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- 14.11.2002 -

 

 

 

 


 

Vikunja: Die Erfolgsgeschichte des kleinen Anden-Kamels

Wilderei, die Beweidung seiner Lebensräume durch Haustiere sowie eingeschleppte Krankheiten hätten dem Vikunja fast den Garaus gemacht. Doch inzwischen gilt die Rettung der zierlichen Lama-Art als eine der größten Erfolgsgeschichten des Artenschutzes.

Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Santiago de Chile (dpa) - Fast wäre das Anden-Kamel Vikunja für immer ausgestorben. Mitte der 60er Jahre gab es in Peru, Bolivien, Chile und Argentinien zusammen nur noch geschätzte 2000 Tiere mit der äußerst weichen, geschmeidigen und teuren Wolle. Vor der Ankunft der spanischen Eroberer sollen es weit über eine Millionen gewesen sein. Doch Wilderei, Beweidung der Lebensräume der Vikunja durch Haustiere wie Lamas, Schafe und Ziegen sowie eingeschleppte Krankheiten hätten der Art fast den Garaus gemacht.

Inzwischen gibt es wieder mehr als 200.000 Tiere und die Nutzung der Wolle ist unter Einschränkungen wieder erlaubt. Nach Worten von Volker Homes von der Umweltschutzorganisation WWF gilt die Rettung der zierlichen Lama-Art als eine der größten Erfolgsgeschichten des Artenschutzes. Es sei gelungen, den Schutz einer wild lebenden Art mit ihrer nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzung zu verknüpfen.

Die Wende zum Besseren brachte das Jahr 1975. Damals wurden die Vikunjas in den Anhang I des noch neuen Washingtoner Artenschutz- Übereinkommens (Cites) aufgenommen. Damit war jeglicher Handel mit Wolle, Fellen oder Fleisch der Tiere verboten. Vorher waren die schmächtigen Tiere mit einer Schulterhöhe von nur 1,20 Metern und einem Gewicht von etwa 55 Kilogramm in den kargen Hochanden wegen ihres Fleisches aber auch wegen der Fälle gejagt worden. Damals seien die wilden Vorfahren der domestizierten Lamas und Alpakas teilweise sogar nur für die Schur geschossen worden.

Heute werden die Vikunjas wie schon zu Zeiten der Inkas zum Scheren eingefangen und nach der Schur wieder freigelassen. Auch diese Prozedur bezahlen einige der scheuen Tiere wegen des großen Stresses mit dem Leben, aber die Art werde so nicht gefährdet. Bis Mitte der 90er Jahre stieg die Zahl der Vikunjas so weit an, dass der Handel mit Wolle aus bestimmten Regionen stufenweise wieder freigegeben wurde.

Auf der zur Zeit laufenden 12. Artenschutzkonferenz in Santiago de Chile erhielten Argentinien, Bolivien und Peru in der Vorentscheidung nun weitere Genehmigungen zum Handel mit der Wolle. Pro Tier werden bei der jährlichen Schur nur etwa 200 Gramm Wolle gewonnen, die bis zu 500 Euro pro Kilogramm kostet.

Problematisch ist aus Sicht des WWF-Experten David Tecklin jedoch die vor allem in Argentinien betriebene Zucht der Vikunjas in Gefangenschaft. Tiere, die in der freien Wildbahn eigentlich in kleinen Familiengruppen mit nur fünf bis 20 Mitgliedern lebten, sollten nicht in großen Herden zusammengepfercht werden.

«Das sind gerade auch durch den Kontakt mit Haustieren leicht Brutstätten für neue Krankheiten, die auch auf die Populationen in freier Wildbahn überspringen können», warnte Tecklin in Santiago. Auch könnten die Farmen als «Waschanlagen» für illegal erlangte Wolle zum Beispiel aus der Wilderei oder aus Nationalparks missbraucht werden. Die Gefährdung des Anden-Kamels sei noch nicht völlig überwunden. Wenn die verbliebenen Schutzbestimmungen aber konsequent umgesetzt würden, sei kein Anlass für Pessimismus vorhanden, fügte Tecklin hinzu.

 

   vista verde special: Artenschutzkonferenz CITES

vista verde special: Artenschutzkonferenz


© dpa

Vikunja-Jungtier im Frankfurter Zoo, wo es im September zur Welt gekommen ist. Vikunjas sind eine in Südamerika wild lebenden Lama-Art.

 Mehr Informationen:

WWF: Vikunja (pdf)

Über das Vikunja

vista verde special: Artenschutzkonferenz CITES

 

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Artenschutzkonferenz in Chile: Geld oder Leben?

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