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- 03.03.03 -

 

 

 

 

 


 

Attacke gegen Kastanien-Bäume: Am Boden lauert die Miniermotte

Den Kastanien-Bäumen in Deutschland steht in diesem Jahr eine neue Massen-Attacke der Miniermotten bevor.

Darmstadt (dpa) - Schatten in Parks und Biergärten könnte im Spätsommer zur Mangelware werden, falls die Rosskastanien dann kein Laub mehr haben. Die winzig kleinen Falter, deren Larven die Kastanien-Blätter von innen auffressen, haben sich von Süden aus inzwischen in ganz Deutschland ausgebreitet. Der Winter habe ihnen nicht geschadet, sagte Horst Bathon vom Institut für biologischen Pflanzenschutz der Biologischen Bundesanstalt (BBA) in Darmstadt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Eingewickelt in ihren Kokon überlebten die Insekten im Puppenstadium auch sehr tiefe Temperaturen am Erdboden. «Wir werden in Zukunft damit leben müssen, dass die Rosskastanien im August die Blätter verlieren», sagte Bathon. Ein Mittel gegen die Schädlinge sei nicht in Sicht, und auch natürliche Gegenspieler des zugewanderten Insekts fehlten in Mitteleuropa.

Nur schlechtes Wetter zum Zeitpunkt des Schlüpfens im Frühjahr könne den Befall ein wenig verringern. Das Zeitfenster sei dafür aber recht eng und umfasse nur wenige Tage im Mai, wenn die erste Falter- Generation aus ihren Kokons schlüpft. «Wir können nur beten, dass dann richtiges Sauwetter herrscht», meint Baton. Nasskaltes Wetter schade den frisch geschlüpften Faltern. Viele kämen dann nicht zur Paarung und Eiablage, und die Population starte auf niedrigem Niveau. Allerdings könnten sich auch aus kleinen Gruppen im Lauf des Sommers ganze Motten-Armeen entwickeln.

Die nur wenige Millimeter großen Schmetterlinge mit dem lateinischen Namen «Cameraria ohridella» waren vor gut zehn Jahren in Deutschland noch unbekannt. Von Mazedonien aus drangen sie als Larven in Kastanienblättern per Lastwagen oder Bahn nach Norden und Westen vor. Sie befallen fast ausschließlich die weiß blühende Gemeine Rosskastanie, die als beliebter Stadtbaum in Gärten, Parks und entlang von Straßen weit verbreitet ist. Rot oder gelb blühende Kastanienbäume werden verschont.

Aus den winzigen Eiern, die die Weibchen im Frühjahr auf die Blätter legen, wandern die Larven direkt in die Blätter und legen Fraßgänge an: helle, durchscheinende «Minen», die später trocknen und sich braun färben. Die Blätter sind danach buchstäblich leer gefressen. Die Larven häuten sich mehrmals und verpuppen sich in einem Kokon, aus dem zehn Tage später der Falter schlüpft und für neuen Nachwuchs sorgt.

Bis zu vier Generationen entwickeln sich in einem Sommer, die Larven der letzten Generation überwintern in den Blättern. Der Rat, das Laub im Herbst restlos zu entfernen und zu verbrennen, hilft nach Beobachtungen der Experten nur wenig: Stets bleiben einige der winzigen Larven zurück. Die Bäume werden geschwächt, sterben aber nach Bathons Erkenntnissen nicht ab. Ein natürlicher Zusammenbruch der Population etwa wegen Krankheiten sei derzeit nicht abzusehen.

Der Ursprung der Motten liege vermutlich in Asien. Dort gebe es sicher auch natürliche Gegenspieler wie spezielle Parasiten, vermutet Bathon. Da aber nicht genau bekannt ist, wo die Motten herkommen, sei es praktisch unmöglich, eine natürliche Bekämpfungsmethode zu finden. «Das ist wie die Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen.»

 


© dpa

Forstamtsleiter Peter Wagner aus Weilrod zeigt durch Miniermotten geschädigte Rosskastanienblätter. (Archivbild aus dem Jahr 2000)

 Mehr Informationen:

Biologische Bundesanstalt

vista verde:
- Insekten
- Invasive Arten
 

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