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Fruchtbarer Einwanderer: Heimische Flusskrebse
bedroht
Wissenschaftler haben jetzt
nachgewiesen, dass Marmorkrebse sich eingeschlechtlich fortpflanzen
können. Dies könnte die beliebten Aquarien-Tiere zu
einer Gefahr für heimische Arten machen.
(jkm) - Seit einiger Zeit erfreut
sich ein rätselhafter Flusskrebs bei europäischen Aquarianern
großer Beliebtheit. Im Fachmagazin "Nature" berichten
Berliner Zoologen und ihre Kollegen nun, dass die Tiere sich eingeschlechtlich
per Jungfernzeugung vermehren können. Sollte auch nur ein
einziges Exemplar in die Wildbahn gelangen, könnte daraus
eine ernsthafte Bedrohung für die heimischen Flusskrebse
erwachsen.
Zudem sei die aufgrund ihres Farbmusters
"Marmorkrebs" getaufte Art vermutlich aus Amerika eingeschleppt
worden, schreiben die Forscher um Gerard Scholtz von der Humboldt-Universität
in Berlin. Daher sei sie ein potenzieller Überträger
der Krebspest, jener verheerenden Pilzerkrankung, die die europäischen
Flusskrebse bereits dezimiert habe und immer noch bedrohe.
Der Marmorkrebs war Mitte der
90er-Jahre im deutschen Aquarienhandel aufgetaucht. Scholtz und
seine Kollegen gingen nun Gerüchten nach, die Art könne
sich eingeschlechtlich fortpflanzen. Bei der Gelegenheit sequenzierten
sie auch Teile von zwei Mitochondrien-Gene der Tiere, um mehr
über deren Herkunft zu erfahren. In Florida heimische Krebse
der Art Procambarus fallax sind demnach die nächsten Verwandten
des Marmorkrebses.
Die Untersuchungen belegten, dass
die Art sich über unbefruchtete Eizellen vermehren kann.
So produzierte ein im Labor gehaltenes Weibchen immer wieder Eizellen,
obwohl es über keine Spermien zu deren Befruchtung verfügte.
Zudem erwiesen sich sämtliche der 132 untersuchten Exemplare
als Weibchen, bei denen keinerlei Anzeichen von Hermaphroditismus
zu erkennen waren. Während die Tiere noch ihren Nachwuchs
hüteten, produzierten ihre Eierstöcke bereits neue Eier.
"Unsere Befunde haben zahlreiche
praktische Konsequenzen", schreiben Scholtz und seine Kollegen.
Einerseits könnten die robusten und genetisch identischen
Tiere ideale Versuchsobjekte für die Forschung darstellen.
Andererseits könnte die Art "zur Bedrohung für
europäische Süßwasser-Ökosysteme werden,
da die Freisetzung schon eines einzigen Exemplars ausreichen würde,
um eine Population von Konkurrenten für einheimische Flusskrebse
zu gründen."
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