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- 05.12.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Galiciens größte Umweltkatastrophe:

Ölflut schwappt in Nationalpark

Fast die ganze Küste Galiciens ist von der Ölpest betroffen, nun schwappte die «schwarze Flut» auch in den Nationalpark der Atlantischen Inseln. Tierschützer befürchten, dass von der Ölpest bis zu 50.000 Vögel betroffen sein könnten.

Von Hubert Kahl, dpa

La Coruna/Madrid (dpa) - Sogar die Möwen scheinen verwirrt zu sein. Wie an jedem Tag folgen sie den Fischkuttern, von deren Fängen sonst so mancher Brocken für sie abfällt. Aber dann drehen sie enttäuscht ab. Die Boote haben nämlich keine Fische geladen, sondern schwarzen Ölschlamm, den die Fischer aus dem Meer geschöpft haben. Fast die ganze Küste Galiciens ist von der Ölpest betroffen, die der Untergang des Tankers «Prestige» vor gut zwei Wochen ausgelöst hat. Die Region im Nordwesten Spaniens erlebt ihre schlimmste Umweltkatastrophe aller Zeiten.

Die Ölflut macht auch nicht halt vor den zwei Dutzend Naturschutzgebieten, die entlang der Küste ausgewiesen sind. All die Naturreservate, Vogelschutzgebiete und Feucht-Biotope sind gesetzlich geschützt, aber die Vorschriften konnten das giftige Öl nicht aufhalten. Nun schwappte die «schwarze Flut» auch in den Nationalpark der Atlantischen Inseln und besudelte das «ökologische Schmuckstück» Galiciens.

Der Nationalpark war erst vor einem halben Jahr geschaffen worden, um die einzigartige Insellandschaft mit ihren schroffen Felsen, den menschenleeren Stränden und Dünen noch besser schützen zu können. Er ist der einzige in Galicien und der 13. in ganz Spanien. Hier brüten im Sommer Zehntausende von Seevögeln wie die Weißkopfmöwen oder die Kormoran-Art der Krähenscharben. In der kalten Jahreszeit überwintern auf den Inseln Trauerenten, Tordalken oder Papageitaucher aus dem Norden Europas.

Das Herzstück des Nationalparks bildet der Cies-Archipel vor der Bucht von Vigo. Vor diesen Inseln, wegen ihrer Schönheit auch die «Inseln Gottes» genannt, waren schon Phönizier, Karthager, Römer und Wikinger vor Anker gegangen. Nun tragen sie den Stempel der Ölpest. Strände und Felsklippen wurden von einem dicken Ölfilm überzogen. Draußen im Meer treiben weitere Ölflecken, gegen die die Fischer verzweifelt ankämpfen.

«Dass die Katastrophe sich zu Beginn des Winters ereignet, macht alles noch schlimmer», meint Carles Carboneras von der Ornithologischen Gesellschaft. «Gerade jetzt kommen viele Vögel an, um hier zu überwintern.» Tierschützer befürchten, dass von der Ölpest bis zu 50.000 Vögel betroffen sein könnten.

Besonders schlimm traf es die Trottellumme. Dieser zur Familie der Alken (Papageitaucher, Krabbentaucher) gehörende Schwimmvogel, der seine Eier auf den nackten Fels legt, war schon vor dem Tankerunglück in Spanien akut vom Aussterben bedroht. «Für die Trottellumme dürfte die Ölpest der Todesstoß gewesen sein», meint Estanislao Fernández von der Park- Verwaltung.

Meereskundler gehen davon aus, dass es mindestens fünf Jahre dauern wird, bis die galicische Küste sich einigermaßen von der Katastrophe erholt hat. «Eine vollständige Regeneration wird es jedoch nie geben», warnt Victoriano Urgorri von der Universität in Santiago de Compostela. Mit dem Schweröl seien Stoffe in das Meer gelangt, die dem Ökosystem fremd seien und gegen die es nicht ankämpfen könne.

Die Öffentlichkeit interessiere sich nur für die Vögel, die Fische und Krabben, weil sie sichtbar seien oder zur menschlichen Nahrung gehörten. «Für das Ökosystem ist jedoch auch wichtig, wie die verschiedenen Arten von Algen auf die Ölpest reagieren.»

 


© dpa

Verdreckter Seevogel: Täglich sind mehr Tiere betroffen.


 Mehr Informationen:

Aktionskonferenz Nordsee

Greenpeace

NABU

WWF

IFAW

BirdLife International

EU: Verkehr:
- Memo: Der Untergang der "Prestige" (pdf)

g-o.de: Erdöl - Schwarzes Gold oder schwarze Pest?

Umweltlexikon: Tankerunfälle

vista verde:
Meere und Ozeane

 

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