|
Marienkäfer: Die Kehrseite des süßen
Lebens
Süßer Genuss mit
Folgen: Ihren Appetit auf Blattläuse bezahlen manche Marienkäfer
- indirekt - mit der Übertragung von Parasiten.
(jkm) - Einige Marienkäfer
bevorzugen die Nähe von Ameisen, um sich an deren Blattlaus-Herden
gütlich zu tun. Ein deutsch-englisches Forscherduo hat jetzt
entdeckt, dass der Nahrungsreichtum auch seine Nachteile hat:
Indem er den Käfern zu einer längeren Fortpflanzungssaison
verhilft, macht er sie anfällig für einen bei der Kopulation
übertragenen Parasiten.
Marienkäfer leiden unter
mehreren sexuell übertragenen Parasiten, beispielsweise Milben
der Gattung Coccipolipus. "Im Allgemeinen treten Coccipolipus-Milben
nur in den Tropen und im Süden und Osten Europas auf",
erläutert John Sloggett von der Universität Bayreuth.
In nördlichen Gefilden sei die Fortpflanzungsperiode der
Käfer zu kurz, als dass eine Weitergabe der Parasiten an
die nächste Generation erfolgen könne. Dieses Schema
trifft jedoch nicht immer zu, fanden Sloggett und sein Kollege
Gregory Hurst vom University College London.
Die Forscher entdeckten, dass
Coccinella magnifica, eine seltene Verwandte des wohlbekannten
Siebenpunktes, auch in Großbritannien von der Milbe befallen
wird. "Ich habe eine ganze Reihe weiterer Marienkäferarten
auf Coccipolipus-Milben untersucht, jedoch ohne Erfolg",
so Sloggett. "Anscheinend gibt es etwas Ungewöhnliches
an Coccinella magnifica, dass sie von anderen britischen Marienkäfern
unterscheidet."
Des Rätsels Lösung liegt
in regelrechten Herden von Blattläusen, die von roten Waldameisen
gepflegt und gegen jegliche Art von Räubern geschützt
werden - außer gegen Coccinella magnifica. Aufgrund dieses
reichen Nahrungsangebots ist die Fortpflanzungssaison der Art
mit 12 Wochen fast doppelt so lang wie bei den übrigen britischen
Marienkäfern, berichten die Forscher auf dem Jahrestreffen
der British Ecological Society in York. Daher erreichten einige
Nachkommen noch vor dem Ende der Fortpflanzungssaison die Geschlechtsreife,
paarten sich mit Individuen der Elterngeneration, und sorgten
so für die Weitergabe der parasitischen Milbe.
"Diese Studie zeigt die potenziellen
Kosten des Zusammenlebens mit Ameisen auf", erläutert
Sloggett. "Es gibt viele weitere Insekten, die auf ein Leben
mit Ameisen spezialisiert sind: Möglicherweise beherbergen
einige von ihnen ebenfalls Krankheiten, die speziell mit dieser
Art der Lebensführung in Zusammenhang stehen."
|