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- 20.02.2003 -

 

 

 

 


 

Fruchtbarer Einwanderer: Heimische Flusskrebse bedroht

Wissenschaftler haben jetzt nachgewiesen, dass Marmorkrebse sich eingeschlechtlich fortpflanzen können. Dies könnte die beliebten Aquarien-Tiere zu einer Gefahr für heimische Arten machen.

(jkm) - Seit einiger Zeit erfreut sich ein rätselhafter Flusskrebs bei europäischen Aquarianern großer Beliebtheit. Im Fachmagazin "Nature" berichten Berliner Zoologen und ihre Kollegen nun, dass die Tiere sich eingeschlechtlich per Jungfernzeugung vermehren können. Sollte auch nur ein einziges Exemplar in die Wildbahn gelangen, könnte daraus eine ernsthafte Bedrohung für die heimischen Flusskrebse erwachsen.

Zudem sei die aufgrund ihres Farbmusters "Marmorkrebs" getaufte Art vermutlich aus Amerika eingeschleppt worden, schreiben die Forscher um Gerard Scholtz von der Humboldt-Universität in Berlin. Daher sei sie ein potenzieller Überträger der Krebspest, jener verheerenden Pilzerkrankung, die die europäischen Flusskrebse bereits dezimiert habe und immer noch bedrohe.

Der Marmorkrebs war Mitte der 90er-Jahre im deutschen Aquarienhandel aufgetaucht. Scholtz und seine Kollegen gingen nun Gerüchten nach, die Art könne sich eingeschlechtlich fortpflanzen. Bei der Gelegenheit sequenzierten sie auch Teile von zwei Mitochondrien-Gene der Tiere, um mehr über deren Herkunft zu erfahren. In Florida heimische Krebse der Art Procambarus fallax sind demnach die nächsten Verwandten des Marmorkrebses.

Die Untersuchungen belegten, dass die Art sich über unbefruchtete Eizellen vermehren kann. So produzierte ein im Labor gehaltenes Weibchen immer wieder Eizellen, obwohl es über keine Spermien zu deren Befruchtung verfügte. Zudem erwiesen sich sämtliche der 132 untersuchten Exemplare als Weibchen, bei denen keinerlei Anzeichen von Hermaphroditismus zu erkennen waren. Während die Tiere noch ihren Nachwuchs hüteten, produzierten ihre Eierstöcke bereits neue Eier.

"Unsere Befunde haben zahlreiche praktische Konsequenzen", schreiben Scholtz und seine Kollegen. Einerseits könnten die robusten und genetisch identischen Tiere ideale Versuchsobjekte für die Forschung darstellen. Andererseits könnte die Art "zur Bedrohung für europäische Süßwasser-Ökosysteme werden, da die Freisetzung schon eines einzigen Exemplars ausreichen würde, um eine Population von Konkurrenten für einheimische Flusskrebse zu gründen."

 

 Mehr Informationen:

nature science update

Der "Marmorkrebs"

Süßwasserkrebse

HU Berlin, AG Scholtz

Krebspest

vista verde. Neozoen

 

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