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Seeverkehr: Spanien und Frankreich gehen
gegen gefährliche Tanker vor
Spanien und Frankreich verbieten
unsicheren Tankschiffen ab sofort die Benutzung ihrer Gewässer.
Eine Woche nach dem Untergang des Öltankers «Prestige»
setzten beide Länder am Mittwoch strengere Regelungen für
den Seeverkehr in Kraft.
Madrid/La Coruna (dpa) - Danach
werden Tankschiffe, die älter als 15 Jahre sind und deren
Rumpf keine doppelte Wand aufweist, scharf kontrolliert. Schiffe,
die keine ausreichende Sicherheitsgarantie bieten, müssen
die Gewässer beider Länder verlassen und einen Abstand
von 200 Seemeilen (370 Kilometer) zur Küste einhalten.
Auch Deutschland kündigte
eine Initiative für mehr Sicherheit im Seeverkehr an. Bundesverkehrsminister
Manfred Stolpe (SPD) sagte, Berlin wolle zusammen mit Paris im
EU-Verkehrsministerrat ein umfangreiches Maßnahmenpaket
einbringen. Danach sollten die Mitgliedstaaten der Internationalen
Schifffahrts-Organisation IMO aufgefordert werden, eine frühere
Ausmusterung der Einhüllen-Tanker zu prüfen. Besonders
giftiges Schweröl sollte in älteren Einhüllen-
Tankern nicht mehr transportiert werden.
Derweil wuchs in Galicien im
Nordwesten Spaniens die Angst vor einer neuen Ölpest. Ein
riesiger Teppich von 11.000 Tonnen Öl aus der «Prestige»
näherte sich der Küste. Die Ölfläche von der
Größe der Hansestadt Hamburg teilte sich in kleinere
Flecken auf. Der größte Teil davon befand sich nach
Angaben von Vize-Regierungschef Mariano Rajoy am Mittwoch weniger
als 100 Kilometer vom Kap Finisterra entfernt.
Die Ölmassen waren bisher
vom Wind parallel zur Küstenlinie nach Norden getrieben worden.
Nach den Wettervorhersagen sollte der Wind jedoch am Donnerstag
auf Nordwest drehen. «Das wäre das schlechteste Szenarium»,
schrieb die Zeitung «La Voz de Galicia».
Spezialschiffe kommen wegen schlechtem
Wetter nicht zum Einsatz
Die internationale Hilfsflotte
der Spezialschiffe muss derweil der Ölpest weiter tatenlos
zusehen. Vor Freitag sei mit einem Einsatz der Schiffe nicht zu
rechnen, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes
Cuxhaven (WSA). Schlechtes Wetter mache es unmöglich, das
Öl aus dem Meer aufzusaugen. Selbst wenn der Wind abflaue,
seien die Wellen noch zu hoch. Das WSA hat das Spezialschiff «Neuwerk»
nach Spanien entsandt. Die Ölbekämpfungs-Experten des
Technischen Hilfswerks (THW) und der Feuerwehr aus Norddeutschland
begannen dagegen auf dem Festland mit ihrem Einsatz.
Spaniens Ministerpräsident
José Maria Aznar und der französische Staatspräsident
Jacques Chirac hatten am Dienstag in Málaga beschlossen,
die Überwachung der Sicherheit im Seeverkehr ab sofort zu
verschärfen. Die strengen Kontrollen gelten nicht nur für
Öltanker, sondern auch für Frachter, die gefährliche
Güter transportieren. Madrid und Paris kamen zudem überein,
die Frage der Sicherheit von Öltankern auf dem bevorstehenden
Gipfeltreffen der Europäischen Union (EU) in Kopenhagen zur
Sprache zu bringen.
Spanien entsandte eine Fregatte
der Marine zur galicischen Küste, um unsichere Tanker von
der Küste fern zu halten. Frankreich warnte Estland davor,
den Tanker «Byzantio» ohne Kontrollen in Tallinn durchfahren
zu lassen. Das Schiff gilt ebenso wie die «Prestige»
als überaltert und soll vermutlich auf derselben Route wie
der Unglückstanker 50.000 Tonnen Schweröl nach Asien
transportieren.
Der mit 77.000 Tonnen Öl
beladene Tanker «Prestige» war vor Nordwestspanien
leckgeschlagen und vor einer Woche gesunken. Vor dem Untergang
des Schiffes gelangten nach Schätzungen etwa 20.000 Tonnen
Öl ins Meer.
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