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Seevögel: Reinigung ölverschmutzter
Tiere ist umstritten
Die Reinigung von ölverschmierten
Vögeln ist bei Tier- und Naturschützern umstritten.
Während die einen vor allem das individuelle Leid der Tiere
lindern wollen, haben die anderen das gesamte Ökosystem im
Blick und sehen wenig Nutzen in der komplizierten, teueren Behandlung
von Einzeltieren.
Von Arno Schütze, dpa
Hamburg (dpa) - «In der
Regel kann man nur ein Prozent der gereinigten Vögel retten»,
sagt Hans- Ulrich Rösner von der Umweltstiftung World Wide
Fund for Nature (WWF). Der Parkbiologe im schleswig-holsteinischen
Westküstenpark, Michael Schlees, hält dagegen: «Jedes
Tier, das gerettet werden kann, sollte gerettet werden.»
In St. Peter-Ording hat der Wildtierpark
vor kurzem eine Station aufgebaut, in der Helfer ölverschmutzte
Tiere säubern. In Deutschland gefundene Vögel werden
dort tierärztlich untersucht, aufgepäppelt und schließlich
in einem aufwendigen Verfahren mit Spülmittellösungen
gereinigt. «Nach ein bis eineinhalb Wochen sind die Tiere
meistens wieder fit», sagt Schlees. «Die Behandlung
kostet einen drei- bis vierstelligen Betrag.» 40 bis 50
Prozent der Vögel überlebten dauerhaft. Reinigungs-Ausrüstung
der Station des Westküstenparks, die von der Tierschutzorganisation
International Fund for Animal Welfare unterstützt wird, sei
derzeit in Spanien im Einsatz.
Zum langfristigen Schutz der
Tiere ist es nach Ansicht der Umweltorganisation Greenpeace sinnvoller,
alle Energie auf das Säubern der Küsten und Inseln zu
verwenden. «Hier wird versucht, mit Barrieren das Öl
von empfindlichen Zonen wie Flussmündungen fort zu halten»,
sagt Greenpeace-Sprecher Thilo Maack. Er ist zusammen mit zehn
Helfern in Spanien im Einsatz. An Vogel-Waschungen beteiligt sich
Greenpeace nicht. «Ein Vogel, dem man noch helfen könnte,
kriegt man nicht. Der fliegt weg», sagt Maack. Stark geschwächte,
wehrlose Tiere überlebten jedoch meist trotz aufwendiger
Säuberung nicht.
«Die Tiere sterben einen
dreifachen Tod», erklärt Maack. Sobald ein Vogel mit
Öl in Berührung kommt, fängt er zwanghaft an zu
putzen. Das herunter geschluckte Öl vergiftet die Vögel.
Gleichzeitig verhungern die Tiere, weil sie so lange nichts essen,
bis sie ihr Gefieder gesäubert haben. Das Öl verklebt
die Federn und zerstört die feine Struktur, die Wasser vom
Körper abhält: Die Tiere erfrieren.
Die feine Federstruktur beim
Waschen zu erhalten, ist nach Expertenmeinung kaum möglich.
«Die stellt sich erst mit der Mauser wieder ein»,
sagt die Sprecherin des Wattenmeersekretariats Bettina Reineking.
Auch aus diesem Grund liege die mittlere Überlebensdauer
von gereinigten Vögeln nach britischen Untersuchungen nur
bei sieben Tagen. Eine Rettung einzelner Tiere sei aber nur ökologisch
sinnvoll, wenn sich der Vogel anschließend wieder der Brutkolonie
anschließe und Nachkommen produziere.
Greenpeace-Sprecher Andreas Bernstorff
macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: «Bei den Wasch-Aktionen
bekommen Vögel einen Adrenalin-Schock. Dadurch erleben sie
ihren Tod viel stärker, als wenn sie im Öl langsam dahin
dämmern.»
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