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- 18.08.2003 -

 

 

 

 

 


 

Seevögel: Reinigung ölverschmutzter Tiere ist umstritten

Die Reinigung von ölverschmierten Vögeln ist bei Tier- und Naturschützern umstritten. Während die einen vor allem das individuelle Leid der Tiere lindern wollen, haben die anderen das gesamte Ökosystem im Blick und sehen wenig Nutzen in der komplizierten, teueren Behandlung von Einzeltieren.

Von Arno Schütze, dpa

Hamburg (dpa) - «In der Regel kann man nur ein Prozent der gereinigten Vögel retten», sagt Hans- Ulrich Rösner von der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF). Der Parkbiologe im schleswig-holsteinischen Westküstenpark, Michael Schlees, hält dagegen: «Jedes Tier, das gerettet werden kann, sollte gerettet werden.»

In St. Peter-Ording hat der Wildtierpark vor kurzem eine Station aufgebaut, in der Helfer ölverschmutzte Tiere säubern. In Deutschland gefundene Vögel werden dort tierärztlich untersucht, aufgepäppelt und schließlich in einem aufwendigen Verfahren mit Spülmittellösungen gereinigt. «Nach ein bis eineinhalb Wochen sind die Tiere meistens wieder fit», sagt Schlees. «Die Behandlung kostet einen drei- bis vierstelligen Betrag.» 40 bis 50 Prozent der Vögel überlebten dauerhaft. Reinigungs-Ausrüstung der Station des Westküstenparks, die von der Tierschutzorganisation International Fund for Animal Welfare unterstützt wird, sei derzeit in Spanien im Einsatz.

Zum langfristigen Schutz der Tiere ist es nach Ansicht der Umweltorganisation Greenpeace sinnvoller, alle Energie auf das Säubern der Küsten und Inseln zu verwenden. «Hier wird versucht, mit Barrieren das Öl von empfindlichen Zonen wie Flussmündungen fort zu halten», sagt Greenpeace-Sprecher Thilo Maack. Er ist zusammen mit zehn Helfern in Spanien im Einsatz. An Vogel-Waschungen beteiligt sich Greenpeace nicht. «Ein Vogel, dem man noch helfen könnte, kriegt man nicht. Der fliegt weg», sagt Maack. Stark geschwächte, wehrlose Tiere überlebten jedoch meist trotz aufwendiger Säuberung nicht.

«Die Tiere sterben einen dreifachen Tod», erklärt Maack. Sobald ein Vogel mit Öl in Berührung kommt, fängt er zwanghaft an zu putzen. Das herunter geschluckte Öl vergiftet die Vögel. Gleichzeitig verhungern die Tiere, weil sie so lange nichts essen, bis sie ihr Gefieder gesäubert haben. Das Öl verklebt die Federn und zerstört die feine Struktur, die Wasser vom Körper abhält: Die Tiere erfrieren.

Die feine Federstruktur beim Waschen zu erhalten, ist nach Expertenmeinung kaum möglich. «Die stellt sich erst mit der Mauser wieder ein», sagt die Sprecherin des Wattenmeersekretariats Bettina Reineking. Auch aus diesem Grund liege die mittlere Überlebensdauer von gereinigten Vögeln nach britischen Untersuchungen nur bei sieben Tagen. Eine Rettung einzelner Tiere sei aber nur ökologisch sinnvoll, wenn sich der Vogel anschließend wieder der Brutkolonie anschließe und Nachkommen produziere.

Greenpeace-Sprecher Andreas Bernstorff macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: «Bei den Wasch-Aktionen bekommen Vögel einen Adrenalin-Schock. Dadurch erleben sie ihren Tod viel stärker, als wenn sie im Öl langsam dahin dämmern.»

 


© dpa

Ein Junge mit einem ölverschmutzten Seevogel in Malpica, La Coruna.

 Mehr Informationen:

Greenpeace

WWF

BirdLife

IFAW

Westküstenpark St. Peter-Ording

 

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