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- 29.11.2002 -

 

 

 

 

 


 

Naturschutz: Bares für Biodiversität?

Projekte zur Erhaltung der Artenvielfalt könnten erfolgreicher und kosteneffektiver sein, wenn Naturschutzorganisationen auf direkte Weise vorgehen würden, meinen zwei amerikanische Ökonomen.

(jkm) - Statt den Naturschutz mit Entwicklungshilfeprojekten zu verknüpfen und so auf indirekte Weise das Ziel erreichen zu wollen, solle man das Geld lieber zum Landkauf benutzen oder die Anwohner dafür bezahlen, dass sie eine bestimmte Fläche nicht roden, meinen Paul Ferraro von der Georgia State University in Atlanta und Agnes Kiss von der Weltbank in Washington, D.C.

"Die billigste Art zu bekommen, was man will, ist, für das zu zahlen, was man will", schreiben Ferraro und Kiss im Magazin "Science". Viele für Naturschützer interessante Regionen seien wirtschaftlich sehr schwach. Die Einwohner für den Schutz von Habitat und Arten zu bezahlen, könne daher "verblüffend erschwinglich" sein.

Die zwei Ökonomen richten ihre Kritik vor allem gegen integrierte Naturschutz- und Entwicklungsprojekte (Integrated Conservation and Development Projects, ICDP). Solche Projekte fördern beispielsweise umweltfreundlichen Landbau und Tourismus oder investieren in Bildungseinrichtungen. Auf diese Weise will man letztlich erreichen, dass die Anwohner ein Gebiet auf schonende Weise bewirtschaften und daraus soviel finanziellen und sozialen Profit ziehen, dass das Projekt zum Selbstläufer wird.

Farrora und Kiss bezeichnen diese Strategie als "Naturschutz durch Ablenkung" und zitieren Berichte, nach denen ICDP meistens Fehlschläge waren. Scheinbar könne man Naturschutz, Entwicklungshilfe und Nachhaltigkeit also nicht verknüpfen und solle lieber auf direkte Weise vorgehen. Dies sei vor allem kosteneffektiver, da weniger Geld für begleitende Maßnahmen ausgegeben werden müsse. Auch die Anwohner könnten davon profitieren, dass mehr Geld pro erreichtem Naturschutzziel zur Verfügung stehe.

Auf diese Weise erhalte die Biodiversität den Rang eines wertvollen Gutes, so die Ökonomen. Letztlich sei es das, was Naturschützer seit Jahrzehnten immer wieder gefordert hätten. Andere Wissenschaftler stehen einem derartigen Natur-Handel skeptisch gegenüber - nicht nur aus philosophischen Gründen.

Beispielsweise mache man sich erpressbar, wenn man jemanden dafür bezahle, etwas nicht zu tun, so Jon Lovett von der University of York gegenüber der Online-Ausgabe des Magazins "Nature". Und die Zahlungen müssten vor Ort auf faire Weise unter den Anwohnern verteilt werden. Die Erfahrung lehre, dass dies alles andere als gewährleistet sei.

 

 Mehr Informationen:

nature science update

World Bank:
- Biodiversity
- ICDP
- BioCarbon Fund

Conservation International

WWF:
- Natur nutzen und erhalten
- Biodiversity Support Program

DIE ZEIT: Profitcenter Regenwald

vista verde: Artenschutz

 

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