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- 27.11.2002 -

 

 

 

 

 

 


 

Seeverkehr: Spanien und Frankreich gehen gegen gefährliche Tanker vor

Spanien und Frankreich verbieten unsicheren Tankschiffen ab sofort die Benutzung ihrer Gewässer. Eine Woche nach dem Untergang des Öltankers «Prestige» setzten beide Länder am Mittwoch strengere Regelungen für den Seeverkehr in Kraft.

Madrid/La Coruna (dpa) - Danach werden Tankschiffe, die älter als 15 Jahre sind und deren Rumpf keine doppelte Wand aufweist, scharf kontrolliert. Schiffe, die keine ausreichende Sicherheitsgarantie bieten, müssen die Gewässer beider Länder verlassen und einen Abstand von 200 Seemeilen (370 Kilometer) zur Küste einhalten.

Auch Deutschland kündigte eine Initiative für mehr Sicherheit im Seeverkehr an. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) sagte, Berlin wolle zusammen mit Paris im EU-Verkehrsministerrat ein umfangreiches Maßnahmenpaket einbringen. Danach sollten die Mitgliedstaaten der Internationalen Schifffahrts-Organisation IMO aufgefordert werden, eine frühere Ausmusterung der Einhüllen-Tanker zu prüfen. Besonders giftiges Schweröl sollte in älteren Einhüllen- Tankern nicht mehr transportiert werden.

Derweil wuchs in Galicien im Nordwesten Spaniens die Angst vor einer neuen Ölpest. Ein riesiger Teppich von 11.000 Tonnen Öl aus der «Prestige» näherte sich der Küste. Die Ölfläche von der Größe der Hansestadt Hamburg teilte sich in kleinere Flecken auf. Der größte Teil davon befand sich nach Angaben von Vize-Regierungschef Mariano Rajoy am Mittwoch weniger als 100 Kilometer vom Kap Finisterra entfernt.

Die Ölmassen waren bisher vom Wind parallel zur Küstenlinie nach Norden getrieben worden. Nach den Wettervorhersagen sollte der Wind jedoch am Donnerstag auf Nordwest drehen. «Das wäre das schlechteste Szenarium», schrieb die Zeitung «La Voz de Galicia».

Spezialschiffe kommen wegen schlechtem Wetter nicht zum Einsatz

Die internationale Hilfsflotte der Spezialschiffe muss derweil der Ölpest weiter tatenlos zusehen. Vor Freitag sei mit einem Einsatz der Schiffe nicht zu rechnen, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Cuxhaven (WSA). Schlechtes Wetter mache es unmöglich, das Öl aus dem Meer aufzusaugen. Selbst wenn der Wind abflaue, seien die Wellen noch zu hoch. Das WSA hat das Spezialschiff «Neuwerk» nach Spanien entsandt. Die Ölbekämpfungs-Experten des Technischen Hilfswerks (THW) und der Feuerwehr aus Norddeutschland begannen dagegen auf dem Festland mit ihrem Einsatz.

Spaniens Ministerpräsident José Maria Aznar und der französische Staatspräsident Jacques Chirac hatten am Dienstag in Málaga beschlossen, die Überwachung der Sicherheit im Seeverkehr ab sofort zu verschärfen. Die strengen Kontrollen gelten nicht nur für Öltanker, sondern auch für Frachter, die gefährliche Güter transportieren. Madrid und Paris kamen zudem überein, die Frage der Sicherheit von Öltankern auf dem bevorstehenden Gipfeltreffen der Europäischen Union (EU) in Kopenhagen zur Sprache zu bringen.

Spanien entsandte eine Fregatte der Marine zur galicischen Küste, um unsichere Tanker von der Küste fern zu halten. Frankreich warnte Estland davor, den Tanker «Byzantio» ohne Kontrollen in Tallinn durchfahren zu lassen. Das Schiff gilt ebenso wie die «Prestige» als überaltert und soll vermutlich auf derselben Route wie der Unglückstanker 50.000 Tonnen Schweröl nach Asien transportieren.

Der mit 77.000 Tonnen Öl beladene Tanker «Prestige» war vor Nordwestspanien leckgeschlagen und vor einer Woche gesunken. Vor dem Untergang des Schiffes gelangten nach Schätzungen etwa 20.000 Tonnen Öl ins Meer.

 

 Mehr Informationen:

Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen

g-o.de: Erdöl - Schwarzes Gold oder schwarze Pest?

Umweltlexikon: Tankerunfälle

Aktionskonferenz Nordsee

Greenpeace

NABU

WWF

vista verde:
Meere und Ozeane

 

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