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Krise, Klüngel, Korruption:
Keine Hoffnung für Südostasiens
Wälder?
Korruption und Behörden-Mauscheleien,
dazu die anhaltende Wirtschaftskrise lassen bei vielen Umweltschützern
die Hoffnung sinken, dass die Wälder Südostasiens auf
Dauer noch zu retten sind.
Von Frank Brandmaier, dpa
Singapur (dpa) - Wenn die Männer
mit den Motorsägen wieder abgezogen sind, gähnt meist
nichts als Mondlandschaft. Mancherorts auf der indonesischen Insel
Sumatra ragen bis zum Horizont nur noch Baumstümpfe aus der
roten Erde, wo einst der Urwald dampfte - stumme Zeugen steter
Rodung, die in Südostasien den Dschungel über die Jahrzehnte
drastisch zusammenschrumpfen ließ.
Längst schlagen Umweltschützer
Alarm. Doch die verbreitete Korruption und Behörden- Mauscheleien
lassen bei vielen die Hoffnung sinken, dass die Wälder auf
Dauer noch zu retten sind. Immer stärker bedrohen auch anhaltende
Wirtschaftskrisen und die Aussicht auf schnelle Dollars die restlichen
Bestände - wie etwa in Indonesien.
So rasch wie nie zuvor verliert
das riesige Inselreich derzeit seinen Wald: rund zwei Millionen
Hektar Forst pro Jahr und damit in etwa die Fläche Hessens.
Nach einer kürzlich vorgestellten Studie des World Wide Fund
for Nature (WWF) ist bis zum Jahr 2020 mit drei Millionen Hektar
neuer Palmöl-Plantagen zu rechnen - und zwar vermutlich dort,
wo jetzt noch unberührter Dschungel ist.
Als noch gefährlicher für
den Forst des Landes und die nicht selten vom Aussterben bedrohten
Tierarten darin gilt die ebenfalls profitable Holz- und Zellstoffindustrie.
Die Verarbeitung illegal geschlagener Baumstämme aus nahen
Naturparks ist üblich. Dass die Abholzung ein bislang nicht
gekanntes Tempo erreicht hat, wundert Umweltschützer kaum:
«Mauscheleien im Forstbereich lassen den Holzfirmen freie
Hand, ohne dass sie auf langfristige Nachhaltigkeit achten müssten»,
hieß es in einer Studie schon vor einem Jahr.
Doch die Regierung in Jakarta
hat der Branche Priorität eingeräumt und würde
gerne Expansion sehen - um einen Teil des Heers der etwa 40 bis
45 Millionen Un- oder Unterschäftigten aufzusaugen. «Wir
sehen hier eine potenzielle Kollision zwischen zwei politischen
Zielen: eines ist kurzfristig und drängend, das andere ist
langfristig und kann einer Nachfolgeregierung überlassen
werden», befindet der Umweltexperte der Weltbank in Indonesien,
Thomas Walton.
In einem ähnlichen Dilemma
steckt Laos. Holz und Strom aus Wasserkraft zählen seit langem
zu seinen wichtigsten Exportgütern. Nur drohen inzwischen
die ungebremsten Rodungen den Kraftwerken wortwörtlich das
Wasser abzugraben, da die Böden austrocknen. Geber weisen
seit einiger Zeit die kommunistische Regierung in Vientiane auf
die Risiken hin. Doch die Aussicht auf schnelle Devisen läßt
in dem bitterarmen Land alle wohlgemeinten Warnungen verhallen.
Das Problem stellt sich in Thailand
und auf den Philippinen indes fast nicht: Es ist kaum noch etwas
da, was sich ausbeuten ließe. Gerade einmal ein Viertel
Thailands ist derzeit mit Wald bedeckt, vor 100 Jahren waren es
noch 85 Prozent. Und unaufhörlich nagen arme Dorfbewohner
an den Überbleibseln.
Auf den Philippinen hat sich die
Abholzung derweil verlangsamt - weil der restliche Urwald in kaum
zugänglichem Gebiet liegt. Statt dessen machen sich Forstdiebe
über nachgewachsene Bestände in früheren Einschlagsgegenden
her. Es sei der rasante Bevölkerungszuwachs des Landes, der
diese Wälder enormer Bedrohung aussetze, weiß Antonio
Carandang vom Umweltministerium.
Dem Dschungel auf der indonesischen
Insel Sumatra steht derweil neues Unheil bevor: Ein gewaltiges
Straßenprojekt soll eine 422 Kilometer lange Schneise durch
den Urwald des Leuser-Nationalparks schlagen. Umweltschützer
halten immense Schmiergelder für den Grund, dass sich der
Gouverneur der Provinz Aceh für ein Millionenvorhaben stark
macht, das ihrer Meinung nach illegalen Rodungen die Tür
noch ein Stück weiter öffnet. Ein Machtwort aus Jakarta
gegen das Korruptions-Dickicht um Indonesiens Wälder steht
indes noch aus.
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