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Vikunja: Die Erfolgsgeschichte des kleinen
Anden-Kamels
Wilderei, die Beweidung seiner
Lebensräume durch Haustiere sowie eingeschleppte Krankheiten
hätten dem Vikunja fast den Garaus gemacht. Doch inzwischen
gilt die Rettung der zierlichen Lama-Art als eine der größten
Erfolgsgeschichten des Artenschutzes.
Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa
Santiago de Chile (dpa) - Fast
wäre das Anden-Kamel Vikunja für immer ausgestorben.
Mitte der 60er Jahre gab es in Peru, Bolivien, Chile und Argentinien
zusammen nur noch geschätzte 2000 Tiere mit der äußerst
weichen, geschmeidigen und teuren Wolle. Vor der Ankunft der spanischen
Eroberer sollen es weit über eine Millionen gewesen sein.
Doch Wilderei, Beweidung der Lebensräume der Vikunja durch
Haustiere wie Lamas, Schafe und Ziegen sowie eingeschleppte Krankheiten
hätten der Art fast den Garaus gemacht.
Inzwischen gibt es wieder mehr
als 200.000 Tiere und die Nutzung der Wolle ist unter Einschränkungen
wieder erlaubt. Nach Worten von Volker Homes von der Umweltschutzorganisation
WWF gilt die Rettung der zierlichen Lama-Art als eine der größten
Erfolgsgeschichten des Artenschutzes. Es sei gelungen, den Schutz
einer wild lebenden Art mit ihrer nachhaltigen wirtschaftlichen
Nutzung zu verknüpfen.
Die Wende zum Besseren brachte
das Jahr 1975. Damals wurden die Vikunjas in den Anhang I des
noch neuen Washingtoner Artenschutz- Übereinkommens (Cites)
aufgenommen. Damit war jeglicher Handel mit Wolle, Fellen oder
Fleisch der Tiere verboten. Vorher waren die schmächtigen
Tiere mit einer Schulterhöhe von nur 1,20 Metern und einem
Gewicht von etwa 55 Kilogramm in den kargen Hochanden wegen ihres
Fleisches aber auch wegen der Fälle gejagt worden. Damals
seien die wilden Vorfahren der domestizierten Lamas und Alpakas
teilweise sogar nur für die Schur geschossen worden.
Heute werden die Vikunjas wie
schon zu Zeiten der Inkas zum Scheren eingefangen und nach der
Schur wieder freigelassen. Auch diese Prozedur bezahlen einige
der scheuen Tiere wegen des großen Stresses mit dem Leben,
aber die Art werde so nicht gefährdet. Bis Mitte der 90er
Jahre stieg die Zahl der Vikunjas so weit an, dass der Handel
mit Wolle aus bestimmten Regionen stufenweise wieder freigegeben
wurde.
Auf der zur Zeit laufenden 12.
Artenschutzkonferenz in Santiago de Chile erhielten Argentinien,
Bolivien und Peru in der Vorentscheidung nun weitere Genehmigungen
zum Handel mit der Wolle. Pro Tier werden bei der jährlichen
Schur nur etwa 200 Gramm Wolle gewonnen, die bis zu 500 Euro pro
Kilogramm kostet.
Problematisch ist aus Sicht des
WWF-Experten David Tecklin jedoch die vor allem in Argentinien
betriebene Zucht der Vikunjas in Gefangenschaft. Tiere, die in
der freien Wildbahn eigentlich in kleinen Familiengruppen mit
nur fünf bis 20 Mitgliedern lebten, sollten nicht in großen
Herden zusammengepfercht werden.
«Das sind gerade auch durch
den Kontakt mit Haustieren leicht Brutstätten für neue
Krankheiten, die auch auf die Populationen in freier Wildbahn
überspringen können», warnte Tecklin in Santiago.
Auch könnten die Farmen als «Waschanlagen» für
illegal erlangte Wolle zum Beispiel aus der Wilderei oder aus
Nationalparks missbraucht werden. Die Gefährdung des Anden-Kamels
sei noch nicht völlig überwunden. Wenn die verbliebenen
Schutzbestimmungen aber konsequent umgesetzt würden, sei
kein Anlass für Pessimismus vorhanden, fügte Tecklin
hinzu.
vista verde special: Artenschutzkonferenz
CITES
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