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Naturschutz: Bares für Biodiversität?
Projekte zur Erhaltung der
Artenvielfalt könnten erfolgreicher und kosteneffektiver
sein, wenn Naturschutzorganisationen auf direkte Weise vorgehen
würden, meinen zwei amerikanische Ökonomen.
(jkm) - Statt den Naturschutz
mit Entwicklungshilfeprojekten zu verknüpfen und so auf indirekte
Weise das Ziel erreichen zu wollen, solle man das Geld lieber
zum Landkauf benutzen oder die Anwohner dafür bezahlen, dass
sie eine bestimmte Fläche nicht roden, meinen Paul Ferraro
von der Georgia State University in Atlanta und Agnes Kiss von
der Weltbank in Washington, D.C.
"Die billigste Art zu bekommen,
was man will, ist, für das zu zahlen, was man will",
schreiben Ferraro und Kiss im Magazin "Science". Viele
für Naturschützer interessante Regionen seien wirtschaftlich
sehr schwach. Die Einwohner für den Schutz von Habitat und
Arten zu bezahlen, könne daher "verblüffend erschwinglich"
sein.
Die zwei Ökonomen richten
ihre Kritik vor allem gegen integrierte Naturschutz- und Entwicklungsprojekte
(Integrated Conservation and Development Projects, ICDP). Solche
Projekte fördern beispielsweise umweltfreundlichen Landbau
und Tourismus oder investieren in Bildungseinrichtungen. Auf diese
Weise will man letztlich erreichen, dass die Anwohner ein Gebiet
auf schonende Weise bewirtschaften und daraus soviel finanziellen
und sozialen Profit ziehen, dass das Projekt zum Selbstläufer
wird.
Farrora und Kiss bezeichnen diese
Strategie als "Naturschutz durch Ablenkung" und zitieren
Berichte, nach denen ICDP meistens Fehlschläge waren. Scheinbar
könne man Naturschutz, Entwicklungshilfe und Nachhaltigkeit
also nicht verknüpfen und solle lieber auf direkte Weise
vorgehen. Dies sei vor allem kosteneffektiver, da weniger Geld
für begleitende Maßnahmen ausgegeben werden müsse.
Auch die Anwohner könnten davon profitieren, dass mehr Geld
pro erreichtem Naturschutzziel zur Verfügung stehe.
Auf diese Weise erhalte die Biodiversität
den Rang eines wertvollen Gutes, so die Ökonomen. Letztlich
sei es das, was Naturschützer seit Jahrzehnten immer wieder
gefordert hätten. Andere Wissenschaftler stehen einem derartigen
Natur-Handel skeptisch gegenüber - nicht nur aus philosophischen
Gründen.
Beispielsweise mache man sich
erpressbar, wenn man jemanden dafür bezahle, etwas nicht
zu tun, so Jon Lovett von der University of York gegenüber
der Online-Ausgabe des Magazins "Nature". Und die Zahlungen
müssten vor Ort auf faire Weise unter den Anwohnern verteilt
werden. Die Erfahrung lehre, dass dies alles andere als gewährleistet
sei.
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