vista verde - Portal für Umwelt und Natur - Werbung 

vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   N a t u r   &   T i e r e

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 17.01.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Krise, Klüngel, Korruption:

Keine Hoffnung für Südostasiens Wälder?

Korruption und Behörden-Mauscheleien, dazu die anhaltende Wirtschaftskrise lassen bei vielen Umweltschützern die Hoffnung sinken, dass die Wälder Südostasiens auf Dauer noch zu retten sind.

Von Frank Brandmaier, dpa

Singapur (dpa) - Wenn die Männer mit den Motorsägen wieder abgezogen sind, gähnt meist nichts als Mondlandschaft. Mancherorts auf der indonesischen Insel Sumatra ragen bis zum Horizont nur noch Baumstümpfe aus der roten Erde, wo einst der Urwald dampfte - stumme Zeugen steter Rodung, die in Südostasien den Dschungel über die Jahrzehnte drastisch zusammenschrumpfen ließ.

Längst schlagen Umweltschützer Alarm. Doch die verbreitete Korruption und Behörden- Mauscheleien lassen bei vielen die Hoffnung sinken, dass die Wälder auf Dauer noch zu retten sind. Immer stärker bedrohen auch anhaltende Wirtschaftskrisen und die Aussicht auf schnelle Dollars die restlichen Bestände - wie etwa in Indonesien.

So rasch wie nie zuvor verliert das riesige Inselreich derzeit seinen Wald: rund zwei Millionen Hektar Forst pro Jahr und damit in etwa die Fläche Hessens. Nach einer kürzlich vorgestellten Studie des World Wide Fund for Nature (WWF) ist bis zum Jahr 2020 mit drei Millionen Hektar neuer Palmöl-Plantagen zu rechnen - und zwar vermutlich dort, wo jetzt noch unberührter Dschungel ist.

Als noch gefährlicher für den Forst des Landes und die nicht selten vom Aussterben bedrohten Tierarten darin gilt die ebenfalls profitable Holz- und Zellstoffindustrie. Die Verarbeitung illegal geschlagener Baumstämme aus nahen Naturparks ist üblich. Dass die Abholzung ein bislang nicht gekanntes Tempo erreicht hat, wundert Umweltschützer kaum: «Mauscheleien im Forstbereich lassen den Holzfirmen freie Hand, ohne dass sie auf langfristige Nachhaltigkeit achten müssten», hieß es in einer Studie schon vor einem Jahr.

Doch die Regierung in Jakarta hat der Branche Priorität eingeräumt und würde gerne Expansion sehen - um einen Teil des Heers der etwa 40 bis 45 Millionen Un- oder Unterschäftigten aufzusaugen. «Wir sehen hier eine potenzielle Kollision zwischen zwei politischen Zielen: eines ist kurzfristig und drängend, das andere ist langfristig und kann einer Nachfolgeregierung überlassen werden», befindet der Umweltexperte der Weltbank in Indonesien, Thomas Walton.

In einem ähnlichen Dilemma steckt Laos. Holz und Strom aus Wasserkraft zählen seit langem zu seinen wichtigsten Exportgütern. Nur drohen inzwischen die ungebremsten Rodungen den Kraftwerken wortwörtlich das Wasser abzugraben, da die Böden austrocknen. Geber weisen seit einiger Zeit die kommunistische Regierung in Vientiane auf die Risiken hin. Doch die Aussicht auf schnelle Devisen läßt in dem bitterarmen Land alle wohlgemeinten Warnungen verhallen.

Das Problem stellt sich in Thailand und auf den Philippinen indes fast nicht: Es ist kaum noch etwas da, was sich ausbeuten ließe. Gerade einmal ein Viertel Thailands ist derzeit mit Wald bedeckt, vor 100 Jahren waren es noch 85 Prozent. Und unaufhörlich nagen arme Dorfbewohner an den Überbleibseln.

Auf den Philippinen hat sich die Abholzung derweil verlangsamt - weil der restliche Urwald in kaum zugänglichem Gebiet liegt. Statt dessen machen sich Forstdiebe über nachgewachsene Bestände in früheren Einschlagsgegenden her. Es sei der rasante Bevölkerungszuwachs des Landes, der diese Wälder enormer Bedrohung aussetze, weiß Antonio Carandang vom Umweltministerium.

Dem Dschungel auf der indonesischen Insel Sumatra steht derweil neues Unheil bevor: Ein gewaltiges Straßenprojekt soll eine 422 Kilometer lange Schneise durch den Urwald des Leuser-Nationalparks schlagen. Umweltschützer halten immense Schmiergelder für den Grund, dass sich der Gouverneur der Provinz Aceh für ein Millionenvorhaben stark macht, das ihrer Meinung nach illegalen Rodungen die Tür noch ein Stück weiter öffnet. Ein Machtwort aus Jakarta gegen das Korruptions-Dickicht um Indonesiens Wälder steht indes noch aus.

 


© Forest Watch Indonesia

Abholzungen auf der indonesischen Insel Sumatra.


 Mehr Informationen:

Global Forest Watch

FSC Deutschland

WWF

Länderinformationen:
- Indonesien
- Thailand
- Philippinen

vista verde: Regenwald

 

 Lesen Sie auch:

Bevölkerung: Kleine Haushalte bedrohen Artenvielfalt

Studie: Hälfte der Landoberfläche "Wildnis"

Klima: Brennende Torfwälder verstärken Treibhauseffekt

Studie: Naturschutz zahlt sich aus

WWF: Lage für asiatische Nashörner dramatisch

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung

 

© vista verde 2003
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung