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- 15.01.2003 -

 

 

 

 

 


 

Mythos:

Menschenfressende Löwen hausgemachtes Problem

Die Menschen-fressenden Tsavo-Löwen in Kenia boten Stoff für Mythen und Filme. Doch viele der zugrunde liegenden Informationen sind offenbar falsch.

(jkm) - Im Jahr 1898 sollen die berühmt-berüchtigten Tsavo-Löwen in Kenia 135 Eisenbahnarbeiter gerissen haben, bis ein Armeeoffizier sie zur Strecke brachte. Zwei amerikanische Zoologen glauben nun, den Mythos durch Fakten ersetzen zu können. Die Tiere hätten höchstens 30 Menschen getötet und seien erst durch den Einfluss des Menschen zu "Killern" geworden, schreiben die Forscher im "Journal of East African Natural History".

Juilan Kerbis Peterhas und Thomas Gnoske vom Field Museum in Chicago werteten die unveröffentlichte Korrespondenz von Lieutnant Colonel John Patterson sowie historische Berichte über das Löwen-Problem aus. Zudem untersuchten sie Fell und Schädel der von Patterson erlegten Tiere.

Patterson selbst scheint demnach zu dem kürzlich verfilmten Mythos beigetragen zu haben, so die Forscher. Bezifferte der Offizier die Zahl der getöteten indischen Arbeiter zunächst auf 28, berichtete er später von bis zu 135 Opfern. Unklare Todesfälle könnten bis zu 31 Opfer realistisch erscheinen lassen, so Gnoske. "Die weit verbreitete und von Hollywood und populären Abhandlungen bestärkte Version fällt mehr in die Kategorie Mythos denn Faktum."

Das Reißen von Menschen sei für Löwen ein atypisches, erlerntes Verhalten und könne von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, so die Forscher. Diese "Kultur" habe schon vor dem Bau der Eisenbahn bestanden und sich bis in die Zeit des ersten Weltkriegs gehalten. Die Ursache sehen sie wiederum in menschlichen Einflüssen.

"Angesichts der Umstände in den 90er-Jahren des 19. Jahrhundert ist die Frage nicht, warum so viele Menschen Opfer von Löwen wurden", so Gnoske. "Vielmehr wundern wir uns, dass es nicht mehr waren."

Die Tiere hätten den Menschen erstmals als leichte Beute erkannt, als die Sklavenkarawanen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Tsavo gezogen seien. Die Forscher schätzen, dass damals nicht weniger als 80.000 Kranke oder Tote am Rande der Route zurückgelassen wurden.

Ein weiterer Faktor sei eine Nahrungsmittelknappheit während des Eisenbahnbaus, die Hunderte indischer Arbeiter das Leben gekostet habe. Der Tradition folgend, seien die Leichen nicht begraben, sondern offen liegengelassen worden. Weitere Faktoren wie die Jagd auf Elfenbein und die Rinderpest hätten die normale Beute der Löwen knapp werden lassen.

 


Foto: H. Schuetz, Courtesy of The Field Museum

Ein Tsavo-Löwe, der in Größe, Alter und Gebissproblemen den "Menschfressern" ähnelt, mit (tierischer) Beute.

 Mehr Informationen:

The Field Museum:
Lions of Tsavo

Tsavo Maneater Pictures

Der Löwe

vista verde: Raubkatzen

 

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Kenia: Die Löwen ohne Mähne

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