|
Lemuren: Gerbstoff verhindert Fehlgeburten
Schwangere Lemuren auf Madagaskar,
die bittere Pflanzenblätter kauen, schützen sich vor
Fehlgeburten. Das Verhalten der Äffinnen deute auf eine gezielte
Selbstmedikation hin, sagen Biologen.
(jkm) - Michael Huffman und sein
Team von der Universität Kyoto untersuchten die Verhaltensweisen
so genannter Larvensifakas (Propithecus verreauxi). Diese im westlich
gelegenen Kirindy-Wald lebenden Lemuren sind von der Ausrottung
bedroht. Die Weibchen können einmal jährlich nach rund
150 Tagen Schwangerschaft ein einzelnes Junges zur Welt bringen.
Wenige Wochen vor der Geburt beginnt
das schwangere Tier, größere Mengen bitterer Pflanzen
zu fressen, berichten die Forscher jetzt im Fachblatt "Primates".
Offenbar nehmen die Tiere absichtlich größere Mengen
des Gerbstoffes Tannin zu sich. Der Stoff wird auch von Tiermedizinern
eingesetzt, um Fehlgeburten zu verhindern.
Im Vergleich zu Äffinnen,
die kein Tannin aufnehmen, erleiden die Weibchen tatsächlich
weniger Fehlgeburten, bestätigte Huffman gegenüber dem
"New Scientist". Von dem Gerbstoff ist außerdem
bekannt, dass er Parasiten abtöten kann und die Milchproduktion
anregt. Huffman ist sich allerdings nicht sicher, ob die Lemuren
von der Tannin-Wirkung wissen oder die bittere Kost wegen anderer
Bestandteile schätzen.
Einmalig ist der Griff zu "Medikamenten"
bei den Affen nicht: Von insgesamt 39 Primaten-Arten ist bekannt,
dass sie gelegentlich Erde fressen. Diese bindet Giftstoffe im
Darm und ermöglicht es den Tieren, giftige Pflanzen gefahrlos
zu verzehren.
|