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Nordsee: Kabeljaubestand gefährdet
- neue Schutzgebiete gefordert
Der Naturschutzbund Deutschland
hat von der Bundesregierung die schnelle Ausweisung neuer Schutzgebiete
in Nord- und Ostsee gefordert. Die Gefährdung der Kabeljau-Bestände
sei nur die Spitze des Eisberges.
Hamburg (dpa) - Der Kabeljaubestand
in der Nordsee wird sich nach Daten der Bundesforschungsanstalt
für Fischerei vorerst nicht erholen. Wie das Institut am
Freitag in Hamburg mitteilte, fehle der Nachwuchs des Speisefisches
in diesem Jahr «fast komplett». «Die Gefährdung
der Kabeljau-Bestände ist nur die Spitze des Eisberges»,
sagte der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU),
Jochen Flasbarth, am Freitag in Hamburg. Bei der Vorstellung eines
Schutzkonzeptes für die Meere forderte der NABU die schnelle
Ausweisung neuer Schutzgebiete in Nord- und Ostsee. «Für
Tiere und Pflanzen gilt Alarmstufe Rot», meinte Flasbarth.
Forscher der Bundesanstalt hatten
Anfang November bei Testfängen mit weniger als einem Jungkabeljau
pro Stunde das niedrigste Ergebnis seit mehr als 20 Jahren ermittelt.
Zweijährige und ältere Fische seien ebenfalls nur vereinzelt
gefangen worden. Der Kabeljaubestand ist nach Angaben der Forscher
seit 1970 von 270.000 Tonnen auf nur noch etwa 40.000 Tonnen geschrumpft.
Die EU-Kommission plant für das kommende Jahr ein Fangverbot
für den Bodenfisch. Der EU-Ministerrat will bereits Mitte
Dezember entscheiden, ob das Moratorium für den Kabeljaufang
in der Nordsee beschlossen werden soll.
NABU fordert Ausweisung neuer
Schutzgebiete
Entsprechend den EU-Richtlinien
für Vogelschutz und FFH (Flora- Fauna-Habitat) müssen
Bund und Länder einen so genannten «günstigen
Erhaltungszustand» sicherstellen, wenn in einem Gebiet bedrohte
Arten festgestellt wurden. Nach der Auswertung wissenschaftlicher
Arbeiten hat der NABU eine entsprechende Vorschlagsliste von Schutzgebieten
erstellt. Innerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone seien nun die
Bundesländer aufgefordert, entsprechende Gebiete zu schaffen.
Die daran anschließende Ausschließliche Wirtschaftszone
(AWZ) liege in der Zuständigkeit des Bundes. Sollten die
Behörden die NABU- Schutzpläne nicht in die Tat umsetzen,
will der Naturschutzbund «gravierende Fälle vor den
Europäischen Gerichtshof zu tragen».
Neben Meeressäugern wie Schweinswalen
und Kegelrobben erfordern auch 25 bedrohte Vogel- und 6 Fischarten
zusätzliche Schutzgebiete. Flasbarth forderte: «In
den künftigen Schutzgebieten muss die wirtschaftliche Nutzung
unterbleiben». Offshore-Windkraftanlagen sollten außerdem
nur außerhalb der Schutzgebiete stehen. Laut NABU gibt es
bereits für die Nordsee 22 Anträge mit zusammen mehr
als 10 000 Rotoren, für die Ostsee seien es 7 Anträge
mit rund 1 100 Einzelanlagen. Wer in schützenswerten Gebieten
geplant habe, habe dies auch gewusst, meinte Flasbarth: «Außerhalb
dieser Gebiete gibt es genug Platz für die Windenergie».
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