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- 29.01.2003 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Allen Verträgen zum Trotz:

Im Meer landet zu viel Dreck

Allen internationalen Abkommen zum Trotz hat die Belastung der Meere durch Verschmutzung, Raubbau und Zerstörung kaum nachgelassen.

Von Edgar Denter, dpa

Den Haag (dpa) - Der Untergang des Tankers «Prestige» mit 70.000 Tonnen giftigem Öl vor der spanischen Atlantikküste hat erneut Panik über eine zunehmende Verschmutzung der Meere ausgelöst. Die Schäden für Menschen und Umwelt sind schwer. Allen internationalen Abkommen zum Trotz hat die Belastung der Meere durch Verschmutzung, Raubbau und Zerstörung kaum nachgelassen. «Viele der Probleme, die schon vor Jahrzehnten identifiziert wurden, sind noch nicht gelöst und viele sind schlimmer geworden», heißt es in einer Studie der Vereinten Nationen vom November.

Die Belastung der größten Ökosysteme der Welt wächst vor allem still - Verklappungen von belastendem Material aus Chemie und Landwirtschaft, Schlammablagerungen mit giftigen Schwermetallen, Einleitung teils gar nicht gereinigter Abwässer oder radioaktive Stoffe. All dies macht ein Vielfaches dessen aus, was bei einzelnen Tanker-Unglücken die Umwelt verseucht.

Spektakuläre Katastrophen in den letzten Jahrzehnten haben aber auch das Gewissen wachgerüttelt. Viele Absprachen zur Eindämmung der Dreckfluten durch Öl sind mit den Namen von Unglückstankern verbunden. Der Untergang der «Torrey Canon» deren Ladung von 120.000 Tonnen Rohöl sich 1967 in den Englischen Kanal ergoss, führte in Phasen zur Verschärfung von Vorschriften für den Bau von Tankern und den Transport von giftigem Öl.

Es bedurfte jedoch weiterer Katastrophen, um die Entwicklung voran zu treiben. Dass Tanker mit nur einer Wand um ihre gefährliche Ladung in den kommenden Jahren von den Meeren verschwunden sein sollen, wurde nach einer Ölpest vor der Bretagne vereinbart. Dort brach im Dezember 1998 der Tanker «Erika» auseinander. Die Havarie der «Prestige» hat die Diskussion erneut angefacht.

Eine bessere Zukunft für die maritime Umwelt will die chemische Industrie wenigstens regional in einer Generation sichern. Bis zum Jahr 2020 wollen die 15 Anrainerstaaten des Nordostatlantik nach der 1998 geschlossenen OSPAR-Konvention alle Einleitungen von sehr schädlichen Stoffen auf Null reduzieren. Dazu muss die Industrie ihre Philosophie und ihren Willen ändern, kommentiert Greenpeace- Wissenschaftler David Santillo von der Universität Exeter in Südengland.

Die erreichten Verbote der Müll-Abladung im Meer, der Verbrennung von Abfällen und der «Entsorgung» radioaktiver Stoffe deuten nach Ansicht von Umweltschützern auf ein verändertes Denken hin. Aber die gewaltige Verseuchung durch Abwässer aus Anlagen an Land über Pipelines und durch Flüsse bedürfe noch viel stärkerer Anstrengungen. Dies gilt nach Greenpeace-Warnung insbesondere für Länder in Asien und Lateinamerika, wo man nicht die Fehler der Vergangenheit aus Europa wiederholen sollte.

«In diesem Bereich brauchen wir endlich eine globale Ausrichtung», meint Santillo. Dass beim Umweltgipfel in Johannesburg Ende 2002 Chemikalien als Problem für die Umwelt anerkannt wurden, sei erfreulich, meinte er. «Aber es muss noch sehr viel mehr geschehen.»

Die Verschmutzung wirkt sich besonders in den flachen Küstenregionen aus. Nach UN-Angaben wohnt weit mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung in Küstennähe und hinterlässt zunehmend seine Spuren. Und der Siedlerstrom hält an. Naturgebiete werden teils irreparabel zerstört.

Die größte Gefahr droht abgeschlossenen Zonen wie dem Mittelmeer, dem Schwarzen Meer, aber auch Nord- und Ostsee. In diesen Gewässern mit geringer Strömung haben sich viele Stoffe aus den großen Flüssen abgelagert und weite Flächen verseucht. Allerdings machten sich in den Ländern entlang der europäischen Flüsse Schutzprogramme jetzt positiv bemerkbar, meint das UN-Umweltprogramm UNEP.

Berichte über Erfolge im Kampf gegen die Meeresverschmutzung durch Öltanker werden von Umweltschützern pessimistischer beurteilt als von Regierungen und Industrie. Nach Angaben von Greenpeace besitzen noch immer mehr als 3400 Schiffe aus der internationalen Tankerflotte keine Doppelhülle und sind älter als 25 Jahre. «Diese Tanker sind schwimmende Zeitbomben», meint die Organisation. Konzerne müssten bei einer Ölkatastrophe zur Verantwortung gezogen werden.

 


© ArtToday

Die Belastung der größten Ökosysteme der Welt wächst vor allem still.

 Mehr Informationen:

Oceansatlas.org

OSPAR

Greenpeace: Meere

WWF: Meere und Küsten

vista verde: Meere und Ozeane

 

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