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- 29.11.2002 -

 

 

 

 


 

Nordsee: Kabeljaubestand gefährdet - neue Schutzgebiete gefordert

Der Naturschutzbund Deutschland hat von der Bundesregierung die schnelle Ausweisung neuer Schutzgebiete in Nord- und Ostsee gefordert. Die Gefährdung der Kabeljau-Bestände sei nur die Spitze des Eisberges.

Hamburg (dpa) - Der Kabeljaubestand in der Nordsee wird sich nach Daten der Bundesforschungsanstalt für Fischerei vorerst nicht erholen. Wie das Institut am Freitag in Hamburg mitteilte, fehle der Nachwuchs des Speisefisches in diesem Jahr «fast komplett». «Die Gefährdung der Kabeljau-Bestände ist nur die Spitze des Eisberges», sagte der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Jochen Flasbarth, am Freitag in Hamburg. Bei der Vorstellung eines Schutzkonzeptes für die Meere forderte der NABU die schnelle Ausweisung neuer Schutzgebiete in Nord- und Ostsee. «Für Tiere und Pflanzen gilt Alarmstufe Rot», meinte Flasbarth.

Forscher der Bundesanstalt hatten Anfang November bei Testfängen mit weniger als einem Jungkabeljau pro Stunde das niedrigste Ergebnis seit mehr als 20 Jahren ermittelt. Zweijährige und ältere Fische seien ebenfalls nur vereinzelt gefangen worden. Der Kabeljaubestand ist nach Angaben der Forscher seit 1970 von 270.000 Tonnen auf nur noch etwa 40.000 Tonnen geschrumpft. Die EU-Kommission plant für das kommende Jahr ein Fangverbot für den Bodenfisch. Der EU-Ministerrat will bereits Mitte Dezember entscheiden, ob das Moratorium für den Kabeljaufang in der Nordsee beschlossen werden soll.

NABU fordert Ausweisung neuer Schutzgebiete

Entsprechend den EU-Richtlinien für Vogelschutz und FFH (Flora- Fauna-Habitat) müssen Bund und Länder einen so genannten «günstigen Erhaltungszustand» sicherstellen, wenn in einem Gebiet bedrohte Arten festgestellt wurden. Nach der Auswertung wissenschaftlicher Arbeiten hat der NABU eine entsprechende Vorschlagsliste von Schutzgebieten erstellt. Innerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone seien nun die Bundesländer aufgefordert, entsprechende Gebiete zu schaffen. Die daran anschließende Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) liege in der Zuständigkeit des Bundes. Sollten die Behörden die NABU- Schutzpläne nicht in die Tat umsetzen, will der Naturschutzbund «gravierende Fälle vor den Europäischen Gerichtshof zu tragen».

Neben Meeressäugern wie Schweinswalen und Kegelrobben erfordern auch 25 bedrohte Vogel- und 6 Fischarten zusätzliche Schutzgebiete. Flasbarth forderte: «In den künftigen Schutzgebieten muss die wirtschaftliche Nutzung unterbleiben». Offshore-Windkraftanlagen sollten außerdem nur außerhalb der Schutzgebiete stehen. Laut NABU gibt es bereits für die Nordsee 22 Anträge mit zusammen mehr als 10 000 Rotoren, für die Ostsee seien es 7 Anträge mit rund 1 100 Einzelanlagen. Wer in schützenswerten Gebieten geplant habe, habe dies auch gewusst, meinte Flasbarth: «Außerhalb dieser Gebiete gibt es genug Platz für die Windenergie».

 

 Mehr Informationen:

BFA Fischerei

NABU

EU-Kommission: Fischerei

vista verde:
- FFH
- Fischerei
- Offshore-Windenergie

 

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