Larven zurück. Die Bäume
werden geschwächt, sterben aber nach Bathons Erkenntnissen
nicht ab. Ein natürlicher Zusammenbruch der Population etwa
wegen Krankheiten sei derzeit nicht abzusehen.
Der Ursprung der Motten liege
vermutlich in Asien. Dort gebe es sicher auch natürliche
Gegenspieler wie spezielle Parasiten, vermutet Bathon. Da aber
nicht genau bekannt ist, wo die Motten herkommen, sei es praktisch
unmöglich, eine natürliche Bekämpfungsmethode zu
finden. «Das ist wie die Suche nach einer Stecknadel im
Heuhaufen.»
|