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Allen Verträgen zum Trotz:
Im Meer landet zu viel Dreck
Allen internationalen Abkommen
zum Trotz hat die Belastung der Meere durch Verschmutzung, Raubbau
und Zerstörung kaum nachgelassen.
Von Edgar Denter, dpa
Den Haag (dpa) - Der Untergang
des Tankers «Prestige» mit 70.000 Tonnen giftigem
Öl vor der spanischen Atlantikküste hat erneut Panik
über eine zunehmende Verschmutzung der Meere ausgelöst.
Die Schäden für Menschen und Umwelt sind schwer. Allen
internationalen Abkommen zum Trotz hat die Belastung der Meere
durch Verschmutzung, Raubbau und Zerstörung kaum nachgelassen.
«Viele der Probleme, die schon vor Jahrzehnten identifiziert
wurden, sind noch nicht gelöst und viele sind schlimmer geworden»,
heißt es in einer Studie der Vereinten Nationen vom November.
Die Belastung der größten
Ökosysteme der Welt wächst vor allem still - Verklappungen
von belastendem Material aus Chemie und Landwirtschaft, Schlammablagerungen
mit giftigen Schwermetallen, Einleitung teils gar nicht gereinigter
Abwässer oder radioaktive Stoffe. All dies macht ein Vielfaches
dessen aus, was bei einzelnen Tanker-Unglücken die Umwelt
verseucht.
Spektakuläre Katastrophen
in den letzten Jahrzehnten haben aber auch das Gewissen wachgerüttelt.
Viele Absprachen zur Eindämmung der Dreckfluten durch Öl
sind mit den Namen von Unglückstankern verbunden. Der Untergang
der «Torrey Canon» deren Ladung von 120.000 Tonnen
Rohöl sich 1967 in den Englischen Kanal ergoss, führte
in Phasen zur Verschärfung von Vorschriften für den
Bau von Tankern und den Transport von giftigem Öl.
Es bedurfte jedoch weiterer Katastrophen,
um die Entwicklung voran zu treiben. Dass Tanker mit nur einer
Wand um ihre gefährliche Ladung in den kommenden Jahren von
den Meeren verschwunden sein sollen, wurde nach einer Ölpest
vor der Bretagne vereinbart. Dort brach im Dezember 1998 der Tanker
«Erika» auseinander. Die Havarie der «Prestige»
hat die Diskussion erneut angefacht.
Eine bessere Zukunft für
die maritime Umwelt will die chemische Industrie wenigstens regional
in einer Generation sichern. Bis zum Jahr 2020 wollen die 15 Anrainerstaaten
des Nordostatlantik nach der 1998 geschlossenen OSPAR-Konvention
alle Einleitungen von sehr schädlichen Stoffen auf Null reduzieren.
Dazu muss die Industrie ihre Philosophie und ihren Willen ändern,
kommentiert Greenpeace- Wissenschaftler David Santillo von der
Universität Exeter in Südengland.
Die erreichten Verbote der Müll-Abladung
im Meer, der Verbrennung von Abfällen und der «Entsorgung»
radioaktiver Stoffe deuten nach Ansicht von Umweltschützern
auf ein verändertes Denken hin. Aber die gewaltige Verseuchung
durch Abwässer aus Anlagen an Land über Pipelines und
durch Flüsse bedürfe noch viel stärkerer Anstrengungen.
Dies gilt nach Greenpeace-Warnung insbesondere für Länder
in Asien und Lateinamerika, wo man nicht die Fehler der Vergangenheit
aus Europa wiederholen sollte.
«In diesem Bereich brauchen
wir endlich eine globale Ausrichtung», meint Santillo. Dass
beim Umweltgipfel in Johannesburg Ende 2002 Chemikalien als Problem
für die Umwelt anerkannt wurden, sei erfreulich, meinte er.
«Aber es muss noch sehr viel mehr geschehen.»
Die Verschmutzung wirkt sich
besonders in den flachen Küstenregionen aus. Nach UN-Angaben
wohnt weit mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung in Küstennähe
und hinterlässt zunehmend seine Spuren. Und der Siedlerstrom
hält an. Naturgebiete werden teils irreparabel zerstört.
Die größte Gefahr
droht abgeschlossenen Zonen wie dem Mittelmeer, dem Schwarzen
Meer, aber auch Nord- und Ostsee. In diesen Gewässern mit
geringer Strömung haben sich viele Stoffe aus den großen
Flüssen abgelagert und weite Flächen verseucht. Allerdings
machten sich in den Ländern entlang der europäischen
Flüsse Schutzprogramme jetzt positiv bemerkbar, meint das
UN-Umweltprogramm UNEP.
Berichte über Erfolge im
Kampf gegen die Meeresverschmutzung durch Öltanker werden
von Umweltschützern pessimistischer beurteilt als von Regierungen
und Industrie. Nach Angaben von Greenpeace besitzen noch immer
mehr als 3400 Schiffe aus der internationalen Tankerflotte keine
Doppelhülle und sind älter als 25 Jahre. «Diese
Tanker sind schwimmende Zeitbomben», meint die Organisation.
Konzerne müssten bei einer Ölkatastrophe zur Verantwortung
gezogen werden.
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